Ein Kapitän auf Zeit geht durch die Hölle. Das erinnert frappierend an eine bekannte Computerspiel-Figur. Grafik: Frank Vollmer

Braunschweig. Alle erwarten das gewisse Etwas von Martin Kobylanski. Der “Mannschaftskapitän auf Zeit” soll seine Mitspieler anführen und mitreißen. Doch kann der Spielmacher von Eintracht Braunschweig diesem Druck überhaupt standhalten? Natürlich kann er das!

Große Erwartungen

18 Tore (9 Assists) steuerte Martin Kobylanski in der vergangenen Saison bei. Allein seine neun Treffer in den letzten zehn Ligaspielen hatten maßgeblichen Anteil an der Rückkehr der Braunschweiger Eintracht ins Deutsche Fußball-Unterhaus. Ganz nebenbei bewies Kobylanski allen Kritikern, dass er in schwierigen Situationen sehr wohl über sich hinauswachsen kann.

Kaum verwunderlich, dass der Sohn des ehemaligen polnischen Vollblut-Angreifers Andrzej Kobylanski auch in der neuen Saison DER Hoffnungsträger der Löwen ist. Es ruht eine Menge Verantwortung auf den schmalen Schultern des 26-Jährigen, der von seinem neuen Cheftrainer Daniel Meyer gleich auch noch ins “Kapitänsamt auf Zeit” gehoben wurde. Etwas flachsig/kritisch schrieb ich seinerzeit: “Da wurde der Bock zum Gärtner gemacht.” Aber mal Spaß beiseite! Dieser Tage soll die Rolle des Kapitäns im Team neu überdacht werden. Und ich bin ehrlich: Ein anderer als Martin Kobylanski fällt mir dafür derzeit nicht ein. 

Eine leichte Prise Wahnsinnsgenie

Es ist schon ein wenig bezeichnend, dass der Angreifer das bisher einzige Braunschweiger Zweitligator erzielt hat. Das war mal einer dieser Momente, die “Koby” für die Mannschaft so wertvoll machen. Es ist einfach das gewisse Extra, diese leichte Prise Wahnsinnsgenie die man hat oder eben nicht. Erlernen kann man sowas nicht. 

Sowieso erwarten alle den nächsten Schritt von Kobylanski. Er soll “die Mannschaft noch mehr führen und vorangehen”, schreibt der Kicker am heutigen Montag. Genau hier liegt aber auch der Hund begraben. Die Debatte um den “Künstler” Kobylanski darf kein Freifahrtschein für dessen Mitspieler sein. Fast schien es zuletzt vor allem im Derby, als versteckten die sich, als alle Augen auf Martin Kobylanski gerichtet waren. Die Aufgabe, hier eine Balance zu finden, ist groß für Chefcoach Daniel Meyer. Glückt sie, kann das für alle Seiten gewinnbringend sein. Mit dem Anführer Kobylanski kann es aus der Tabellenhölle heraus gehen. Doch dies funktioniert nur, wenn der Kapitän die Mannschaft hinter sich weiß und den Rückhalt des Trainers besitzt. Am Samstag (13.00) gegen Bochum können die Löwen erneut nachweisen, dass sie das verstanden haben. 

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Dies ist ein Kommentar von Frank Vollmer. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion. 

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