Eine neue Chance und Demut: Stefan Riedel übernimmt als Urgestein die 1. Herren der Freien Turner. Videostill: Jens Bartels

Braunschweig. Am Montag startete Oberligist Freie Turner in die aktive Saisonvorbereitung. Nach dem etwas glücklichen und coronabedingten Klassenerhalt will der Braunschweiger Arbeiterverein die zweite Chance nutzen. Für diese Aufgabe hat er ganz viel „Stallgeruch“ auf die Trainerbank geholt: Stefan „Opa“ Riedel.

Mit „Opa“ auf der Bank

„Ich musste mich in der Situation erst einmal zurechtfinden“, verrät Stefan Riedel vor unserer Kamera. Von heute auf Morgen übernahm der trotz seines Spitznamens erst 36-Jährige den Posten des Cheftrainers, als klar war, dass Kosta Rodrigues zukünftig die Zeit für den anspruchsvollen Job an der Seitenlinie fehlen wird. So begann alles mit einem Anruf. Riedel erbat sich etwas Zeit, um die kurzfristige Entscheidung auch mit seiner Familie abzustimmen. Und sagte dann zu.

Einen großen Grund dafür hatte er. „Dass die Mannschaft nicht auseinanderbricht lag mir auf dem Herzen“, betont der ehemalige Abwehrspieler, der die Dinge mit seiner Mannschaft Schritt für Schritt angehen will: „Wir sollten ganz demütig sein und dementsprechend Etappenziele setzen“, so Riedel zum Trainingsstart, bei dem man viele bekannte Akteure der Braun-Weißen sah, aber auch viel Arbeit im Trainingsbereich nötig wird.

Unterstützung erhält Stefan Riedel bei seiner neuen Aufgabe nicht nur von seinen langjährigen Weggefährten auf dem Rasen. Gemeinsam mit seinem neuen Co-Trainer Marcel Müller und Torwarttrainer Wolfgang Grobe darf auf Sicht wieder ein funktionierendes Gefüge entstehen, wie es einst auf dem Fußballplatz für Furore sorgte. Peu a Peu soll das Leistungsniveau in den nächsten Wochen gesteigert werden.

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Der neue Verein gibt sich idealistisich, mysteriös und bedeckt. Das verwirrt, macht aber neugierig. Foto: LFC

Braunschweig. Braucht die Löwenstadt noch einen weiteren Fußballverein? Die Gründer des ambitioniert angekündigten Projektes „Löwen Fussball Club Braunschweig“ beantworten diese Frage eindeutig mit „Ja“, halten sich ansonsten aber sehr bedeckt. Am Freitag wurde das Konzept des neuen Vereins offiziell vorgestellt, wirft aber mehr Fragen auf, als zunächst beantwortet werden.

„Blicken mit stolz in die Zukunft“

Sie hätten die Corona-Pandemie und die damit verbundene Fußballpause intensiv genutzt, berichten die Gründer des „LFC“ am Freitag in einer aus dem Kaltstart heraus konfus anmutenden Pressemitteilung. „Seit einigen Monaten befinden wir uns in der noch nicht endgültig abgeschlossenen Gründungsphase und blicken mit stolz in die Zukunft“, wird hier beispielsweise Nils Behringer zitiert, welcher der Meldung zufolge vor acht Jahren durch ein Studium in Sportmanagement nach Braunschweig kam und mit zwei weiteren Personen den geschäftsführenden Vorstand des „Löwen Fussball Club Braunschweig“ bilden soll.

Anfang Mai habe man Werbung via Social-Media-Kanäle gestartet, doch gibt selbst diese Pressemitteilung weder eine Sportstätte noch weitere grundlegende Informationen preis. Wer wird Trainer? Welche Spieler hat man schon? Selbst den dritten geschäftsführenden Vorstand neben Oliver Walther will man – aus welchen Gründen auch immer – explizit noch ungenannt lassen. Man sei zumindest was die Sportstätte angeht in den letzten Zügen mit den Behörden und wolle hier in den nächsten Tagen Licht ins Dunkel bringen.

Investor im Hintergrund?

Dabei klingt das alles nicht nur mysteriös, sondern zumindest auf dem Papier auch sehr ambitioniert. Die Gründer des LFC legen nach eigener Aussage großen Wert auf Vielseitigkeit: „Es wurde nicht ausschließlich auf eine Vergangenheit im sportlichen Bereich geachtet, sondern auch ein Augenmerk auf Finanzen, Marketing und Wirtschaft gelegt“, heißt es in dem Schreiben.Was bedeutet diese nicht weiter erklärte Aussage? Steht etwa ein potenter Sponsor oder Investor hinter dem Projekt? Bei der Logogestaltung war nach unseren Informationen zumindest ein Braunschweiger Fitness-Center mit dem Löwen im Wappen im Spiel. Apropos Löwe – auch der Name des neuen Vereins klingt merkwürdig vertraut. Irgendwas mit Löwe in Braunschweig? Geht immer!

