Ein Sturm zieht auf! Die Preisfrage: Wohin treibt er dieses fragile Objekt? Grafik: Vollmer

Darmstadt/Braunschweig. Ab wann wird ein Gag zum Running Gag? Ab wann wird ein Running Gag zum unerträglichen Flachwitz? Der gestrige Auswärtstrip der Braunschweiger Eintracht an das Darmstädter Böllenfalltor kam einem Supergau gleich. Wieder einmal scheiterte der Matchplan von Cheftrainer Daniel Meyer an den Unzulänglichkeiten seines Gefolges. Wieder passierte das ganz früh im Spiel. 

Totalversagen am “Bölle”

Unter der Woche hatte sich Daniel Meyer von allzu vehemmenten Kritikern vor allem in den Sozialen Medien emanzipiert, sich schützend vor seine Mannschaft und im Besonderen Torhüter Felix Dornebusch gestellt. Meyer forderte Eintracht und Zusammenhalt. Diese Klarheit in der Ansprache des Trainers fand und finde ich wichtig. Ein Aufsteiger wie Eintracht Braunschweig hat eben auch mal mit Rückschlägen zu kämpfen. Wichtig ist, dass man aus ihnen lernt. Das nennt man dann Entwicklung.

Doch statt den Worten ihres Trainers Taten folgen zu lassen, nutzten dessen Schützlinge sie am Freitagabend als Freifahrtsschein für eine Nichtleistung die beschämend wirkte. Ausgerechnet der protegierte Dornebusch brachte nach wenigen Minuten Darmstadts Angreifer Dursun zu Fall und sah auch im weiteren Spielverlauf nicht gut aus.

Ich hatte Daniel Meyer ein glückliches Händchen bei der Wahl seines Personals gewünscht. Stattdessen unterlief ausgerechnet Michael Schultz als Startelf-Entscheidung des Coaches der Kardinalsfehler für sein Team nur wenige Sekunden nach dem 0:1 in Form eines fatalen Fehlpasses, der zum zweiten Gegentor führte. Auch an den Darmstädter Treffern drei und vier war der Innenverteidiger maßgeblich beteiligt und erlebte an diesem Abend wohl seinen perönlichen Alptraum. Zumindest das hatte Schultz mit den Löwen-Fans gemeinsam. Es fiel wirklich schwer, sich dieses Spiel, diesen Offenbarungseid live und in ganzer Länge im Fernsehen anzusehen. Ein Totalausfall, der an dunkle Tage erinnerte! Einen Spielbericht zu verfassen fiel mir noch nie so schwer. Letztenendes fehlten mir die Worte und ich habe ihn nicht verfasst. Ich beneide die Kollegen nicht, die sich da durcharbeiten mussten.

Findet Eintracht den Resetknopf?

Natürlich ist es einfach, jetzt auf diese Mannschaft und ihren Trainer einzuprügeln. Das liegt mir an dieser Stelle fern. Wichtiger ist es, diese Partie zu analysieren und aufzuarbeiten. Doch sind die Signale auch fatal, die Maßnahmen von Meyer greifen einfach nicht, die Abwehr konnte man auch am “Bölle” nicht als solche bezeichnen und auch Felix Dornebusch strahlt keine Sicherheit aus. Um ihn zu schützen müsste Daniel Meyer den 26-Jährigen nun erst einmal aus dem Tor und damit aus der Schusslinie nehmen. Vor allem die Flut an Gegentoren muss gestoppt werden. Mutiges Angreifen sah bei den Löwen zuletzt immer ein bisschen aus wie “Ins offene Messer laufen”. Speziell in der Defensive sollte im Winter dringend personell nachgebessert werden. Aber das haben Peter Vollmann und Co. sicherlich bereits ganz oben auf der Agenda.

Was bleibt ist Galgenhumor. Letztenendes gibt es auch eine positive Erkenntnis aus dem gestrigen Abend: Noch schlimmer werden kann es nicht mehr. Bleibt nur zu hoffen, dass Eintracht Braunschweig vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli den Resetknopf findet. Sonst wird das ein ganz trister Winter. 

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Dies ist ein Kommentar von Frank Vollmer. Die Meinung des Autors entpsricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion.

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