Die Löwen verpassten eine frühe Führung. Grafik: Jürgen Roland Keuneke.

Braunschweig. Nach dem Trainer-Rauswurf der vergangenen Woche entführte das ersatzgeschwächte Team von Wehen Wiesbaden alle drei Punkte aus dem Braunschweiger Eintracht-Stadion. Die Hessen gewannen im Drittliga-Spiel vor 9300 Zuschauern 2:1 und hatten dabei das Glück, dass die Löwen zu Gast-Geschenken bereit waren und vor dem Tor des SVW bei größeren Chancen zu harmlos agierten. Von Jürgen Roland Keuneke.

BTSV-Coach Schiele musste nach dem letzten hohen Erfolg in Havelse (4:0) auf den verletzten Matchwinner Cronsbruch verzichten. Für ihn kehrte Stammspieler Nikolaou zurück. Erstmalig in dieser Saison spielte ein neuer Rechtsverteidiger: Der junge Görlich kam zu seinem ersten Drittliga-Spiel von Anfang an. Wiesbadens neues Coach-Team Döring und Krannich wechselten nach der Niederlage im letzten Spiel gegen Meppen dreimal: Der nun langzeitverletzte Torwart Boss (Meniskus) wurde durch Lyska zwischen den Pfosten ersetzt. Zudem kamen Hollerbach und Kempe für Stanic und Iredale in die Mannschaft.

Braunschweig deutlich überlegen – Wehen gelingt die Führung

Eintracht Braunschweig startete fulminant in die Partie. Die Löwen wollten deutlich machen, dass sie spielbestimmend waren. Allerdings gelangen die Kombinationen in der Anfangs-Viertelstunde nur bis an den Strafraum, ohne viel Gefahr auszustrahlen. Behrendt versuchte in der 7. Spielminute mit einem Hammer aus rund 25 Metern auf das Tor sein Glück, fand aber in Torwart Lyska seinen Meister. Der konnte das Leder aber nur nach vorne abwehren. Sein Glück war, dass Lauberbach bei dieser unverhofften Chance freistehend vor ihm im Nachschuss über das Tor zog. Das hätte die Führung sein müssen! Die nächste Braunschweiger Torchance vergab dann Abräumer Krauße (09.), als er nach einem Freistoß von Schlüter aus dem Strafraum am Tor der Hessen vorbeiköpfte.

Wiesbaden dagegen war die Partie vorsichtig angegangen, setzte auf Umschalt- und Konterspiel. Dies war erfolgreich. Als die Eintracht noch mit den eigenen vergebenen Chancen haderte, schlug der SVW zu: Ein Eckball von links fand nach einer Richtungsänderung durch Einsatz der Braunschweiger Abwehrreihe Taffertshofer frei vor dem Löwen-Fünfer. Der hatte keine Mühe, den Ball am verdutzten Fejzic vorbei ins Tor zu schieben (15.). Verkehrte Welt: Wehen Wiesbaden führte wie aus dem Nichts!

Fejzic passiert ein entscheidendes Missgeschick

Die Hausherren steckten die zu diesem Zeitpunkt sehr glückliche Führung der Hessen ganz gut weg und drückten diese weiter in ihre Hälfte. Angriff auf Angriff des BTSV rollte, ohne das es zu weiteren zwingenden Abschlüssen kam. Die Hessen ließen nichts zu – im Gegensatz zur Eintracht. Die ein für den weiteren Verlauf des Spieles entscheidendes Gastgeschenk machte (23.). Innenverteidiger Schultz spielte unter Bedrängnis einen Rückpass auf Fejzic, dem ein etwas überheblich wirkendes Missgeschick passierte. Der sonst immer so zuverlässig spielende Torsteher stoppte das Leder und wollte es am anlaufenden Wehener Thiel vorbeilegen.

Doch dies gelang nicht, da der gegnerische Mittelfeldspieler dem Keeper den Ball vom Fuß spitzelte und ins Tor legte. Von diesem Missgeschick erholte sich die Eintracht dann in der ersten Halbzeit nicht mehr. Die Mannschaft war geschockt! Das Spiel wurde zwar weiter überlegen geführt, gestaltet sich aber immer fahriger und nervöser. Immer mehr Fehlpässe und Fehler im Aufbauspiel schlichen sich ein, die dem Gast vor dem Halbzeitpfiff noch einige große Chancen ermöglichten. Doch es blieb schließlich nach 45 Minuten bei der Wehener 2:0-Führung.

Kobylanski bringt neue Kreativität ins Spiel – doch der Ausgleich will nicht fallen

Braunschweigs sportliche Leitung stellte die Eintracht in der Halbzeitpause neu ein. Trainer Schiele wollte die Weichen neu stellen und besonders die Außenbahnen neu beleben, über die in der ersten Halbzeit nicht viel gelaufen war. So musste Rechtsverteidiger Görlich in seinem ersten Spiel von Anfang an schon nach 45 Minuten weichen. Multhaup wurde für ihn etwas zurückgezogen. Auch Zauner wurde ausgewechselt und durch Girth ersetzt. Braunschweig begann die zweite Halbzeit mit zwei Sturmspitzen. Dies zeigte gleich Wirkung! Der ebenfalls eingewechselte Kobylanski, der sich zumeist auf der linken Spielseite aufhielt, fiel immer wieder durch kreative Ideen auf. In der 54. Spielminute legte er – ebenfalls über links – den Ball in den Strafraum, wo der einlaufende Mittelstürmer Lauberbach frei zum Schuss kam. Es stand 1:2 aus Löwen-Sicht. War der Bann damit gebrochen?