Die Geheimniskrämerei trotz offizieller Pressemitteilung und die angekündigte Konzentratration auf „Finanzen, Marketing und Wirtschaft“ dürfte aufgrund schwindener Zahlen im Nachwuchsfußball und diverser Vereinsauflösungen und -Zusammenlegungen der letzten Jahre im Braunschweiger Amateurfußball zumindest kritisch beäugt werden und wird dort mutmaßlich nicht gut ankommen. Jaja, der Vollmer ist wieder mal fies. Nein, ist er wirklich nicht! Er will euch wirklich gerne anpreisen, aber mal ehrlich lieber LFC: Ich werd wirklich nicht schlau aus den ominösen Ankündigungen.

„Persönlichkeiten fördern“

Überdies wolle der LFC sich, angefangen bei einer Herrenmannschaft, langfristig als Ausbildungsverein für Spieler und Trainer definieren. „Wir machen uns zur Aufgabe, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene sowohl sportlich, als auch in ihrer Persönlichkeit zu fördern“, so der kommunizierte Plan. Nach dem Motto: „runter von der Straße, weg vom Handy und ab auf den Fußballplatz“ würden demnach in erster Linie Kinder und Jugendliche von dem neuen Verein profitieren. Dazu gehöre eine moderne Trainingsgestaltung, um „unsere Spieler motorisch weiterentwickeln und ihnen dadurch die Möglichkeit geben, das schulische Lernen durch Bewegung zu unterstützen und den chronischen Bewegungsmangel zu bekämpfen.“ Aha! Und was genau bedeuet das? Bessere Noten durch Bewegung? Das wär doch mal was! Oder hab ich diesen Satz einfach nicht verstanden?

Auch die zukünftigen LFC-Trainer sollten durch interne Fortbildung und Unterstützung bei dem Lizenzerwerb auf den neuesten Stand gebracht werden. „Wir streben dabei nach einer größtmöglichen Professionalität, wollen durch ständige Optimierung moderne Wege gehen und damit vor allem aktuelle Themen in den Fokus legen“, erklärt Oliver Walther. Neben einer bunten Mischung aus geweckter Neugierde, einer saftigen Prise Verwirrung und gesundem braunschweiger Argwohn wünsche ich dem neuen Verein natürlich viel Erfolg zum Start! Neue Dinge braucht das Land! Etwas mehr Informationen und etwas weniger Marketingsprech hätte ich mir für die Premiere des „Löwen Fussball Clubs“ aber dennoch gewünscht.

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Dies ist ein Kommentar von Frank Vollmer. Die Meinung des Autors entpspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion

 

 

 

Immer noch da: Frank Vollmer. Video: Jens Bartels

Braunschweig. Während 1.Herren-Chefcoach Kosta Rodrigues die Freien Turner mehr oder weniger überraschend verlässt, hat der Arbeiterverein aus dem Prinzenpark im eigenen Nachwuchsbereich einen echten Coup gelandet: Uwe Erkenbrecher übernimmt die U17-Junioren.

„Fußball im Fernsehen kann ich nicht mehr sehen!“

Uwe Erkenbrecher ist eines der bekanntesten Gesichter im regionalen Fußball. Der mittlerweile 66-Jährige, der bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie noch den Oberligisten Lupo Martini Wolfsburg trainierte, will es nach einem Jahr Pause noch einmal wissen und seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz an den Nachwuchs weitergeben. Wir haben beim neuen U17-Coach der Braun-Weißen nachggefragt, was ihn dazu bewegt hat.

Neuer Cheftrainer der 1.Herren im Prinzenpark wird der bisherige Co-Trainer Stefan „Opa“ Riedel, der Freie Turner gemeinsam mit seinem neuen Co-Trainer Marcel Müller wieder zum sportlichen Erfolg führen soll. Als Aktiver Spieler erlebte Riedel die Sterstunden der Braun-Weißen mit dem Aufstieg in die Regionalliga Nord und die Teilnahme am DFB-Pokal gegen den 1.FC Köln 2014.

