Maria Klewe ist eine echte Pionierin im Frauenfußball. Foto: Frank Vollmer

Braunschweig. Maria Klewe ist eine Pionierin und Verfechterin der Gleichberechtigung. Sympatisch, doch stets zielstrebig. Für die 91-Jährige ist die leidenschaftliche Hingabe schon ein ganzes Leben lang Pflicht. Dass sie auch eine besondere Geschichte zu erzählen hat, wird dabei fast zur Nebensache.

“Minirock gegen Höschen”

In diesen Tagen feiert der Frauenfußball in Deutschland sein 50-jähriges Bestehen. Von Beginn an war die damals noch junge Frau, die in Braunschweigs östlichem Ringgebiet aufwuchs, beim Frauenfußball dabei. Sie leistete echte Pionierarbeit als der Sport für das ‘schwache Geschlecht’ noch offiziell verboten war. Und sie war damit automatisch eine Verfechterin für die Gleichberechtigung.

Dabei fing alles doch so harmlos an. 1970 bei der Sportwoche der Freien Sportfreunde Braunschweig (heute SV Olympia’92) gab es die Begegnung “Minirock gegen Höschen. Nur so zum Spaß. Wir wollten es den Herren, die meinten Fußball sei nur Männersache, zeigen”, erinnert sich Maria Klewe. Der Auftritt ihrer Gymnastiktgruppe war die Geburtsstunde des Frauenfußball in unserer Region. Schnell bekamen die Damen Lust auf mehr.

“Zu ihrem eigenen Schutz verboten”

Die damaligen Verbandsoberen sahen es gar nicht gern, dass auch die Damen auf den Geschmack gekommen waren. So wurde der Sport für Frauen zunächst “zu ihrem eigenen Schutz” verboten. Klewe sah darin noch lange keinen Grund, in Panik zu verfallen. Mit Geschick und Cleverness wurde das Verbot vielerorts umgangen. “Als wir uns in einem eigenen Verband organisieren wollten, lenkte der Verband schließlich ein”. 1971 wurde sie als erste Staffelleiterin des Kreises gewählt. Zur neuen Saison gab es eine Staffel mit sieben Mannschaften. Diese sieben Gründungsvereine waren laut Klewe der SV Rühme, FSB, PSV, SV Kralenriede, Freie Turner, SV Stöckheim und BSV.

Und während Wim Thoelke im ZDF-Sportstudio “Mutter” noch eine “Wunderbare Flanke” attestierte, war bereits eine Entwicklung in Gang gesetzt, an deren Speerspitze auch eine Maria Klewe mitwirkte. “Die meisten der später auch am Ball aktiven Frauen kamen aus der Gymnastik”, so die auch heute noch höchst agile Maria Klewe. Sie selbst spielte übrigens nie aktiv Fußball. Ihre frühe Leidenschaft war der Handball. Das hatte auch einen anderen Grund: “Beim ersten Training hat mich meine Schwester umgerannt, wobei ich eine Gehirnerschütterung davongetragen habe. Das hat mir gereicht”, verrät sie. Umso energischer nahm Klewe dagegen ihre Aufgaben im Verband wahr. Selbst ein Dr. Theo Zwanziger wurde da schon mal ins ‘Achtung’ gestellt, wenn sie der Meinung war, ihre Frauen würden stiefmütterlich behandelt.

Klewe (li.) 1998 mit der späteren Bundestrainerin Silvia Neid. Foto: privat

Klewe (li.) 1998 mit der späteren Bundestrainerin Silvia Neid. Foto: privat

“Frau Auerhahn war die Erste”

Ein großes Problem in der Anfangszeit waren auch die Spielerpässe. “Unter 18 Jahren brauchten die Mädchen damals noch eine sportärztliche Untersuchung. Danach musste der Pass noch nach Barsinghausen zur Unterschrift. Erst danach bekamen sie ihren Pass mit dem Zusatz ‘spielberechtigt’ ausgehändigt.” Maria Klewe erinnert sich noch genau an die erste Passinhaberin. “Das war eine Frau Auerhahn. Zu ihrem 50. Geburtstag habe ich ihr den Pass als Überraschung zugeschickt.” Eine Praxis, an der Klewe auch heute noch festhält.

Nach und nach wurden es mehr Frauenmannschaften in der Kreisliga Braunschweig. In den ersten beiden Jahren holte der FSB den Titel, bei dem Klewe nach dem Tod ihres Mannes 1975 ebenfalls den Vorsitz übernahm. In den folgenden Jahren sah sie die Gründung der Bezirksliga (1973), der Landesliga (1975) und das erste offizielle Länderspiel gegen die Schweiz am 10. November 1982 (5:1).

Seit 1979 war Maria Klewe als Vertreterin des NFV für den DFB tätig. Sie nahm aktiv an vielen Auswahlmaßnahmen teil und war unter anderem 1995 als Delegationsmitglied dabei, als Deutschland in Schweden Vizeweltmeister wurde. Und 2020? Maria Klewe gehört noch lange nicht zum “Alten Eisen”. Solange Zuschauer zugelassen sind, trifft man sie immer noch bei jedem Heimspiel der Braunschweiger Eintracht an. Doch das ist eine andere Geschichte und die wird an einer anderer Stelle erzählt.