Das beliebte Gesellschaftsspiel – jetzt in der Löwen-PräsidentenEdition. Grafik: Frank Vollmer

Braunschweig. Auf der vollständig digital stattfindenden Jahreshauptversammlung (JHV) des BTSV Eintracht von 1895 e.V. am Freitag, dem 13. November 2020 (18 Uhr), wird Christoph Bratmann als Nachfolger von Sebastian Ebel für das Amt des Vereinspräsidenten kandidieren. Dies ist für den Verein vor allem eines: Eine große Chance in verrückten Zeiten.

“Eine authentische Kandidatur”

Mitten im 2.Lockdown und der damit verbundenen einschneidensten Krise der Nachkriegsgesellschaft sendet Eintracht Braunschweig einen Funken Hoffnung in die Zukunft. Die diesjährige JHV des Gesamtvereins BTSV Eintracht von 1895 wird ohnehin mit Spannung erwartet. Im Rahmen der Mitgliederversammlung soll auch ein neuer Präsident gewählt werden. Der designierte Kandidat und Unternehmer Helmut Streiff hatte seine Kandidatur nach Kritik aus der Fanszene zurückgezogen. Wie schon in der Zeit davor tat sich die Findungskomission schwer, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Immerhin muss der dem enormen Anforderungsprofil des Amtes auch gerecht werden.

“Es ist nicht so, dass die Kandidatinnen und Kandidaten für diese absolut ehrenwerte aber auch sehr herausfordernde Position Schlange stehen”, betonte seinerzeit Christoph Bratmann, der derzeit die Amtsgeschäfte des Vereinsbosses komissarisch inne hat. Der 51 Jahre alte gelernte Drucker und studierte Erziehungswissenschaflter ist seit dieser Woche selbst größter Anwärter darauf den Posten auch offiziell zu übernehmen. In seiner Sitzung am vergangenen Dienstagabend bestätigte der Wahlausschuss, Bratmann werde am 13. November antreten und dies sei einstimmig angenommen worden.”

“Ein vernünftiges Standing”

“Christoph ist ein Mensch, der wie ganz viele von uns als überzeugter, einfacher Fan und natürlich als noch überzeugterer Braunschweiger zu unserer Eintracht gekommen ist”, erklärte daraufhin Robin Koppelmann, stellvertretender Vorsitzender im FanRat e.V. via Social Media. Dies spreche für eine authentische Kandidatur. “Es gibt nur wenige Menschen in unserer Stadt, die einerseits wie die Basis ticken, dazu aber in Politik und Wirtschaft ein vernünftiges Standing besitzen”, so Koppelmann. Nach dem Vakuum welches Ebel hinterlassen habe, bräuchte die Eintracht dies mehr denn je. Dem kann ich nur beipflichten.

In der Tat gilt Bratmann schon länger als eine Art Hoffnungsträger für den Traditionsverein. In einer Zeit, in welcher der Sport (ob selbst- oder fremdverschuldet) seine gesellschaftliche Bedeutung zu verlieren droht, wo Identifikation und Tradition hinter wirschaftliche Interessen gestellt werden, läuft auch die Eintracht in ihrer zuletzt wankelmütigen Entwicklung Gefahr, sich selbst im Labyrinth der Gesichtslos-Klubs dieser Republik zu verlieren. Da ist man gut beraten, mit ein wenig Identifikation in den eigenen Reihen. 

Die gesuchte “Gänge-Karte”?

Über viele Umwege kam Christoph Bratmann nun zu seiner Kandidatur, doch ist er ganz sicher nicht die schlechteste Wahl. Auf ihn wartet eine große Herausforderung. Sollte der Fraktionsvorsitzende der SPD im Rat der Stadt Braunschweig am 13. November die Nachfolge von Sebastian Ebel antreten, hat er nicht nur den  breiten Spagat zwischen Sport, Fans, Politik und Wirtschaft zu vollziehen. Gleichzeitig muss er auch die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen, den schlafenden Riesen Eintracht in eine neue Zeit zu führen. 

Auch wenn Bratmann angekündigt hat, zunächst nur für ein Jahr bis 2021 antreten zu wollen, könnte er frei nach dem hier von mir grafisch zitierten Gesellschafts-Spiel “Das verrückte Labyrinth” genau die “Gänge-Karte” sein, die Eintracht Braunschweig lange gefehlt hat. Zuzutrauen wäre es ihm!

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Dies ist ein Kommentar von Frank Vollmer. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion.

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