 

Neues Team für die 1. Herren: Trainer Sebastian Pasemann (li.) und Fußballabteilungsleiter Benjamin Franz. Foto: Verein

Braunschweig. Sebastian Pasemann ist der neue Trainer der 1. Herrenmannschaft des SV Olympia 92. Pasemann hat für zwei Jahre unterschrieben und folgt auf Jonas Klügel, der den Verein nach langen Jahren verlässt.

„Wir freuen uns, dass wir Sebastian Pasemann als neuen Trainer für den SVO verpflichten konnten“, berichtete am Mittwoch Fußballabteilungsleiter Benjamin Franz von den Braunschweiger Traditionskickern. „Sebastian hat uns in den gemeinsamen Gesprächen total überzeugt. Er besitzt mehrere Lizenzen, hat eine klare Spielidee, ein großes Netzwerk in der Region und ist im positiven Sinne ein Fußballverrückter“, betonte Franz, der bestätigte, dass Pasemann für die neue Herausforderung bei der Olympia auch Angebote aus höheren Ligen ausgeschlagen hat.

Nachdem die Spielgemeinschaft mit dem SC Leoni aufgelöst wurde wollen die Amateurkicker vom Bienroder Weg einen Neustart in der 1. Kreisklasse wagen – wenn es die Corona-Pandemie denn endlich zulässt. Dafür beerbt Pasemann den bisherigen Trainer Jonas Klügel, „der uns leider nach langen, intensiven Jahren verlässt“, so Franz, der anfügt: „Bei der Gelegenheit möchten wir uns ganz herzlich bei Jonas für sein großes Engagement und seine Leidenschaft für den SVO
bedanken! Er hinterlässt große Fußstapfen. Wir sind jedoch überzeugt, den idealen Nachfolger gefunden zu haben.“

Maria Klewe ist eine echte Pionierin im Frauenfußball. Foto: Frank Vollmer

Braunschweig. Maria Klewe ist eine Pionierin und Verfechterin der Gleichberechtigung. Sympatisch, doch stets zielstrebig. Für die 91-Jährige ist die leidenschaftliche Hingabe schon ein ganzes Leben lang Pflicht. Dass sie auch eine besondere Geschichte zu erzählen hat, wird dabei fast zur Nebensache.

„Minirock gegen Höschen“

In diesen Tagen feiert der Frauenfußball in Deutschland sein 50-jähriges Bestehen. Von Beginn an war die damals noch junge Frau, die in Braunschweigs östlichem Ringgebiet aufwuchs, beim Frauenfußball dabei. Sie leistete echte Pionierarbeit als der Sport für das ’schwache Geschlecht‘ noch offiziell verboten war. Und sie war damit automatisch eine Verfechterin für die Gleichberechtigung.

Dabei fing alles doch so harmlos an. 1970 bei der Sportwoche der Freien Sportfreunde Braunschweig (heute SV Olympia’92) gab es die Begegnung „Minirock gegen Höschen. Nur so zum Spaß. Wir wollten es den Herren, die meinten Fußball sei nur Männersache, zeigen“, erinnert sich Maria Klewe. Der Auftritt ihrer Gymnastiktgruppe war die Geburtsstunde des Frauenfußball in unserer Region. Schnell bekamen die Damen Lust auf mehr.

„Zu ihrem eigenen Schutz verboten“

Die damaligen Verbandsoberen sahen es gar nicht gern, dass auch die Damen auf den Geschmack gekommen waren. So wurde der Sport für Frauen zunächst „zu ihrem eigenen Schutz“ verboten. Klewe sah darin noch lange keinen Grund, in Panik zu verfallen. Mit Geschick und Cleverness wurde das Verbot vielerorts umgangen. „Als wir uns in einem eigenen Verband organisieren wollten, lenkte der Verband schließlich ein“. 1971 wurde sie als erste Staffelleiterin des Kreises gewählt. Zur neuen Saison gab es eine Staffel mit sieben Mannschaften. Diese sieben Gründungsvereine waren laut Klewe der SV Rühme, FSB, PSV, SV Kralenriede, Freie Turner, SV Stöckheim und BSV.

Und während Wim Thoelke im ZDF-Sportstudio „Mutter“ noch eine „Wunderbare Flanke“ attestierte, war bereits eine Entwicklung in Gang gesetzt, an deren Speerspitze auch eine Maria Klewe mitwirkte. „Die meisten der später auch am Ball aktiven Frauen kamen aus der Gymnastik“, so die auch heute noch höchst agile Maria Klewe. Sie selbst spielte übrigens nie aktiv Fußball. Ihre frühe Leidenschaft war der Handball. Das hatte auch einen anderen Grund: „Beim ersten Training hat mich meine Schwester umgerannt, wobei ich eine Gehirnerschütterung davongetragen habe. Das hat mir gereicht“, verrät sie. Umso energischer nahm Klewe dagegen ihre Aufgaben im Verband wahr. Selbst ein Dr. Theo Zwanziger wurde da schon mal ins ‚Achtung‘ gestellt, wenn sie der Meinung war, ihre Frauen würden stiefmütterlich behandelt.

