Eintracht meldet sich mit Erfolg aus der Pause zurück. Grafik: Jürgen Roland Keuneke

Eintracht meldet sich mit Erfolg aus der Pause zurück. Grafik: Jürgen Roland Keuneke

Braunschweig. Nach drei Wochen nicht geplanter Spielpause hat sich die Eintracht vor knapp 8000 Zuschauern eindrucksvoll zurückgemeldet und sich auch von der aktuellen Führungskrise im Verein nicht anstecken lassen. Gut getan hat die Pause anscheinend besonders Spielmacher Kobylanski, der diesmal als zweite Spitze und „Freigeist“ zum entscheidenen Spieler in Blau-Gelb wurde. Das gesamte Team verpasste im viel umkämpften Spiel sogar schließlich einen höheren Erfolg, sprang aber trotzdem durch den Heimsieg auf einen der begehrten drei ersten Ränge. Von Jürgen Roland Keuneke.

Braunschweig mit System-Umstellung auf 4-1-2-1-2

BTSV-Coach Schiele hatte mit seinem Team in der langen spielfreien Zeit ein 4-1-2-1-2-System ausführlich einstudiert. Das Schiele-System mit zwei Sturmspitzen und einer Raute im Mittelfeld war zu Beginn der Saison zwar schon einmal versucht worden, nach keinem durchschlagendem Erfolg aber durch ein 4-2-3-1-System ersetzt worden. Im neuen System kam Spielmacher Kobylanski einmal wieder von Anfang an ins Team. Allerdings diesmal als zweite Sturmspitze. Cronsbruch ersetzte im Vergleich zur letzten Partie gegen Wiesbaden Zauner in der Offensive. Zudem spielte für den langzeitverletzten rechten Außenverteidiger Wiebe diesmal nicht Görlich, sonder der offensivstarke Winger Maucrice Multhaup. Das hatte Schiele schon im Testspiel gegen Arminia Bielefeld erfolgreich probiert. Münchens Trainer Hyballa warf noch mehr neue Spieler ins Spiel, da er mit dem vergangenen Match gegen Köln sehr unzufrieden gewesen war. Nicht von Anfang an spielten diesmal Kusic, Knöll, Scepanik und Türpitz. Für sie liefen Rieder, Gorzel, Barry und Sliskovic im Eintracht-Stadion auf.  

Nach einer Viertelstunde „zum Vergessen“ macht Eintracht ernst

Etwas überraschend begann der Gastgeber die Partie sehr zurückhaltend und zeigte zudem defensiv die eine oder andere Unsicherheit. Die Münchener bestimmten anfangs die Partie, kamen aber zu keinen großen Chancen. So machte erst einmal auf Seiten des BTSV Kobylanski auf sich aufmerksam, als er Türgücü-Keeper Vollath in der 10. Spielminute mit einem Knaller aus der zweiten Reihe zu einer Parade zwang. Fünf Minuten zuvor produzierten die Löwen allerdings selbst bereits einen „Aufreger“ und „Hallo wach-Effekt“, als Innenverteidiger Schultz einen Rückpass auf Keeper Fejzic spielte, der allerdings nicht dort stand, wo ihn sein Mitspieler vermutete. So trudelte die Rückgabe auf das leere Eintracht-Tor zu, ging aber allerdings (unter dem entsetzten Raunen der Zuschauer) ganz knapp links am Pfosten vorbei ins Toraus.

Nach einer Viertelstunde war es aber mit dem dominanten Spiel der Bayern vorbei. Denn die Eintracht machte Ernst und zeigte sich zielorientiert. Dabei spielte Krauße einen langen Ball auf Außen auf den freistehenden Kobylanski. Der machte das einzig Richtige und passte sogleich quer. Dort stand zentral im Strafraum Goalgetter Lauberbach, der gezielt links ins Tor von Vollath zur 1:0-Führung einschoss (18.).

