Die fast 10.000 Zuschauer sahen eine torreiche Partie. Grafik: Jürgen Roland Keuneke

Die fast 10.000 Zuschauer sahen eine torreiche Partie. Grafik: Jürgen Roland Keuneke

Braunschweig. Hatten die Löwen im letzten Heimspiel in der 3. Liga das Tor nicht gefunden, war an diesem Samstag alles anders! In einem Fußball-Spiel, das den zurückgekehrten Zuschauern im Eintracht-Stadion wirklich alles bot, hatte die Eintracht das gute Ende für sich. Der Doppelpacker Hennings, Zauner und Kobylanski sorgten letztendlich mit ihren Toren für 3 Punkte, die wegen eines Elfmeters in der Schlussphase für Borussia Dortmund II noch gewackelt hatten. Der Lohn für die Eintracht ist nun nach dem 4:2-Heimerfolg Platz 4 und Punktgleichheit in der Tabelle mit dem zum Aufstieg reichenden zweiten Rang. Von Jürgen Roland Keuneke.

BTSV-Coach Schiele hatte im Testspiel gegen den HSV II (2:1) seine Stammformation geschont und änderte sein Startteam gegenüber dem letzten Punktspiel nur auf der Rechtsaußen-Position. An Stelle des zuletzt vor dem Tor etwas unglücklich agierenden Multhaup begann der junge Cronsbruch. Dortmunds Trainer Maaßen wechselte ebenfalls offensiv – allerdings auf Linksaußen. Knauff blieb für den sich ins Team drängenden Dribbler Pohlmann auf der Bank.

Spiel mit offenem Visier

Eintracht hatte beim neuen 2G- und 3G-Mix (Rückkehr auf fast volle Stadionauslastung) auf mehr als 10.000 Zuschauer gehofft. Es kamen allerdings nur knapp über 9.000 Fans, die das eigene Team aber in wichtigen Phasen des Spiels entscheidend unterstützten. Zudem brachte die zweite Mannschaft des BVB ja traditionell wenig Auswärtsfans mit. Niemand im Stadion bereute nach dem Spiel sein kommen: Zu spannend und abwechslungsreich gestalteten beide Mannschaften die insgesamt 94 Minuten auf dem grünen Rasen bei besten Live-Bedingungen und lieferten sich ein Match mit offenem Visier, viel Einsatz und zum Teil sehr schönen Spiel-Kombinationen.

Fulminante erste Viertelstunde

Das Spiel hatte einen flotten Auftakt. Schon in der zweiten Spielminute versuchte sich der BVB mit einem Weitschuss, der aber weit rechts am BTSV-Tor vorbeistrich. Hier musste Fejzic noch nicht eingreifen. Vier Minuten später war er aber auf dem Posten, als Dortmunds Pherei etwas besser zielte. Beide Teams spielten zu dieser Zeit auf Augenhöhe, ohne sich groß abzutasten. Auch die Eintracht kombinierte sich gefällig nach vorn, hatte aber erst in der 10. Minute eine Chance durch einen Standard links vor dem Strafraum, den Linksverteidiger (und neuer Standard-Spezialist) Schlüter aber vergab.

Allerdings nutzte der BTSV wenige Sekunden danach die nächste Möglichkeit: Der wuselige Henning war im schwarz-gelben Strafraum plötzlich frei und zog eine Vorlage volley auf Keeper Unbehauens Tor. Der Dortmunder Schlussmann war bei diesem Schuss machtos. Zumal er noch vom Sechser Pfanne abgefälscht wurde in einem Abwehr-Versuch. Die 1:0-Führung für die Löwen hielt aber noch nicht einmal eine Minute! Denn erstmalig zeigten sich die Dortmunder Außenbahnspieler gefährlich, vor denen Trainer Schiele das BTSV-Team schon vor dem Spiel ausdrücklich gewarnt hatte. Linksverteidiger Schlüter war gegen den Dortmunder Rechtsaußen Tachie nach dem eigenen Torerfolg noch nicht wieder richtig auf dem Posten und verhinderte dessen Flanke in die Strafraummitte nicht.