Klewe (li.) 1998 mit der späteren Bundestrainerin Silvia Neid. Foto: privat

Klewe (li.) 1998 mit der späteren Bundestrainerin Silvia Neid. Foto: privat

„Frau Auerhahn war die Erste“

Ein großes Problem in der Anfangszeit waren auch die Spielerpässe. „Unter 18 Jahren brauchten die Mädchen damals noch eine sportärztliche Untersuchung. Danach musste der Pass noch nach Barsinghausen zur Unterschrift. Erst danach bekamen sie ihren Pass mit dem Zusatz ’spielberechtigt‘ ausgehändigt.“ Maria Klewe erinnert sich noch genau an die erste Passinhaberin. „Das war eine Frau Auerhahn. Zu ihrem 50. Geburtstag habe ich ihr den Pass als Überraschung zugeschickt.“ Eine Praxis, an der Klewe auch heute noch festhält.

Nach und nach wurden es mehr Frauenmannschaften in der Kreisliga Braunschweig. In den ersten beiden Jahren holte der FSB den Titel, bei dem Klewe nach dem Tod ihres Mannes 1975 ebenfalls den Vorsitz übernahm. In den folgenden Jahren sah sie die Gründung der Bezirksliga (1973), der Landesliga (1975) und das erste offizielle Länderspiel gegen die Schweiz am 10. November 1982 (5:1).

Seit 1979 war Maria Klewe als Vertreterin des NFV für den DFB tätig. Sie nahm aktiv an vielen Auswahlmaßnahmen teil und war unter anderem 1995 als Delegationsmitglied dabei, als Deutschland in Schweden Vizeweltmeister wurde. Und 2020? Maria Klewe gehört noch lange nicht zum „Alten Eisen“. Solange Zuschauer zugelassen sind, trifft man sie immer noch bei jedem Heimspiel der Braunschweiger Eintracht an. Doch das ist eine andere Geschichte und die wird an einer anderer Stelle erzählt.

Marvin Fricke (re.) hatte Schwerstarbeit gegen Tünderns Ugur Aydin zu verrichten. Fotos: Frank Vollmer

Braunschweig. Freie Turner gehen mit einer weiteren Niederlage in die Lockdown-Pause. In einem rassigen und zweikampflastigen Fußballspiel unterlag die Mannschaft von Trainer Kosta Rodrigues mit 1:3(0:1). Phil Kunzes Kopfballtor zum zwischenzeitlichen 1:2 war letztlich zu wenig an diesem Novembersonntag.

Tündern legt los wie die Feuerwehr!

Es ist in dieser Spielzeit einfach der Wurm drin bei den Oberliga-Kickern von Freie Turner. Auch im letzten Spiel vor dem Corona-Lockdown war das kaum zu übersehen. Eigentlich wollten die Braun-Weißen den Schwung vom Pokalerfolg unter der Woche (wir berichteten) mit in dieses Spiel nehmen. Von Beginn an „war uns der Gegner kämpferisch und von der Willensstärke her überlegen“, befand jedoch Trainer Kosta Rodriuges nach der erneuten Pleite. Wirklich schlecht agierte seine Mannschaft nicht. Doch Gegner HSC Blau Weiß Tündern wollte es in allen Belangen mehr. Und die Hamelner legten los wie die Feuerwehr.

Schon nach wenigen Minuten stand Tünderns Robin Tegtmeyer nach einem Querschläger blank am langen Pfosten, semmelte den Ball aber aus einem Meter überraschend in den Himmel (6.). Die Gäste agierten entschlossen und handlungsschnell. Die Bedeutung dieser Partie für die bevorstehende Abstiegsrunde und die Chance, diese mit einem Sieg noch zu vermeiden, beflügelte die Elf von Trainer Tim Piontek augenscheinlich. Vor allem Rückennummer 10, Ugur Aydin, war auf dem linken Flügel von den Braun-Weißen zu keinem Zeitpunkt zu verhindern.

