Intensiver Schlagabtausch: Michael Schultz (re.) gewinnt hier ein Kopfballduell gegen Marc Heider. Foto: Agentur Hübner

Braunschweig. Eintracht Braunschweig spielte am 8. Spieltag der 3.Liga im traditionsreichen Niedersachsen-Match gegen den VfL Osnabrück leistungsgerecht 2:2-Unentschieden. Von Jürgen Roland Keuneke.

In Gedanken bei Popivoda

Vor dem Spiel wurde an den gerade verstorbenen ehemaligen Zuschauer-Liebling und Löwen-Kicker Danilo Popivodo und höhere Liga-Zeiten gedacht. So waren auch ihm zu Ehren viele ehemalige Mitspieler von „Popi“ im Stadion – wie unter anderem Franz Merkhoffer, Wolfgang Grobe, Dieter Zembski, Dietmar Erler, Peter Lübbecke, Reiner Hollmann, Bernd Gersdorff und Uwe Krause. Nicht nur sie und über weit über 7000 Eintracht-Anhänger sahen beim gerechten Remis ein Drittliga-Spiel auf hohem Niveau! Zahlreiche Osnabrücker Fans füllten zusätzlich die Gäste-Kurve des Eintracht-Stadions und sorgten für zusätzliche Stimmung auf den Rängen.

Beide Trainer sahen nach dem letzten Liga-Spiel keinen Grund, Stamm-Personal zu wechseln. BTSV-Coach Schiele setzte Rückkehrer und Spielmacher Henning, der seine Schulter-Verletzung auskuriert hatte, erst einmal auf die Bank. Beide Teams begannen das Spiel sehr selbstbewusst – ohne großes Abwarten und Abtasten. Dabei machten die Löwen noch mehr Dampf als die Gäste. Einen ersten Schuss gab dann von der Strafraum-Grenze auf das von Kühn gehütete Tor Henning-Ersatz Otto ab.

Doch auch der VfL suchte Abschluss-Möglichkeiten. In der 9. Spielminute war dann der schnelle Rechtsaußen Simakala nach gutem Umschaltspiel zentral frei durch, doch Löwen-Keeper Fejzic kam aus dem Strafraum heraus und klärte vor ihm. Doch die Riesenchance zum Führungstor hatte auf der Gegenseite Eintrachts Linksaußen Zauner, der sich nach klugen Zuspiel im Strafraum frei vor Torwart Kühn fand – diesen aber mit seinem Schuss nicht überwinden konnte. Zwei Minuten später versuchte es dann Mittelstürmer Lauberbach mit einem Abschluss, der aber fast zu einer Torwart-Rückgabe geriet. Osnabrück versuchte das Glück im Konterspiel und hatte eine erste Torgelegenheit in der 18 Spielminute, als der zentrale Mittelfeldspieler Taffertshofer seinen Meister in BTSV-Keeper Fejzic fand.

Torlose Halbzeit trotz Großchancen auf beiden Seiten

Der VfL hatte jetzt mehr und mehr Spielanteile. Als in der 22. Minute Kunze eine Flanke von rechts kurz vor das Braunschweiger Tor brachte, fehlte Simakala in bester Position ein wenig die Orientierung, als er bei einer Drehung den Kasten deutlich verfehlte. Beide Seiten hatten jetzt mehr und mehr Tor-Abschlüsse zu verzeichnen. Eine Minute nach Simakalas Großchance flankte auf der Gegenseite der durchgebrochenen Löwen-Linksverteidiger Kijewski in den Strafraum. Spitze Lauberbach erreichte das Leder per Kopf und fand nur den Weg ins Tor nicht, da der Ball noch von Guganig über das Tor abgefälscht werden konnte.

Der VfL versuchte es auch in Minute 24 und 25, doch die Schüsse von Kunze und Klaas verfehlten beide das Eintracht-Tor deutlich. Die Schlussphase der ersten Halbzeit gehörte dann den Osnabrückern, obwohl die VfL-Innenverteidigung noch einen vielversprechenden Gewaltschuss von Braunschweigs Abwehrchef Behrendt abblocken musste. Die Zuschauer mussten sich beim Halbzeitpfiff mit einem torlosen Unentschieden begnügen, obwohl sie teilweise sehr schöne Kombinationen des blau-gelben Teams zu sehen bekommen hatten. Die Anhänger beider Teams sorgten dabei dafür, dass im Stadion eine grandiose Stimmung vorherrschte.

Turbulente zweite Halbzeit ohne Sieger

Auch in die zweite Halbzeit starteten beide Teams mit viel Energie und Spielfreude. Auf beiden Seite gab es wieder Chancen, aber die Osnabrücker durften zuerst über einen Torerfolg jubeln, nachdem Gäste-Torwart Kühn in der 50. Minute einen Hammer vom im gesamten Spiel sehr auffälligen Krauße entschärft und Simakala aus spitzem Winkel von links nur das BTSV-Außennetz getroffen hatte. Denn in der 60. Spielminute nahm der violette Mittelfeldmann Klaas einen Ball von Opoku von links auf, der einen kurzen Moment ungedeckt war und den Ball ins linke Eck des BTSV-Tores bugsierte. Waren vorher keine Tote gefallen, ging es jetzt Schlag auf Schlag. Denn die Eintracht zeigte sich unbeeindruckt von der Osnabrücker Führung und antwortete nur sieben Minuten später durch den Ausgleich des Ex-Osnabrückers Multhaup, der einen Pass von links von Lauberbach im Strafraum aufnahm und am hier machtlosen Keeper Kühn vorbei einschoss.