Auch dort war die blau-gelbe Innenverteidigung noch nicht konzentriert und ließ BVB-Linksaußen Pohlmann außer Acht, der in die Mitte spritzte und das Leder zum 1:1-Ausgleich in die Maschen bugsierte (13.). Doch auch dieses Ergebnis hielt sich nicht lange, weil Eintrachts Hennings auf der 10er-Position an diesem Tag unwiderstehlich agierte. Pena Zauner setzte sich über die linke Seite gegen Viedt durch und flankte auf Hennings, der den Ball zentral im Strafraumflach ins BVB-Tor schoss. Wieder hatte Umbehaun keine Abwehrchance!

Pohlmann trifft nur Eintrachts Gebälk

Die Zuschauer sahen nun ein herrliches Offensivspiel, da sich auch die Eintracht nach der erneuten Führung nicht zurückzog. Die Dortmunder suchten nach einer Antwort, kamen in der 16. Spielminute zu einem Torschuss aus der zweiten Reihe, der aber Fejzic auf dem Posten fand (16.). Viel größer war da Eintrachts nächste Chance: Zauner setzte einen spektakulären Schuss von rechts an, der knapp am ebenfalls rechten Torwinkel von Unbehauns Tor vorbeistrich (20.). Nach 10 weiteren Minuten ohne große Tor-Aktionen auf beiden Seiten hatten die Gastgeber das Glück des Tüchtigen: Der auffälligste Dortmunder bisher – Pohlmann – traf mit einem Linksschuss aus dem Strafraum nur das Gebälk des Eintracht-Tores (31.).

Auch weiterhin war es immer wieder Pohlmann, der Rechtsverteidiger Wiebe und die Eintracht-Defensive vor Probleme stellte. In der 37. Spielminute entschärfte Fejzic einen weiteren Ball von ihm. Braunschweig schaltete nun einen Gang zurück, um die Führung mit in die Halbzeit nehmen zu können. So gab es aber vor dem Halbzeitpfiff aber auch noch einige Konterchancen, die nicht gut zu Ende gespielt wurden. Beispielsweise wurde in der 38. Spielminute eine schöne Vorarbeit von Mittelstürmer Lauberbach über rechts in der Strafraummitte vertändelt. BVB-Torsteher Unbehaun musste noch einmal spektakulär ins Spielgeschehen eingreifen, als er weit aus dem Tor kam, um einen Braunschweiger Konter per Kopfball zu unterbinden (43.).

Hennings: „Man of the Match“

Die zweite Halbzeit begann auf beiden Seiten nicht ganz so offensiv wie die erste Hälfte. Dortmund wollte zwar, wurde aber immer wieder durch geschicktes Defensiv-Verhalten der Eintracht aus dem Spiel genommen. Mehr und mehr gewann Braunschweig an Überlegenheit – und hätte in der 59. Spielminute das 3:1 machen müssen. Der spielstarke Mittelstürmer Lauberbach bediente hier Zauner, der frei vor Keeper Unbehaun stand, ohne ihn überwinden zu können. Den Abpraller gab Zauner an Lauberbach zurück, der aber mit einem Gewaltschuss das Dortmunder Tor sehr knapp verfehlte. Drei Minuten später sollte es Zauner besser machen! Cronsbruch schickte Henning – diesmal „Man of the Match“ – die Außenbahn rechts. Er hätte im Strafraum selbst abziehen können aus guter Schussposition. Uneigennützig sah er jedoch auf der linken Seite am Strafraum den noch besser positionierten Zauner frei stehen und spielte ihn an. Unbehaun war gegen den folgenden Schuss machtlos. Eintracht führte 3:1 (62.)! Das Spiel verlor nun an Tempo. Hatte die Eintracht in dieser Partie schon „den Deckel draufgemacht“?