Danach zeigte sich das Spiel ausgeglichen, wobei die Eintracht die weitaus gefährlicheren Situationen hatte. Das Spiel war aber sehr zerfahren und von Fouls auf beiden Seiten geprägt. Bis zur Pause kamen beide Mannschaften zumeist nur bis zum gegnerischen Strafraum. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hatten aber die Zuschauer dann doch einmal fast den Torschrei auf den Lippen, als Krauße im Strafraum mit artistischem Einsatz nach Kobylanski-Freistoß noch ein fast gelungener Abschluss gelang. Der Ball strich zum Glück für Türkgücü aber knapp am Gebälk von Keeper Vollath vorbei.

Henning und Kobylanski vergeben zwei Großchancen

Gleich nach dem Start in die zweite Halbzeit machte es Henning vor dem Münchner Kasten besser! In der 48. Minute hatte dabei nach sehenswerter Kombination Kobylanski im Strafraum von rechts auf den zentral freistehenden Zehner gepasst. Henning schob sicher zur 2:0-Führung ein. Vollath hatte dabei keine Abwehr-Chance mehr. Fünf Minuten später setzten die jetzt wütend agierenden Münchner einen Konter, den Barry mit einem für Fejzic verdeckten Schuss abschloss. Im letzten Moment entschärfte Keeper Fejzic den Ball aber noch per Fußabwehr.

In der Schluss-Viertelstunde ließ die Konzentration und Kraft der Löwen sichtbar nach, so dass Coach Schiele mehrmals wechselte. Türgücü eröffneten sich mehr Räume, so dass Eintrachts Team alternativ mehr und mehr rustikaler einsteigen musste. Allerdings gerieten den Bayern die nach Fouls vom Schiedsrichter gepfiffenen Standards viel zu ungefährlich für das BTSV-Tor und den gut aufgelegten Keeper Fejzic.

Final hatten die wirklich größte Chance des ganzen Spiels dann die Löwen in Person von Henning, der in der 55. Minute blank vor dem Türkgücü-Kasten stand. Er selbst setzte zuerst den gegnerischen Keeper beim Anlaufen so unter Druck, dass Vollath seinen eigentlich schon festgemachten Ball an den Braunschweiger herschenkte. Henning hätte sich danach eine Ecke des Tores zum Einnetzen des gewonnenen Balles aussuchen können, versuchte aber statt dessen einen Heber über den weit vor dem Tor stehenden Schlussmann. Vollath riss aber noch eine Hand hoch, die Henning bei seinem nicht hoch genug angesetzten Lupfer anschoss. Chance vertan! Wenig später führte Abwehrchef Behrendt einen Freistoß zentral vor dem Münchner Strafraum aus. Wuchtig hämmerte er das Leder auf die linke Tor-Seite. Keeper Vollath schaffte es aber in dieser Situation gerade noch so, langgestreckt den Ball abzuwehren. Das Leder hätte sonst knapp neben dem Pfosten eingeschlagen (58.). Fast noch größer war die Chance, die wenig später Kobylanski hatte (62.). Er hätte dabei links am Fünfer seine heutige Leistung mit einem Tor krönen können. Der Ballkünstler brachte aber das Kunststück fertig, den Ball – direkt vorm Kasten stehend – noch weit über das Tor zu schießen!

Nur Hottmann hatte in der 68. Spielminute für Türkgücü noch eine wirklich nennenswerte Torchance, die Fejzic aber vereiteln konnte. In der Schluss-Viertelstunde ließ die Konzentration und Kraft der Löwen sichtbar nach, so dass Coach Schiele mehrmals wechseln musste. Türgücü eröffneten sich mehr und mehr freie Räume, aber Eintracht wusste sich durch rustikales Einsteigen zu helfen. Allerdings gerieten den Bayern die dadurch vom Schiedsrichter gepfiffenen vielzähligen Standards viel zu ungefährlich für das BTSV-Tor und den gut aufgelegten Keeper Fejzic, so dass es beim 2:0-Erfolg der Eintracht zum Schlusspfiff blieb.