Die "Schwalben" brachen immer wieder durch. Foto: Frank Vollmer

Die „Schwalben“ brachen immer wieder durch. Foto: Frank Vollmer

Bollonia scheitert zweimal aussichtsreich

Erst nach zehn Minuten gelang den stark unter Druck stehenden Hausherren über Gianluca Evers der erste Torabschluss. Keine 60 Sekunden später knallte Damir Vrancic den Ball an den Außenpfosten (11.). Fatal: Der erfahrene Ex-Profi spielte wenig später einen schlimmen Diagonalpass durchs Zentrum, den die Gäste locker abfingen und 0:1 nutzten. FTB-Keeper Timo Keul war mit den Fingerspitzen noch dran am Schuss von Aydin, konnte die Kugel aber nur  noch an den Innenpfosten lenken (18.).

Als direkte Antwort setzte Kunze auf der anderen Seite den Ball über das Tor von BW-Schlussmann Masur. Allmählich fanden auch die Hausherren besser ins Spiel. Bis zur Pause hätte Justin Bollonia – heute auf der Zehnerposition zu finden – gleich zweimal den Ausgleich erzielen können, doch auch Aydin verpasste einen weiteren Torerfolg per Lupfer nur knapp.

Justin Bollonia verpasste knapp den Ausgleich. Foto: Frank Vollmer

Justin Bollonia verpasste knapp den Ausgleich. Foto: Frank Vollmer

Kleine Aussetzer besiegeln die Niederlage

Den guten Schwung nahmen Freie Turner zunächst mit in den zweiten Spielabschnitt, belohnten sich aber trotz guter Ansätze erneut nicht. Mitten in die starke Druckphase der Hausherren setzte Tegtmeyer das 0:2 (57.). Diesmal gelang postwendend die Antwort: Das 1:2 fiel über Mannschaftskapitän Marcel Schreyer, dessen Flanke in der Mitte Phil Kunze fand, der den Ball wuchtig in die Maschen köpfte (58.).

Ging hier noch was für die Rodrigues-Elf? Maurice Franke schoss wenig später tatsächlich nur knapp daneben (65.). Auf der anderen Seite hielt Keul sein Team zweimal reaktionsstark gegen Aydin im Spiel (70./75.). Doch dann wieder ein Aussetzer. Keul patzte, Tegtmeyer konnte den Ball unbedrängt zum 1:3 einschieben (78.). Freie Turner drückten jetzt schon über ihre Körpersprache aus, das dies die Entscheidung war. Auch wenn die Gastgeber weiter energisch nach vorne preschten, verteidigten die „Schwalben“ jeden Angriff beherzt und ließen keinen weiteren Torerfolg mehr zu.

„Ich fand wir haben heute verdient verloren“, sagte Rodrigues und konnte seine Enttäuschung über den erneuten Misserfolg kaum verbergen. „Uns fehlt irgendwie die Ruhe. Wir sind gar nicht richtig auf dem Platz. Die Mannschaft wirkt physisch und mental unten“, befand der 41-Jährige. Freie Turner gehen als abgeschlagener Tabellenletzter und mit nur vier Zählern und keinem Sieg in den Lockdown. Bleibt nur zu hoffen, dass die Mannschaft die erzwungene Pause nutzen kann.

„Die Mannschaft wirkt mental und psysisch unten!“ Kosta Rodrigues

Freie Turner: Keul, Schreyer, Fricke, Kunze, Hintersdorf, Vrancic, Chandra (84. Döring), Wiese, Bollonia (57. Mastel), Evers (72. Müller), Franke Trainer: Kosta Rodrigues

HSC BW Tündern: Masur, Hilker, Gündüz, Figueiredo Santos (88. Hey), Müller, Tegtmeyer (90.+4 Hanus), Frese (83. Kraus), Gurgel, Neckritz, Aydin (86. Dragusha), Schumachers Trainer: Tim Piontek

Torfolge: 0:1 Ugur Aydin (18.), 0:2 Robin Tegtmeyer (57.), 1:2 Phil Kunze (58.), 1:3 Robin Tegtmeyer (78.).

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Torwart Timo Keul und Dreifachtorschütze Benedict Chandra drückten dem Spiel ihren Stempel auf. Fotos: Frank Vollmer

Braunschweig. Freie Turner haben die Runde der Letzten Acht im Krombacher Niedersachsenpokal erreicht. In einem packenden Duell schlug der Oberligist am Mittwochabend die SVG aus Göttingen im Elfmeterschießen mit 9:8 (3:3/1:2). 75 Minuten spielten die Hausherren dabei zu zehnt.