Krimi zum Ende des Spieles

Weit gefehlt – denn Dortmund gelang in der 74. Minute erneut der Anschluss! BVB-Außenverteidiger Maloney versuchte einen Schuss am Strafraum, als der BTSV das Leder in dieser Situation nicht entschieden geklärt bekam. Unhaltbar für Fejzic schlug der Ball im Torwinkel ein. Nun wurde in der Schlussphase das Spiel zu einem richtigen Krimi. Dortmund setzte nach, witterte einem möglichen Ausgleichstreffer. Pohlmann beschwor über links immer wieder Gefahr herauf, scheiterte in der 76. Minute mit einem Schuss an Fejzic. Jetzt hatte der BVB deutlich Oberwasser – und in der 88. Minute die allergrößte Chance, das bisherige Ergebnis auszugleichen.

Der Schiedsrichter pfiff Elfmeter, als Wiebe nach einem Dortmunder Freistoß von links an die Hand sprang! Doch Taz konnte vom Punkt Fejzic nicht überwinden, denn der lange Braunschweiger Keeper kam noch in der rechten Torecke ans Leder und lenkte den Ball an den Pfosten. Von dort konnte Nikolaou den Ball geistesgegenwärtig wegschlagen. Danach ließ die Eintracht zum Spielende nichts mehr „anbrennen“, machte sogar noch in der Nachspielzeit wirklich „den Deckel“ auf das Spiel. Der eingewechselte Kobylanski konnte den Ball im Dortmunder Strafraum nach einem Braunschweiger Konter souverän in Unbehauns Tor einschieben, als Lauberbach sehenswert über links den Ball nach vorne schleppte, behauptete und vorlegte. Kurz nach diesem Tor pfiff der Schiedsrichter das Spiel ab.

Zuschauer endlich wieder der „12. Mann“

Elfmeterheld Fejzic lobte nach dem Spiel nicht nur sein Team, sondern auch die Zuschauer. „Wir hatten fast vergessen, wie das mit so vielen Fans im Rücken ist. Dadurch bin ich beim Elfer noch einmal größer geworden, als ich schon bin! Ich wusste nicht, ob ich den Ball erfolgreich abgewehrt hatte. Hörte aber das Klatschen an den Pfosten. Glücklicherweise war Jannis noch da, um den Ball aus der Gefahrenzone zu hauen. Mit Zuschauern im Rücken macht es einfach viel mehr Spaß! Man hat gesehen, was in unserem Tempel noch so alles drinsteckt.

Und: Bryan darf gern so weitermachen mit den Tor-Erfolgen!“ Auch Lion Lauberbach bezeichnete den Zuschauerzuwachs als großen und entscheidenden Gewinn. „Auch wenn ich heute kein Tor geschossen haben, war ich sicherlich gut im Spiel. Ich bin schon der klassische Mittelstürmer – stehe aber nicht nur vorne drin. Ja, es ist schon eine Stärke von mir, dass ich ausweichen kann und das Spiel mit gestalte. Die Zuschauer pushen einen zudem! So kann es weiter gehen!“ Trainer Schiele hob nach dem Spiel nicht nur den augenfälligen Hennings hervor, sonder eben auch Lauberbach. „Das Gute an Lion ist, dass er noch so jung ist. Ein starkes Spiel von ihm – und er hat dazu ja auch noch Entwicklungspotential! Starkes Spiel meiner Mannschaft. Endlich haben wir einmal eine Top-Mannschaft im eigenen Stadion schlagen können!“

Eintracht Braunschweig: Fejzic – Wiebe (3), Behrendt (2), Schulz (2), Schlüter (3/ 83. Kijewski) – Krauße (2), Nikolaou (2,5) – Cronsbruch (3/ 73. Müller), Henning (1,5/ 83. Kobylanski), Zauner (2,5/ 64. Multhaup) – Lauberbach (2)

Borussia Dortmund II: Unbehaun – Viedt, Papadopoulus (70. Tattermusch), Dams (90. +3 Thaqi), Maloney – Raschl (70. Bah), Pfanne – Tachie (70. Bornemann), Pherai, Pohlmann – Taz
Torfolge: 1:0 Hennings (11.) 1:1 Pohlmann (13.) 2:1 Hennings (15.) 3:1 Zauner (62.) 3:2 Maloney (74.) 4:2 Kobylanski (90.+2)