Wieder zu null: Schlussmann Jasmin Fejzic war auch gegen Zwickau nicht zu überwinden. Foto: Agentur Hübner

Braunschweig. Eintracht Braunschweig machte mit einem überzeugenden 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen den FSV Zwickau am Samstag die fatale erste Heimpleite gegen Viktoria Berlin vergessen. Glücklich feierte das neue Team, das sich, inklusive Pokalspiel, seit drei Partien immer weiter verbessert zeigt, mit den 5.600 Zuschauern im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße. Lange Gesichter gab es allerdings bei den drei BTSV-Kickern, die sich während der Partie verletzten. Gerade jetzt in der englischen Woche (vor dem Dienstag-Spiel in Verl) gehen Trainer Schiele nun besonders die Stürmer aus. Von Jürgen Roland Keuneke.

BTSV-Coach Schiele änderte sein siegreiches Team aus Halle nicht und ließ auch taktisch erneut im 4-2-3-1-System agieren. FSV-Trainer Enochs schickte eine gegenüber dem Remis gegen Meppen leicht veränderte Formation auf den Rasen. Starke, Lokotsch und Gomez spielten für Baumann, Willms und den eigentlich unersetzlichen Goalgetter „King“ König. Enochs kündigte an, durch den Wechsel von König auf Lokotsch als Spitze vorne schneller spielen zu lassen. Er versprach sich davon, durch variables Offensivspiel die in Halle konzentriert und stabil agierende Löwen-Hintermannschaft zu Fehlern zu verleiten.

Wiebe mit sehenswerter Vorarbeit zum Führungstor durch Ihorst

Zwickau begann die Partie dementsprechend recht flott und agil und verlagerte das Spielgeschehen zunächst einmal mehr in die Hälfte der Eintracht. Allerdings war die in rot gekleidete Gast-Mannschaft einfach zu ungefährlich auf dem Weg in den Strafraum der Eintracht. Braunschweig hielt den Ball in den eigenen Reihen und legte viel Wert auf sicheres Spiel. Nach fünf Minuten ebbte der erste Schwung des FSV deutlich ab. Eintracht übernahm mehr und mehr das Zepter und hatte durch mutigeres Vorgehen sogleich mehrere erste Gelegenheiten, unter anderem Zauner (6.).

Eine davon nutzte Stoßstürmer Ihorst zu 1:0-Führung der Gastgeber (8.), als die Zwickauer Hintermannschaft nach einem Zuspiel von Braunschweigs Zauner von der rechten Torauslinie in den Fünfer nur kurz klären konnte. Der offensive blau-gelbe Rechtsverteidiger Wiebe eroberte sich im Anschluss klasse das Leder und leitete es per Kopf weiter auf seinen Mittelstürmer, der den Ball aus kurzer Tor-Entfernung geschickt über FSV-Keeper Brinkies ins linke Tor-Eck lupfen konnte.

Ihorst hatte sein zweiter Treffer im Eintracht-Trikot deutlich motiviert, so versetzte er die Zwickauer Defensive noch einige Male in Folge und hätte fast auf ein höheres Ergebnis gestellt. Allerdings geriet ihm nach einem feinen Solo ein Schuss aus dem Strafraumzentrum in der 10. Spielminute dann doch etwas zu harmlos. Keeper Brinkies zeigte sich auch dabei als sicherer und guter Rückhalt für das Enochs-Team. Zwischendurch zeigte auch die Mannschaft aus Sachsen, dass sie noch da war. Allerdings verzog Hauptmann seinen Schuss von der BTSV-Strafraumgrenze deutlich (14.). Wenig später war es wieder Zeit für einen Auftritt vom bärenstarken Löwen-Stürmer Ihorst. In der 19. Spielminute spielte er nicht den sich im Strafraum anbietenden Henning an, sondern tankte sich selbst durch und zog ab – denkbar knapp am Tor vorbei.