75 Minuten in Unterzahl

Endlich wieder einmal ein Erfolgserlebnis für die zuletzt so unglücklich agierende Mannschaft von Kosta Rodrigues. Im Duell mit dem Ligakonkurrenten aus Göttingen stachen mit dem Dreifachtorschützen Benedict Chandra und Torwart Timo Keul zwei Akteure aus einer sehr guten Mannschaftsleistung hervor. Ersterer wies mit dem frühen 1:0 (6.) den Weg zum Weiterkommen, das am Ende enger werden sollte als vielleicht notwendig gewesen wäre. Zunächst markierte Ex-Turner Yannis Fischer den Ausgleichstreffer zum 1:1 (11.), dann brannten FTB-Spieler Niklas Neudorf die Sicherungen durch. Wegen einer Unsportlichkeit sah der hochgewachsene Angreifer glatt Rot (15.).

Trotz des darauf folgenden 1:2 durch Justin Taubert attestierte FTB-Coach Rodrigues seiner Mannschaft eine gute erste Halbzeit: „Wir waren spielbestimmend und die bessere Mannschaft“, so der 41-Jährige nach dem Spiel und: „In der Kabine haben wir ein paar Dinge angesprochen, die wir in der 2. Halbzeit ändern wollten, um den Gegner auch in Unterzahl unter Druck zu setzen.“

Der Ausgleich mit dem Schlusspfiff

Es funktionierte! Auch dem Kunstrasenplatz drehte der auf links spielende Chandra mit weiteren zwei Toren die Partie auf 3:2 (54./78.). Auf der rechten Seite gefiel derweil Marcel Schreyer mit einigen guten Situationen. Schreyer hatte zuletzt länger nicht gespielt, seine Einsatzfreude kam beim Trainer gut an. Kurz vor Spielende fiel dann doch noch der Ausgleich zum 3:3 durch den eben eingewechselten Julian Kratzert (90.+3).

Im direkt folgenden Elfmeterschießen entschärfte Timo Keul zwei Versuche der Gäste. „So ist es nun mal im Elfmeterschießen“, freute sich Rodrigues. „Das hat Keule super gemacht!“ Es sei ohnehin ein Spiel auf hohem Niveau gewesen. „Am Ende hatten wir aber die bessere Spielanlage. Wir haben nicht durch Glück gewonnen, sondern mit Verstand und Leidenschaft“, lobte der Ex-Profi.

Für Sonntag (14.00) ist das Oberligaspiel gegen Blau-Weiß Tündern angesetzt. Ob die Partie wegen des erneuten Lockdowns auch stattfinden kann war zur Stunde noch unklar. 

Freie Turner: Keul, Hildebrandt, Vrancic, Bollonia (33. Wiese), Franke, Chandra, Neudorf, Kunze, Schreyer, Fricke, Evers (84. Döring) Trainer: Kosta Rodrigues

Torfolge: 1:0 Benedict Chandra (6.), 1:1 Yannis Fischer (11.), 1:2 Justin Taubert (41.), 2:2 Benedict Chandra (54.), 3:2 Benedict Chandra (78.), 3:3 Julian Kratzert (90.+3)

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Am Tiefpunkt: Großes Pech im Abschluss oder Unvermögen bei Freie Turner? Foto: Frank Vollmer/Archiv

Hannover/Braunschweig. Freie Turner Braunschweig bleiben auch nach dem 8. Spieltag Schlusslicht der Oberliga Niedersachsen/Hannover. Im Rudolf-Kallweit-Stadion verlor die Elf von Kosta Rodriuges beim SV Arminia Hannover mit 0:1. Und das nicht, weil der Mut fehlte, sondern weil die Braun-Weißen sich einmal mehr selbst um den Lohn der Arbeit brachten.

Ein unglaublicher Chancenwucher 

„Was soll ich dazu noch sagen?“, zeigte sich Kosta Rodrigues ratlos, blieb in der angespannten Situation jedoch sachlich und in der Analyse. Fakt ist: Seine Mannschaft wird derzeit von einer unglaublichen Ladehemmung verfolgt. Dies zeigte sich auch im Duell mit dem Tabellennachbarn im Bischofshol. „Der Trainer der Arminen kam nach dem Spiel zu mir und sagte: ‚Ihr hättet den Punkt verdient'“, berichtete Rodrigues und mustes dabei schmunzeln. „Wir hätten den Sieg verdient gehabt!“, schiebt er direkt nach. 