BTSV-Trainer Schiele: „Habe jetzt mehr Alternativen zur Auswahl“

Die Freude nach dem verdienten Sieg war groß auf der Löwen-Seite. Die Mannschaft zeigte sich stabil und wird durch dieses Spiel durch den sportlichen Erfolg nun wieder die Schlagzeilen bestimmen – und nicht mehr die verpasste Wiederwahl des amtierenden Vereinspräsidenten. Trainer Schiele konnte das neue System, dass in den letzten 3 Wochen im Training eingeübt worden war, endlich in der Praxis probieren. Und das erfolgreich! Schiele nach dem Spiel: „Wir sind schwer in die Partie gekommen. Der Gegner hat die Räume leider sehr gut zugemacht. Zu Anfang haben wir zu viele Fouls zugelassen, die Standards nach sich zogen! Die haben wir aber gut überstanden. Und in der Anfangsphase ist mir, wie sicherlich auch den Zuschauern – beim unglücklichen Rückpass von Schultz kurz das Herz stehen geblieben! Dann haben wir den Gegner oft mit Kontern gut überspielt und sind selbst immer besser ins Spiel bekommen. Die Tore waren dann schön herausgespielt – und es gab noch mehr große Chancen. Insgesamt bin ich zufrieden, obwohl wir noch besser Fußball spielen können.“

Schiele war auch mit dem Experiment „Multhaup als rechter Außenverteidiger“ sehr zufrieden. „Maurice hat das heute prima gemacht, obwohl das eigentlich nicht seine Position ist. Er war defensiv und offensiv sehr präsent. In der Offensive habe ich ja jetzt ein großes Angebot an Spielern, die seine eigentliche Stammposition auch spielen können“. Schiele schloss aber für die Zukunft nicht aus, alternativ zu Multhaup oder Wiebe auch Kijewski als rechter Außenverteidiger spielen zu lassen. Er war heute gegen Türkgüci für Multhaup für diese Position eingewechselt worden. „Niko kann das auch – da habe ich jetzt zahlreiche gute Alternativen für diese Position.“

Kobylanski mit „Freigeist“-Auftrag

Der „Spieler des Spieles“ – Martin Kobylanski – freute sich sehr über seine heutige Leistung. „Es kann immer noch besser sein – ich hätte ja kurz vor Schluss auf 3:0 stellen können. Heute hatte ich einen „Freigeist“-Auftrag als zweite Sturmspitze neben Lion. Ja, dass kam mir sehr entgegen. Bei meinen Tor-Vorbereitungen habe ich heute jeweils die richtige Entscheidung getroffen, obwohl ich ja nicht viel Überlegungszeit hatte. So kann es gerne weitergehen! Der Torjubel mit Bryan und Lasse zusammen war unser einstudierter „Piraten“-Jubel. In Bezug zu einem Spiel, das wir drei immer zusammen in unser Freizeit spielen!“

Mit einem Spiel Rückstand und dem anstehenden Spiel direkt gegen den Spitzenreiter Magdeburg ist nun in den nächsten Wochen noch mehr möglich als Platz 3 in der Tabelle!

Eintracht Braunschweig: Fejzic (2) – Multhaup (46./ 69. Kijewski), Behrendt (2), Schulz (2,5), Schlüter (3) – Nikolaou (2) – Krauße (2,5/ 85. May), Cronsbruch (3/ 69. Zauner) – Henning (2,5) – Lauberbach (2/ 86. Girth), Kobylanski (1,5/ 78. Müller)

Aufstellung Türkgücü München: Vollath – Rieder (83. Knöll), Sorge, Kehl-Gomez (67. Kusic) – Kuhn (67. Hottmann), Gorzel, Tosun (54. Irving), Barry – Sararer – Vrenezi (83. Scepanik), Sliskovic

Torfolge: 1:0 Lauberbach (18.) 2:0 Henning (48.)