Die Eintracht blieb weiter am Drücker: Multhaups Ecke von links segelte nur knapp über den Scheitel vom zum Kopfball hochgestiegenen Krauße (28.). Drei Minuten später rettete den FSV-Innenverteidiger Nkansah in höchster Not. Den Sachsen war hinten ein Ball durchgerutscht, den der wuselige Braunschweiger Achter Henning im Strafraum aufnahm und abzog. Von Nkansahs Bein sprang der Ball nur hauchdünn über das Gebälk von Brinkies Tor.

Den größten Aufreger vor der Pause kreierten aber die Zwickauer, als sie in der 38. Minute einen Ball aus dem linken Toraus noch als Flanke in den BTSV-Strafraum brachten, ohne dass der Schiedsrichter abpfiff! Die Löwen-Defensive hatte den Ball 20 Zentimeter im Toraus gesehen und bereits abgeschaltet. Nur einer herausragenden Parade von Fejzic war es zu verdanken, dass der im Strafraum nun völlig frei stehende FSVler Hauptmann das Leder hier nicht im Tor unterbrachte – denn auch der Linienrichter hatte hier die Fahne nicht oben.

Auch an der Hamburger Straße mit dem ersten Saisondreier: Eintrachts Fußball-Profis lassen ihre Fans wieder jubeln. Foto: Agentur Hübner

Auch an der Hamburger Straße mit dem ersten Saisondreier: Eintrachts Fußball-Profis lassen ihre Fans wieder jubeln. Foto: Agentur Hübner

Der FSV musste sich in der Kabine eine Predigt von Enochs anhören, der mit dem Auftritt seiner Mannschaft überhaupt nicht zufrieden war. So wechselte er gleich mehrmals, um die Offensive anzukurbeln. König kehrte für Lokotsch in die Sturmspitze zurück, Willms ersetzte den unglücklich agierenden Gomez. Allerdings änderte sich das Bild auf dem Platz nicht wirklich, da die Eintracht Zwickau keinen Raum zur Entfaltung ließ. Gefahr ging auch weiterhin meist von der Braunschweiger Offensive aus. So war es immer wieder Ihorst, der gefährlich vor dem Tor von Brinkies auftauchte.

Vielversprechend war dessen Spurt von rechts in den FSV-Strafraum in der 49. Spielminute. Allerdings brachte er sich selbst dabei um den verdienten Lohn eines gelungenen Tor-Abschlusses, da er aus dem Gleichgewicht kam und strauchelte. Dummerweise trat er dabei falsch auf und verletzte sich dabei am Oberschenkel, sodass er ausgewechselt werden musste. Aber auch dadurch ließ sich die Eintracht nicht aus dem Konzept bringen, tauchte immer wieder unwiderstehlich vor dem Strafraum des Enochs-Teams auf. Ein Abschluss von Sechser Nikolaou aus der zweiten Reihe ging noch am Brinkies-Tor vorbei (55.).

Vier Minuten später machte es der quirlige blau-gelbe Außenbahnspieler Zauner besser. Er spielte sich mittig bis in den FSV-Strafraum durch und suchte selbst überlegt den Abschluss, obwohl sich Mitspieler links und rechts ebenfalls anboten. Der Ball schlug links im Zwickauer Tor zum 2:0 für die Eintracht ein. Keeper Brinkies hatte hier keinerlei Abwehr-Chance.

Drei Verletzungen trüben Freude über verdienten Heimsieg

Die nächsten „Höhepunkte“ des Spieles waren für die engagiert und lautstark mitgehenden Zuschauer im Stadion keine weiteren Torchancen, sondern Auswechslungen auf Seiten der Eintracht. Der dauerlaufende BTSV-Spielmacher Hennings musste mit einer Schulterverletzung vom Platz (71.). Ihm folgte dann Innenverteidiger Schulz 10 Minuten später mit einem Nasenbeinbruch, den er sich bei einer Abwehr-Aktion zuzog. Die neuen Eintracht-Spieler fügten sich nahtlos ins System und ließen gegen Zwickau bis zum Schluss der Partie nichts mehr anbrennen. Nur eine Gefahrensituation hätte noch einen Anschlusstreffer des FSV bringen können, als König BTSV-Keeper Fejzic von der Strafraumgrenze noch mit einem Kopfball zu einer Glanzparade nötigte. Alles im allem war der Sieg der Eintracht schließlich vollauf verdient und hätte sogar noch um ein Tor höher ausfallen können.