Jetzt gab es im Eintracht-Stadion einen offenen Schlag-Abtausch. Beide Teams suchten den Sieg. Löwe Henning, frisch in der Zentrale eingewechselt, bereitete mit einer guten Aktion den Weg zum Braunschweiger 2:1-Führungstreffer durch Mittelstürmer Lauberbach, der von links im Strafraum sehenswert einnetzte. Osnabrück antwortete wütend: Taffertshofer setzte einen Volleyschuss über den Kasten von Fejzic (75.). Die Eintracht versuchte nun, die gedrehte Führung über die Zeit zu bringen. Dieses Ansinnen war allerdings vergeblich, denn VfL-Stoßstürmer Heider machte diesen Plan mit seinem Kopfball zum 2:2-Ausgleich nach Flanke von rechts – die Kijewski nicht verhindern konnte – in der 82. Spielminute zunichte. Auch wenn dann die restliche Spielzeit weiter turbulent verlief: Es blieb beim 2:2-Unentschieden!

Weitere Rückkehrer in Sicht?

Mit dem Unentschieden blieb die Eintracht nun im sechsten Spiel hintereinander ohne eine Niederlage. Das es allerdings auch einen Sieg hätte geben können, lag im Bereich des Möglichen. Diesmal schaffte die Eintracht es nicht, einen knappe Führung kurz vor Ende der Partie noch über die Runden zu bringen. Trainer Schiele bestätigte nach dem Spiel, dass dies eigentlich die finale Vorgabe vom Spielfeld-Rand an die Mannschaft gewesen war.

Zum Comeback von Bryan Henning sagte der Trainer, dem das Spiel seiner Mannschaft – trotz des nur einen gewonnenen Punktes – sehr gefallen hatte: „Die Rückkehr von Bryan auf den Rasen war ordentlich. Er hat zwar auch einige Fehlpässe gespielt, sich aber den Ball zumeist wieder zurückerkämpft. Bei ihm ist noch mehr drin, dies weiß er auch selbst. Bryan muss aber auch erst wieder ´reinfinden nach seiner Verletzung“. Schiele sprach zwar auch eine Unkonzentriertheit von Kijewski zum Schluss des Spieles an, war aber von seinen beiden Außenverteidigern grundlegend sehr angetan.

„Wiebe und Kijewski haben ihre Sache gegen die technisch starken und schnellen Außenstürmer Simankala und Opoku sehr gut gemacht. Wie schon im letzten Heimspiel die in Braunschweig bekannten 1860-Flügelspieler Bär und Biankadi kaum Raum zur Entfaltung hatten, haben unsere Außenverteidiger auch diesmal ihre Gegenspieler gut im Griff gehabt“. Lasse Schlüter, mal wieder als offensiver Außen eingewechselt und eigentlich der Wettbewerber von Kijewski auf der Linksverteidiger-Position, bekam von seinem Trainer ein Sonderlob für seine neue Rolle: „Lasse hat das erneut prima gemacht, als er für Multhaup ins Spiel kam. Er hat damit einmal wieder seine Vielseitigkeit gezeigt, die ihn für das ganze Team so wertvoll macht“.

Für die Eintracht stehen nun zwei Auswärtsspiele nacheinander an, die weiter erfolgreich bestritten werden sollen. Nach Bryan Henning sind in den Spielen in und in Freiburg (Nachholspiel) nach und nach weiterer Rückkehrer aus dem Mannschafts-Lazarett zu erwarten. Ob Benjamin Girth und Luc Ihorst schon Optionen für den Kader sein können, werden die kommenden Trainingstage zeigen. Nach seinen guten Leistungen in den ersten Spielen wird es aber für beide schwer sein, demnächst Neuzugang Lauberbach als Mittelstürmer wieder zu verdrängen. Eher wird es wohl zu einem Dreikampf mit Zauner um den Linksaußen-Job kommen. Multhaup als Rechtsaußen sollte sich nun im Stamm festgespielt haben.

Zahlen & Fakten

Eintracht Braunschweig: Fejzic – Wiebe, Behrendt, Schulz, Kijewski (89. Strompf) – Krauße, Nikolaou (81. May) – Multhaup (89. Kobylanski), Otto (61. Henning), Zauner (61. Schlüter) – Lauberbach Trainer: Michael Schiele

VfL Osnabrück: Kühn – Kunze (63. Traore), Guganig, Trapp, Kleinhansel – Köhler, Taffertshofer – Opoku (84. Higl), Klaas (84. Wooten), Simakala (72. Bertram) – Heide Trainer: Daniel Scherning

Torfolge: 0:1 Sebastian Klaas (60. Opoku), 1:1 Maurice Multhaup (67. Lauberbach), 2:1 Lion Lauberbach (73. Henning), 2:2 Marc Heider (82. Traoré)

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