„Wir waren in den ersten Minuten nicht auf dem Platz“, monierte Rodrigues, der ansonsten am Spiel seiner Mannschaft nicht viel zu beanstanden hatte. Na eines vielleicht… Nach einem Sonntagsschuss von David Lucic aus gut 20 Metern lagen die Gäste aus Braunschweig nach 12 Minuten trotzdem in Rückstand. „Es folgte ein Spiel auf ein Tor“, sah der 41-Jahre alte Ex-Profi. Allein im ersten Durchgang ließ sein Team mehrere einhunderprozentige Möglichkeiten ungenutzt verstreichen. Einige Beispiele gefällig? Nico Müller kreuzte exzellent in den Strafraum, zielte aber am rechten Pfosten vorbei. Wenig später köpfte Marvin Fricke nach einem langen Ball und einer feinen Ablage von Hendrik Neumann die Kugel aus kürzester Distanz daneben.

Viel Arbeit, kein Lohn

Nach dem Seitenwechsel zog sich der Chancenwucher weiter durch das Spiel der spielbestimmenden Gäste wie der vielbesungene Rote Faden. Gleich mehrfach blieb ihnen dabei ein Strafstoß verwerrt: Einmal wurde Müller im Strafraum gefoult, der Unparteiische verlegte den Tatort sehr zum Äger der Turner kurzerhand nach außerhalb. In einer weiteren Situation übersah der Spielleiter ein klares Handspiel der Hausherren im 16er. Doch hätten Freie Turner bei all ihren guten Möglichkeiten nicht mal einen Strafstoß gebraucht.

Damir Vrancic, Benedict Chandra, der eingewechselte Nils Wiese doppelt und auch Gian Luca Evers und Justin Bollonia vergaben mehr oder weniger Großchancen der Marke „mit geschlossenen Augen“. Als Höhepunkt dieser Pechsträhne schoss Fricke aus guter Abschlussposition den einlaufenden Müller an den Kopf. So blieb es beim 0:1 und einer erneuten Niederlage für die Elf aus dem Prinzenpark.

„Wir stehen nicht da wo wir stehen, weil wir vom Gegner dominiert werden, sondern, weil wir die Tore nicht machen“, brach es Rodrigues auf das Grundproblem hinunter. Ihm fehle es im Strafraum dabei manchmal auch an der nötigen Körpersprache. „Am Ende fehlt die Ruhe und nötige Technik im gegnerischen 16er. Uns verlässt nicht der Mut, aber wir müssen noch viel mehr zum Ausdruck bringen: ‚Ich will das Ding jetzt machen!'“

Am kommenden Sonntag (14.00) gastiert Blau-Weiß Tündern im Freie-Turner-Stadion.

Freie Turner: Keul, Hintersdorf, Vrancic, Fricke, Neumann (76. Evers), Chandra, Kunze, Mastel (85. Moslehner), Bollonia, Neudorf (61. Wiese), Müller Trainer: Kosta Rodrigues

Torfolge: 1:0 David Lucic (13.)

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Nico Müller (re.) netzte kurz vor dem Seitenwechsel. Am Ende hatte sein Treffer gegen Aufsteiger Ramlingen keinen sportlichen Wert. Foto: Dieter Bollonia

Braunschweig. Die Freien Turner waren dank eines Treffers von Nico Müller am 7. Spieltag der Oberliga Niedersachsen gegen den SV Ramlingen/Ehlershausen nah dran an ihrem ersten Saisonerfolg. Innerhalb von 60 Sekunden zerschlug ein Doppelschlag alle Hoffnung beim Tabellenschlusslicht.

Ramlingen dreht das Spiel per Doppelschlag

Wenn es nicht läuft kommt auch noch Pech dazu! Im Fall der erneuten Niederlage der Freien Turner war auch die Hartnäckigkeit des Gegners ausschlaggebend, dass die knappe 1:0-Führung am Ende keinen sportlichen Wert hatte. „Wir haben heute gegen eine der besten Mannschaften der Liga verloren“, versuchte Kosta Rodrigues nach dem Spiel zu relativieren. Sein Team habe denkbar unglücklich verloren. „Wir machen kein schlechtes Spiel“, so Rodrigues. Nico Müller hatte die Hausherren zum Ende des ersten Durchgangs verdient in Führung geschossen und die Hoffnungen der Braunschweiger waren lange Zeit berechtigt, im siebten Versuch endlich den ersten Sieg der Saison einzufahren.

Dass sich die Durststrecke der Braun-Weißen nun doch fortsetzt ist jedoch nicht allein dem Gegner aus Burgdorf geschuldet, der in der Schlussviertelstunde nassforsch und kompromisslos auftrat. Konnten ein paar richtig starke Paraden von FTB-Schlussmann Timo Keul noch über eine wacklige Schlussphase hinwegtäuschen, bestraften Utku Kani (85.) und Mitchell Timon Jordan (86.) die Hausherren kurz vor Ende mit einem Doppelschlag endgültig.