Unter ständiger Anfeuerung der eigenen Zuschauer versuchte Eintracht nun mit allen Mitteln, wenigstens noch den Ausgleich zu schaffen. Augenfällig war, dass sich in der herunter rinnenden Zeit erneut immer mehr Fehler in das Aufbauspiel schlichen. Nachdem sich die Fehlpässe mehrten, versuchten die Löwen ihr Heil besonders mit langen Bällen. Wehen verteidigte aber mit Mann und Maus, ließ so gut wie keine großen blau-gelben Chancen zu. In der 71. Spielminute konnten die Hessen einen Knaller von Lauberbach aber nicht verhindern, der an Lyskas Tor vorbeistrich. Auch Kobylanski versuchte noch in der 82.Minute beherzt einen Weitschuss.

Es nutzte auch nichts, dass sich Wehen kurz vor Schluss der Partie noch selbst dezimierte. Taffertshofer foulte Eintrachts Joker Müller dabei rotwürdig (86.). In der 90. Minute hatten die Zuschauer den Torschrei schon auf den Lippen, als nach Linksflanke Girth frei im Wehener Strafraum stand – allerdings das Leder nicht gut genug für einen Abschluss unter Kontrolle bekam. In der Nachspielzeit packte die Eintracht die Brechstage aus. Doch weder Kobylanski noch Lauberbach konnten bei ihren abschließenden Chancen den Ausgleich erzielen. Nach fünf Minuten zusätzlicher Spielzeit blieb es für die Löwen bei der 1:2 Heimniederlage.

BTSV-Trainer Schiele: „Ein Punkt wäre verdient gewesen!“

Trainer Schiele war nach dem Spiel sichtlich „angefressen“. In der ersten Halbzeit hatte er von seinem Team mehr erwartet. Zudem haderte er mit Handspielen bei den Wiesbadenern, die der Schiedsrichter nicht geahndet hatte. In den spielentscheidenden Situationen hätten einige Spieler konsequenter klären können. „Schultz und Henning haben da etwas zu lange gezögert. Da haben wir etwas hergeschenkt. Das 0:1 fällt aus einem Standard, das zweite Tor hat der Gegner mit seinem Anlaufverhalten erzwungen.“ Mit dem Startelf-Debut von Görlich an Stelle des grippekranken Rechtsverteidigers Wiebe war Braunschweigs Trainer eigentlich zufrieden. Leider habe ihn der Spielstand zur Halbzeit zum Handeln gezwungen: „Görlich musste ´raus, weil ich ein neues Zeichen setzen musste. Leider hat es dann Luis getroffen.“ Der junge rechte Außenverteidiger wurde ausgewechselt, weil das Braunschweiger Trainerteam nach Halbzeitberatung den rechten Allrounder Multhaup aus der offensiven Außenposition für ihn nach hinten ziehen wollte, um den offensiven Druck in der zweiten Halbzeit auch von hinten heraus zu erhöhen.

Dies gelang auch. Schiele dazu: „In der zweiten Halbzeit haben wir viel Fußball gespielt, sind auch noch vorne durchgekommen. Lion Lauberbach schießt zwei Mal am Tor vorbei, Benny Girth schlägt über den Ball, auch Martin Kobylanski kam zum Abschluss – da hatten wir unsere Momente. Ich glaube, heute hat es nicht sollen sein, es war aber eine top zweite Hälfte von uns. Da haben wir den Gegner bespielt und waren im Gegenpressing gut. Ein Punkt wäre verdient gewesen.“

„Unglücksrabe“ Jasmin Fejzic, der beim 0:2 als Torwart denkbar schlecht aussah und das Gegentor verursachte, sagte nach dem Spiel: „Beim 0:2 ist es ganz klar mein Fehler, dann rennst du dem Rückstand natürlich hinterher. Ich denke, wir haben durch zu viele Fehlpässe, durch zu viele leichte Ballverluste den Gegner eingeladen, dadurch sind sie auch gefährlich geworden. Das 0:1 passiert durch einen Standard, das kann mal passieren, obwohl wir das hätten besser verteidigen können.“

So hofft die Eintracht nun, durch ihre Auswärtsstärke in Wiesbaden die daheim verlorenen Punkte zurückzuholen. Jannis Nikolaou, als Sechser im Wiesbaden-Spiel diesmal mit einigen unglücklichen Abspielen, zum kommenden Match: “ In Würzburg wird es nächste Woche ein kampfbetonte Partie werden. Wir können da gewinnen, müssen aber konzentrierter auftreten und weniger Fehler machen. Heute ärgern wir uns zurecht.“

Eintracht Braunschweig: Fejzic (4) – Görlich (4/ 46. Girth 4), Behrendt (3,5), Schulz (4), Schlüter (3,5/ 75. Kijewski) – Krauße (3/ 75. Müller), Nikolaou (3,5) – Multhaup (3,5/ 73. Müller), Henning (2,5/ 84. Strompf ), Zauner (4,5/ 46. Kobylanski 2,5) – Lauberbach (2,5)

SV Wehen Wiesbaden: Lyska – Fechner (79. Stanic), Mockenhaupt, Gürleyen, Kempe – Taffertshofen, Jakobsen – Goppel (62. Carstens), Thiel (72. Iredale), Lankfort (72. Brumme) – Hollerbach (79. Farouk)

Torfolge: 0:1 Taffertshofer (15.) 0:2 Thiel (23.) 1:2 Lauberbach (54.)