Das war also wirklich das Spiel des Jahres? Foto: Frank Vollmer/Archiv

Braunschweig. Puh, das war eine schmerzhafte Angelegenheit gestern. Das soll jetzt wirklich das Fußballspiel des Jahres gewesen sein? Passt dann ja doch irgendwie zu 2020. Den Spielausgang muss ich als Sportler einfach mal so hinnehmen und der war auch verdient. Der Vergleich mit der Millionentruppe von Kenan Kocak kann Aufsteiger Braunschweig (noch) nicht wirklich vollziehen.

Einseitige Berichterstattung nervt gewaltig

Und doch bleibt ein merkwürdiger Beigeschmack. Vor meinem inneren Auge vermischen sich am Morgen danach noch immer Martin Kobylanskis bubihaftes Grinsen bei seinem sehenswerten Kunststücktörchen und die von Kleingeistigkeit geprägten Aussagen von Winke-August und Kind-Anbeter Dieter Schatzschneider. Als der in der Halbzeitpause ganz nebenbei noch den von mir überaus geschätzten Wolfgang Grobe (“Der hat gespielt wie er heißt!”) durchbeleidigen durfte, hätte ich gerne auf irgendwas draufgehauen. Eine Frage nebenbei an die “Journalisten” von Sky: Wo waren eigentlich die Braunschweiger Stimmen in den Interviews?

Und noch eine Frage zu örtlichen Gegegebenheiten drängt sich auf: Wo waren denn die Hannoveraner Anhäger im Stadion? Nur 7.300 der möglichen 9.800 Tickets gingen weg. Eine Schande auch in Corona-Zeiten! Ergo: Echte Fans gibt es wohl kaum in der Landeshauptstadt. Die Zahlenspielereien sind auch ein deutliches Indiz dafür, dass in Hannover mehr im Argen liegt, als das Auge vom wunderschönen Braunschweig aus sieht. Hier bei uns wären die Tickets jedenfalls in Sekundenbruchteilen vergriffen gewesen. Da bin ich doch 1.) wieder einmal froh, dass wir hier keinen Princeps Solus Martin Kind haben (und gottseidank auch keinen Dieter Schatzschneider) und, 2.) dass hier noch echte Fankultur gelebt wird und nicht nur künstlich herbeigeredet.

Dieter Schatzmeister beleidigt Wolfgang Grobe

Was bleibt ist der Fußball-Kater am Sonntag. Was für ein komisches Derby? Allein schon die Tatsache, nicht im Stadion persönlich dabei gewesen sein zu dürfen und sich auf die einseitige und mager recherchierte Kommentation von Jürgen Schmitz bei Sky einlassen zu müssen, war dieses Ereignisses nicht angemessen und neben dem ganz offensichtlich sportlichen Problem auf dem Rasen wohl eher keine Werbung für den Fußball.

Was bleibt noch übrig von diesem 3. Spieltag? Es ist unterm Strich nicht schwer zu erkennen, dass es für die Eintracht in dieser Saison einzig um den Klassenerhalt gehen kann. Diese Aufgabe wird für Trainer Meyer und sein Team schon schwer genug als dass man schon nach dem 3. Spieltag den Kopf des Trainers fordern muss, wie es gestern gleich reihenweise in den Sozialen Netzwerken geschah. Zusammenrücken wäre da die bessere Option, liebe Löwen.

Ich für meinen Teil freue mich schon auf das Rückspiel – vielleicht ja sogar wieder mit allen Fans im Eintracht-Stadion. Kommt mal nach Braunschweig, ihr Roten! Aber lasst bitte den Dieter an der Leine. Vielen Dank im Voraus!

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Dies ist ein Kommentar von Frank Vollmer. Die Meinung des Autors entpricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion.