Emotional: Michael Krüger ereilte in Braunschweig einst das Schicksal eines Trainers nach schlechtem Saisonstart. Foto: Agentur Hübner

Braunschweig. Es gibt Bilder, die man als Eintracht-Fan nicht vergisst. Michael Krüger und seine Marlboro war so ein prägnantes Beispiel. Krüger versprühte stets ein wenig Kreisliga-Charme und vermittelte nach außen Lässigkeit á la „trinkt ihr entspannt euer Feldschlößchen, den Rest auf dem Feld regele ich“. Von Henrik Stadnischenko.

Das Schicksal eines Trainers

Meistens klappte das: Der Aufstieg 2005 sowie die Pokalerfolge über Borussia Dortmund und Hertha BSC Berlin bleiben unvergessen. Doch heute vor fast genau 14 Jahren musste Krüger die Eintracht nach dem bescheidenen Saisonstart 2006/2007 und einer Niederlage gegen Rot-Weiss Essen verlassen.

„Jaja, das Essen-Spiel. 0:2 haben wir damals verloren. Die Saison war unglücklich angelaufen. Wir haben nicht gepunktet, dann kamen Verletzte dazu und am Ende ereilte mich das Schicksal eines Trainers mit einer Negativserie“, sagt der 66-Jährige schmunzelnd. Trotz der Entlassung kommt Michael Krüger kein böses Wort über die Eintracht über die Lippen. „Warum auch? Alles lief fair ab und mit dem BTSV verbinde ich nur positive Zeiten. Ich weiß, dass man sich als Fan immer schwer damit tut zu glauben, wenn ein ehemaliger Trainer oder Spieler sagt, der Verein ist mein Herzensverein. Mir ist es egal, ob es jemand glaubt oder nicht, aber die Eintracht ist mein Verein. Es war eine Wahnsinnszeit, die vor allem durch besondere unvergessliche Momente geprägt war“, stellt Krüger unmissverständlich klar.

Grau und trist wie der Herbst

Ein unvergesslichen Moment erlebten die Eintracht-Fans zu Beginn der laufenden Spielzeit mit dem 5:4-Pokalerfolg über den „Big City Club“ Hertha BSC Berlin. In der Liga sind die Sonnenstrahlen noch nicht durchgedrungen. Und so wirkt es dort ergebnistechnisch, wie das derzeitige Wetter: grau und trist.

Zuletzt setzte es eine 1:4-Niederlage gegen Hannover 96. Die Derby-Pleite sorgte für eine leichte Spaltung bei den Fans: Von der Forderung einer Entlassung von Löwentrainer Daniel Meyer bis hin zur absoluten Rückdeckung für Mannschaft und Trainer war alles dabei.

Auch Michael Krüger muss ein wenig durchatmen und sich sammeln, bevor er sich zu diesem speziellen Thema äußert. „Es ist schwierig dafür die richtigen Worte zu wählen, weil ich mich in die Lage des Trainers und der Spieler reinversetzen kann, aber auch weiß, was eine Derby-Niederlage bei den Fans auslöst. Auf der einen Seite gibt es nur drei Punkte und selbst, wenn du zwei Derby-Siege in der Saison einfährst, garantiert es dir nicht den Klassenerhalt. Auf der anderen Seite erhöht so eine Niederlage aber auch immens den Druck. Das Team ist jetzt indirekt angehalten zu liefern und damit musst du mental erstmal umgehen können“, so Krüger.

Foto: Agentur Hübner

Krüger im Diskurs mit Schlussmann Thorsten Stuckmann, dahinter der damalige Manager Wolfgang Loos. Foto: Agentur Hübner

„Als Trainer gekommen und als Fan gegangen“

Das Team, welches der ehemalige Löwen-Trainer da anspricht, wurde am sogenannten Deadline-Day, also dem letzten Tag des Sommer-Transferfensters, nicht weiter vergrößert oder verkleinert. Und so stehen Eintracht-Coach Daniel Meyer derzeit 28 Spieler zur Verfügung, denn vereinslose Profis können weiterhin unter Vertrag genommen werden. Wenngleich der Verein immer wieder betonte, dass das Budget für Neuzugänge ausgereizt sei.

Michael Krüger kann die Haltung verstehen. „Wir befinden uns immer noch mitten in der Corona-Pandemie und da ist sinnvoll auf das große Ganze zu schauen. Am Ende muss der Verein unbeschadet durch die Krise kommen und dann muss man eben auf den einen oder anderen Spieler verzichten. Natürlich kommt es auf die Qualität des Kaders an, aber ich würde mal stark annehmen, wenn ich einen 28-Mann-Kader habe, dass dieser ausreicht, um den Klassenerhalt zu schaffen“, so Krüger.

Hört man da Optimismus raus? „Natürlich! Die ganzen Schwarzmaler gab es auch schon zu meiner Eintracht-Zeit. Wichtig ist Konstanz reinzubekommen Meistens reicht ein Erfolgserlebnis aus und sorgt für eine Initialzündung. Wir stehen am Anfang der Saison, da ist alles möglich.“ „Wir?“ „Natürlich wir. Schließlich bin ich als Eintracht-Trainer gekommen und als Eintracht-Fan gegangen.“