„Auf dem tiefen Geläuf haben wir viele Wege gemacht“, erklärte Rodrigues. Nach den Wechseln sei vielleicht auch ein wenig Unruhe hineingekommen. „Nichtsdestotrotz geben wir zu schnell die Mitte preis. Da wird der Ball reingespielt, kommt dann nach außen. Wir rücken bei beiden Toren zu schnell raus, haben die Augen nur auf dem Ball. Das sind Sachen, die müssen wir so schnell wie möglich abstellen. Und auch das Ego mal hinten anstellen!“

Am kommenden Sonntag (15.00) treten Freie Turner bei Arminia Hannover an.

Freie Turner: Keul, Hintersdorf, Kunze, Fricke, Moslehner, Vrancic, Mastel (76. Chandra), Bollonia, Wiese, Neudorf (53. Evers), Müller (76. Franke) Trainer: Kosta Rodrigues

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Jannes Horn (2.v.r.) war zu Besuch beim FC Wenden. Vorausgegangen war eine Spende des Bundesligaspielers. Foto: Nina Tiehe/Spotlight Moments/oh

Braunschweig. Speziell in der aktuellen Zeit kann es wertvoll sein, wenn Profisportler nicht aus den Augen verlieren wo sie herkommen und ihre Vorbildfunktion vor allem für Kinder nicht aus den Augen verlieren. Für „Geißbock“ Jannes Horn ist das Ehrensache. Das freut nicht nur den Braunschweiger Amateurverein FC Wenden.

Im Oberhaus angekommen

Aktuell kämpft Jannes Horn mit dem 1.FC Köln in der Fußball-Bundesliga um den Klassenerhalt. Für den 23-Jährigen war der duchwachsene Start der Rheinstädter persönlich trotzdessen ein wichtiger Schritt in seiner fußballerischen Entwicklung. Seit der Rückkehr aus einer Leihe an der Leine schenkt ihm Köln-Trainer Markus Gisdol auf der linken Abwehrseite das Vertrauen. “Leider sind wir nicht so gut in die Saison gestartet, aber wir haben in der Länderspielpause hart gearbeitet und wollen uns am besten im nächsten Spiel dafür belohnen“, weiß Horn und: „Das Ziel ist ja ganz klar der Klassenerhalt”, betont der gebürtige Braunschweiger.

Bevor es für den jungen Sportler am kommenden Samstag (15.30) gegen Eintracht Frankfurt wieder um wichtige Punkte in der Bundesliga geht, nahm sich der Familienmensch in der Länderspielpause auch die Zeit für einen Besuch in der Heimat und bei seinem ehemaligen Ausbildungsverein FC Wenden. Während der Zeit des ersten Lockdowns hatte er den Nachwuchs der Blau-Weißen mit einem nicht unerheblichen finanziellen Beitrag unterstützt.

Jannes Horn und Torben Thran am vergangenen Wochenende auf dem Sportplatz des FC Wenden. Foto: Nina Tiehe/Spotlight Moments/oh

Jannes Horn und Torben Thran am vergangenen Wochenende auf dem Sportplatz des FC Wenden. Foto: Nina Tiehe/Spotlight Moments/oh

„Der FC Wenden liegt mir sehr am Herzen“

“Dafür konnten wir unter anderem die D2 und unsere A-Jugend mit neuen Trikots und Pullovern ausrüsten”, freut sich Torben Thran vom FC Wenden beim Besuch des Bundesligaspielers, der seine Heimat nicht vergessen hat: “Zu Beginn der Corona-Zeit habe ich über meine Agentur eine Stiftung unterstützt und da kam mir der Gedanke, auch in meiner Heimat etwas Gutes zu tun. Da liegt mir der FC Wenden sehr am Herzen, da ich dort meine ganze Jugend verbracht habe, meine Familie dort lebt und ich der Jugend etwas finanzielle Unterstützung anbieten wollte”, berichtet Horn.

“Heute haben wir die Gelegenheit bekommen, uns bei Jannes persönlich zu bedanken”, berichtet Thran und fügt an: “Toll ist dabei, dass Jannes sich in der Länderspielpause persönlich die Zeit genommen hat und auch sehr geduldig Autogramme gegeben und sich mit den Kids hat fotografieren lassen”, freut sich der Funktionär. “Er ist ein sehr angenehmer Mensch und nicht die Art Fußballprofi, von denen sich die Fans gerade abwenden. Der FC Wenden und auch ich persönlich freue mich sehr über dieses Engagemen von Jannes.”