Eintracht-Trainer Schiele konnte sich nach dem Spiel nicht so recht freuen, da es heute einen Pyrrhus-Sieg gegeben hatte. Man müsse zwar die genauen ärztlichen Untersuchungen der im Spiel verletzten Kicker abwarten. Er sehe aber keine große Chance auf einen Einsatz von Henning und Ihorst in den nächsten Spielen. Einzig Schulz wäre gegebenenfalls wieder zurück auf dem Platz zu erwarten, weil er schon Erfahrung mit dem Tragen einer Maske nach einem Nasenbeinbruch habe. Im Hintergrund würde zwar weiterhin an Verstärkungen für den Kader gearbeitet, aber mit Neuzugängen bis zum anstehenden Verl-Spiel am Dienstag wäre wohl nicht zu rechnen.

Man könne auch in nächster Zeit sicherlich keine drei bis vier Neuzugänge erwarten. Das wäre finanziell unrealistisch. Schiele lobte seinen neuen offensiven Außenbahnspieler Zauner, der vor seiner Verpflichtung kaum Spielpraxis gehabt hätte und dafür jetzt schon gut in Form wäre. Die jungen Nachwuchsspieler auf der Bank wären noch nicht soweit, sie jetzt schon von Anfang an zu bringen. Eine Offensiv-Option wäre möglicherweise Cronsbruch, der schon die ganze Zeit zuvor mit den Bundesliga-Profis von Arminia Bielefeld im Training gewesen sei.
FSV-Coach Enochs beglückwünschte seinen Kollegen Schiele zu einem verdienten Sieg. Dessen eigene Taktik in der Offensive ohne König sei nicht aufgegangen. Die Defensive hätte es bei den Gegentoren der Eintracht zu einfach gemacht, da in den entscheidenden Situationen weder Mann noch Ball engagiert verteidigt worden wären.

Gegen Verl schon mit Lion Lauberbach als Mittelstürmer?

Sicherlich ist in der Eintracht-Aufstellung am Dienstag in Verl offensiv hinter den Spitzen statt Henning der Zehner Kobylanski zu erwarten, der gegen Zwickau auch für den Ex-Osnabrücker eingewechselt wurde. Die große Frage ist, ob schon in der Sturmspitze mit Lion Lauberbach von Anfang an zu rechnen ist. Der 23-jährige hochgewachsene Mittelstürmer – der schon den Löwen im Namen trägt – wurde direkt nach dem Spiel gegen Zwickau ablösefrei von Holstein Kiel bis 2023 verpflichtet. In der letzten Saison war er von den Störchen in der Rückrunde an Hansa Rostock ausgeliehen. Immerhin kann er in Liga 2 und 3 schon auf einige Torvorlagen und Assits und ist Stürmer-Typ als direkter Ersatz für den gerade abgewanderten Stoßstürmer Proschwitz anzusehen. Sollte Lauberbach noch nicht kurzfristig gleich gegen Verl zum Einsatz kommen, darf sich aktuell sicherlich noch einmal Otto als Mittelstürmer beweisen, der schon gegen Zwickau für den verletzten Ihorst eingewechselt wurde und sich dabei mit Kobylanski in der Spitze abwechselte.

Eintracht Braunschweig: Fejzic – Wiebe, Behrendt, Schulz (82. May), Kijewski – Krauße, Nikolaou – Henning (71. Kobylanski) – Multhaup, Ihorst (51. Otto), Zauner (82. Schlüter)

FSV Zwickau: Brinkies – Göbel, Susac, Nkansah, Coskun – Möker, Schikora (85. Reinthaler), Hauptmann (71. Voigt), Starke (62. Baumann) – Gomez (46. Willms) – Lokotsch (46. König)

Torfolge: 1:0 Ihorst (8.), 2:0 Pena Zauner (58.)