Ist Daniel Meyer noch der richtige Trainer für Eintracht Braunschweig? Foto: Agentur Hübner

Braunschweig. Nach der bitteren Derbyniederlage (Spielbericht) lautet die große Frage: Kann Daniel Meyer Eintracht Braunschweig noch zum Klassenerhalt führen? Till Becker und Frank Vollmer haben haben über die Pros und Contras diskutiert.

Pro Meyer: Der Trainer könnte auch Klopp heißen

Wenn die sportlichen Resultate nicht ausreichen, muss etwas passieren. Erste Wahl: der Trainer fliegt. Das nennt man dann gern die „Automatismen des Markts“. Aber ist ein solcher Schritt tatsächlich sinnvoll? Oder, ganz konkret gefragt: was ist Daniel Meyer bei Eintracht Braunschweig vorzuwerfen, das ein neuer Mann an der Linie besser machen könnte?

Die Antwort fällt kurz aus: vermutlich nichts. Der Trainer könnte Jürgen Klopp heißen, die Eintracht wäre höchstwahrscheinlich trotzdem ein Kellerkind. Die Ursachen dafür sind schnell gefunden: Der aktuelle Kader ist nicht besser als der Tabellenplatz. Lange Zeit hat Daniel Meyer es geschafft, die Ligamannschaft trotz offensichtlicher Limitierungen auf Schlagdistanz der Nichtabstiegsplätze der Zweiten Bundesliga zu halten. Die Punktgewinne resultierten dabei in der Regel nicht aus Zweitliga-Fußball, sondern eher aus starken kämpferischen Auftritten und einer manchmal überragenden Moral. Ein Team, das vom Trainer nicht erreicht wird, liefert keine solchen Auftritte ab.

Fakt ist aber auch, dass diese Energieleistungen nicht beliebig wiederholbar sind. Auf die Dauer einer kompletten Saison müssen Zähler eben auch spielerisch und nicht nur kämpferisch eingefahren werden. Wenn die Mannschaft das nicht hergibt, krebst man eben im Tabellenkeller rum.

Geld für besseres Personal ist bekanntlich nicht vorhanden. Es gab keine satten Transfererlöse, mit denen man wirtschaften könnte, es fehlen die Zuschauereinnahmen und, ja, Hauptsponsor „heycar“ ist trotz Volkswagen-DNS nicht in der Lage, die Schatulle im notwendigen Umfang zu öffnen. Daniel Meyer muss also mit dem arbeiten, was er hat. Und das tut er tatsächlich sehr gut. Sonst wäre Eintracht längst außer Sichtweite des Klassenerhalts.

Was man Meyer ebenfalls zugute halten muss: er hatte sehr klare Vorstellungen davon, wie die Mannschaft aufgebaut werden müsste, um tatsächlich konkurrenzfähig zu sein. Seine Wunschliste aber prallte am Igel in Eintrachts Vereinskasse ab. Das Verletzungspech in der Defensive, das die Eintracht wohl so manchen Punkt gekostet hat, ist eine weitere Facette der Tragödie dieser Saison.

Daniel Meyer arbeitet seit Saisonbeginn am ständigen Limit. Fehler kann man ihm kaum nachweisen, und wenn, dann sind es Entscheidungen gewesen, die nunmal einem Trainer zustehen. Hinterher ist man eh immer schlauer.

Meyer zu entlassen, würde nicht den „Automatismen des Markts“ entsprechen, sondern lediglich Aktionismus bedeuten. „Seht her, wir tun was!“ Lasst den Mann endlich in Ruhe arbeiten. Er holt das Beste aus den Möglichkeiten der Eintracht heraus. Und wenn das Platz 17 bedeutet, dann ist das eben schonungslos ehrlich. (TB)

Contra: Jetzt handeln oder absteigen!

Nur vier Siege aus 20 Spieltagen und satte 41 Gegentore bei lediglich 19 eigenen Treffern – die Bilanz der Braunschweiger Eintracht ist aktuell beinahe so schmal wie einst in der Saison 2013/14. Seinerzeit maßen sich die Löwen allerdings mit Bundesligateams und hatten sich im gleichen Zeitraum immerhin vier Tore weniger eingefangen (3S, 3U, 14N/11:37T/12Pk).

Vor allem die defensive Stabilität geht den Löwen eine Etage tiefer ab. Der Deutsche Meister von 1967 vermochte dabei aktuell nur sechs Zähler aus den vergangenen zehn Spielen zu ergattern. Das hat nicht nur die sportliche Situation des Aufsteigers dramatisch verschlechtert. Denn während St. Pauli und Sandhausen die Eintracht in der Tabelle mittlerweile überholt haben, rückt auch Tabellenschlusslicht Würzburg immer näher. Verantwortlich dafür ist nunmal die Sportliche Leitung: Daniel Meyer und Peter Vollmann.

Mir wird jedes Mal Angst und Bange wenn Meyer verbal überhaupt noch den Zusammenhang mit einem möglichen Klassenerhalt herstellt. Dieser Zug ist in meinen Augen längst abgefahren. Hatte das hart erkämpfte 1:0 gegen Heidenheim noch eine gewisse Signalwirkung, so planierte die Meyer-Elf das zarte Pflänzchen Hoffnung gleich in Kiel wieder mit der Feinmotorik einer Dampfwalze. Dieser Rückfall in alte Muster offenbarte, was unter Meyer in dieser Saison ganz einfach fehlt: Eine Weiterentwicklung.

Die lückenhafte Abwehr bekamen er und sein Team in dieser Saison niemals wirklich in den Griff. Das Fatale: In vielen Spielen schlugen sich die Löwen am Ende selbst, weil sie allzu oft frühen Rückständen hinterherlaufen mussten, zu denen sie offenherzig eingeladen hatten. Die Moral dieser Mannschaft stand dabei nie in Frage. Doch Moral allein reicht nicht! Was waren die Glücksgriffe Behrendt und Diakhité in diesem Winter doch für Augenöffner?! Doch selbst die lassen sich anstecken von der Braunschweiger Kopflosigkeit: Diakhité fehlte im Derby wegen einer dummen Gelben Karte aus dem Kiel-Spiel. Apropos Derby: Die schwachen Hannoveraner waren durchaus machbar. Nach dem Seitenwechsel kam aber wenig bis gar nichts von den Braunschweigern. Selbst die drei Meyer-Wechsel 20 Minuten vor dem Ende hatten keinen Einfluss mehr auf das Spiel. 

Die fehlende Entwicklung, die wenigen noch verbleibenden Spiele und die kommenden Aufgaben machen kaum mehr Hoffnung, dass es auf dem Weg mit Daniel Meyer nach 34 Spieltagen zum Klassenerhalt reichen wird. Es ist 5 vor 12! Wenn Der Verein jetzt nicht handelt, wird der teuer erkaufte Aufstieg am Ende sogar noch mehr kosten. Abbezahlt wird diese Hypothek dann in Liga 3. (FV)

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Die Meinung der Autoren entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion.

Der Spielbericht