Stadionheft-Classics: “Eintracht aktuell” vom 14. Februar 1976 gegen den Karlsruher SC. Nur echt mit dem Hubertushirsch! Fotos: Hartmut Neubauer, Scan

Braunschweig. Seit 1976 gibt es schon ein gedrucktes Stadionmagazin bei der Braunschweiger Eintracht. Anlässlich des Traditionsduells mit dem Karlsruher SC werfen wir zum Auftakt unserer neuen Serie einen Blick in die damals erst zweite Ausgabe des kleinen aber feinen Stadionheftes “Eintracht aktuell”. Viel Spaß im Retromodus! 

Das waren noch Zeiten!

Das waren wirklich noch andere Zeiten! Im Februar 1976 kostete ein Heimspiel-Ticket bei Eintracht Braunschweig noch zarte 7,50 Deutsche Mark. Kult-Schatzmeister Hans-Otto Schröder rechnet vor, was für den damaligen Bundesligisten am Ende übrig blieb: 74 Pfennig Umsatzsteuer, 45 Pfenning Verbandsabgaben, 17 Pfennig für die Ordner und Kassierer, 15 Pfennig für Werbung, 6 Pfennig für die Schiedsrichter, 90 Pfennig für den Stadion-Unterhalt und 25 Pfennig für Reisekosten für das Rückspiel ergaben insgesamt 2 Mark und 72 Pfennig Abzug und somit immerhin 4,78 Mark Gewinn für die Löwen.

“Diese Darstellung informiert Sie nur im einzelnen, insgesamt gesehen ist aber ein guter Zuschauerbesuch im Stadion unbedingt notwendig, um die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Unterhaltung einer leistungsstarken Bundesligamannschaft in Braunschweig aufrechtzuerhalten”, mahnte Schröder im Vorwort der überhaupt erst zweiten Ausgabe der “Eintracht aktuell” zum Heimspiel gegen den Karlsruher SC am 14. Februar 1976. Schröders Wunsch wurde zumindest an diesem Tag nicht erfüllt. 

KSC-Legende Winfried Schäfer und ein damals kurioser Platzverweis werden thematisiert.

KSC-Legende Winfried Schäfer und ein damals kurioser Platzverweis werden thematisiert.

Gersdorff und Zembski leisten echte Pionierarbeit

Einen Monat zuvor hatten die emsigen Eintracht-Profis Bernd Gersdorff und Dieter Zembski überhaupt erst Premiere des neuen Stadionmagazins gefeiert. Von ihrem “Werbebüro Gersdorff+Zembski” am Bankplatz 2 aus leisteten beide echte Pionierarbeit. Auch “Eintracht aktuell” Ausgabe 2 bot den geneigten Fußballfreunden auf seinen 32 Seiten einige (vor allem aus heutiger Sicht) legendäre Informationen. 

“Die Karlsruher tragen ihre Lebensversicherung für jedermann sichtbar auf der Brust”, eröffnete da beispielsweise die Gegnervorstellung auf Seite 5. “Eine Sicherheit, das bekanntlich schwere erste Bundesligajahr schadlos zu überstehen, ist sie dagegen nicht”, frötzelt der Autor charmant. Es war wohl Bernd Gersdorff, lässt sich aber nicht mehr einwandfrei nachweisen. Aber: Er warnt davor, den Gegner zu unterschätzen: “Vielleicht wurden die Süddeutschen in den ersten Spielen nicht ganz ernst genommen.”

Nach dem 2:0-Erfolg im Hinspiel wollten die Löwen auch vor heimischem Publikum gegen die Badener bestehen. “Nach schweren Auswärtsspielen in Berlin und Köln wird die Braunschweiger Eintracht nun alle Kraft und Konzentration in dieses Spiel legen”, prophezeit die Stadiongazette.

Etwas Humor muss sein.

Etwas Humor muss sein.

Vaterfreuden bei Franke und Dremmler

Und wo jüngst die Ex-Löwen Marc Pfitzner und Mirko Boland in Vaterfreuden weilen (Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!), machten es schon ihre Vorgänger so: “Bernd Frankes Frau Hedi brachte am 18.1.1976 um 11.00 Uhr einen prächtigen Jungen (Größe 51 cm, Gewicht: 2750 g), der auf den Namen Folkert hören soll zur Welt”, informiert die “Eintracht aktuell” und: “Dem wollte Wolfgang Dremmlers Frau Sabine nicht nachstehen: am 23.1. präsentierte sie ihren Sebastian (50 cm und 2580g) und machte unseren jüngsten Spieler ‘Paule’ zum glücklichen Vater.” – wie herrlich!

Neben vielen weiteren ähnlichen Kleinoden findet sich eine Seite weiter auch folgende: “Franz Merkhoffer, langjähriger linker Abwehrspieler der Braunschweiger Eintracht und gefürchteter Offensivverteidiger, bestreitet gegen den Karlsruher SC sein 200. Meisterschaftsspiel für seinen Club. Die Mannschaft gratulier dem Franz recht herzlich.”

Fangen den Zeitgeist genau ein: Die Leserbriefe.

Fangen den Zeitgeist genau ein: Die Leserbriefe.

Leserbrief fordert mehr Unterhaltung vor dem Spiel

Nicht minder charmant kommen da die ersten abgedruckten Leserbriefe daher. “Als Eintracht-Fan geht es mir auch um die Vorspiele vor den Bundesligatreffen”, schreibt Rolf Möhle aus Braunschweig. “Die Zeit zwischen Ankunft am Stadion und dem Spielbeginn wird vielen Besuchern zu lang. Deshalb fahren viele Zuschauer erst kurz vor Spielbeginn zum Stadion und geraten in einen Verkehrsstau, durch den sie den Spielbeginn verpassen. Wenn das Eintracht-Prösidium schon durch die Presse bekannt gibt, dass man frühzeitig ins Stadion kommen soll, dann muss auch für Unterhaltung vor Spielbeginn gesorgt werden”, fordert Möhle.

Am Ende der Ausgabe folgt auf Seite 31 das “QUIZ”. Immerhin gibt es dort eine 14-tägige Reise für zwei Personen im Wert von 1000 DM, 10 handsignierte Eintrachtposter (75x50cm farbig) und 13 Flaschen Jägermeister zu gewinnen. Die Fragedarauf : Nennt die 11 Spieler von Eintracht Braunschweig, die im 1. Bundesligajahr 1963 das 1. Bundesligaspiel am 24.8.1963 gegen 1860 München in München bestritten. Sind wir doch mal ehrlich: Wer wüsste die Antwort ohne im Internet zu spicken?

Ach ja, gespielt wurde an diesem Samstag im Februar ja auch noch. Und als hätte er es geahnt, legte Bernd Gersdorff das 1:0 gegen den KSC in der 37. Spielminute höchstpersönlich ins Netz. Wolfgang Frank sorgte in der 88. Spielminute für einen weiteren 2:0-Sieg der Zebec-Elf gegen den KSC vor diesmal nur 14.000 Zuschauern.

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