Eine neue Chance und Demut: Stefan Riedel übernimmt als Urgestein die 1. Herren der Freien Turner. Videostill: Jens Bartels

Braunschweig. Am Montag startete Oberligist Freie Turner in die aktive Saisonvorbereitung. Nach dem etwas glücklichen und coronabedingten Klassenerhalt will der Braunschweiger Arbeiterverein die zweite Chance nutzen. Für diese Aufgabe hat er ganz viel „Stallgeruch“ auf die Trainerbank geholt: Stefan „Opa“ Riedel.

Mit „Opa“ auf der Bank

„Ich musste mich in der Situation erst einmal zurechtfinden“, verrät Stefan Riedel vor unserer Kamera. Von heute auf Morgen übernahm der trotz seines Spitznamens erst 36-Jährige den Posten des Cheftrainers, als klar war, dass Kosta Rodrigues zukünftig die Zeit für den anspruchsvollen Job an der Seitenlinie fehlen wird. So begann alles mit einem Anruf. Riedel erbat sich etwas Zeit, um die kurzfristige Entscheidung auch mit seiner Familie abzustimmen. Und sagte dann zu.

Einen großen Grund dafür hatte er. „Dass die Mannschaft nicht auseinanderbricht lag mir auf dem Herzen“, betont der ehemalige Abwehrspieler, der die Dinge mit seiner Mannschaft Schritt für Schritt angehen will: „Wir sollten ganz demütig sein und dementsprechend Etappenziele setzen“, so Riedel zum Trainingsstart, bei dem man viele bekannte Akteure der Braun-Weißen sah, aber auch viel Arbeit im Trainingsbereich nötig wird.

Unterstützung erhält Stefan Riedel bei seiner neuen Aufgabe nicht nur von seinen langjährigen Weggefährten auf dem Rasen. Gemeinsam mit seinem neuen Co-Trainer Marcel Müller und Torwarttrainer Wolfgang Grobe darf auf Sicht wieder ein funktionierendes Gefüge entstehen, wie es einst auf dem Fußballplatz für Furore sorgte. Peu a Peu soll das Leistungsniveau in den nächsten Wochen gesteigert werden.

Mehr zum Thema

 

Text

 

Honner Hornuß ist seit mehr als 60 Jahren im Judo aktiv. Video: Jens Bartels

Braunschweig. Seit mehr als 60 Jahren ist der Judosport in Braunschweig eng mit dem Namen Honner Hornuß verbunden. Höchste Zeit für einen Besuch des Judoka beim Braunschweiger Judo Club in der Eisenbütteler Straße.

Hornuß denkt noch lange nicht ans Aufhören

Im Februar feiert Honner Hornuß seinen 80. Geburtstag. Ans Aufhören denkt der Träger des 7. Dan aber noch lange nicht. Viel zu sehr ist sein Herz mit dem Sport verbunden, viel zu viel kann er dem Nachwuchs noch mit auf den Weg geben. „Durch gegenseitiges Helfen zum beiderseitigen Wohlergehen“, nennt Hornuß das höchste Argument, warum er Kinder auf ihren ersten Schritten in den japanischen Budō gerne eine Begleitung ist.

In unserem Interview berichtet Hornuß auch von der Entstehungeschichte des Judosports in Braunschweig. „In den Achtzigern war die Mannschaft vom Deutschen Judosport in Braunschweig praktisch die Nationalmannschaft“, erinnert er sich und berichtet von der einen oder anderen Anekdote. Und endlich bekommt Frank auch mal eine Erklärung, was es mit den Meistergraden auf sich hat. Viel Spaß!

P.S. Der BJC feiert im kommenden Jahr sein 60. Jubiläum. Honner Hornuß wird dann mit Sicherheit mitfeiern.

 

Eintrachts AR-Vorsitzender Frank Fiedler ist zurückgetreten. Foto: Jens Bartels

Braunschweig. Frank Fiedler ist nicht mehr Aufsichtsrats-Vorsitzender der Profifußball-Abteilung Eintracht Braunschweig Gmbh & Co. KGaA. Dies vermeldet die dpa am Montagvormittag.

AR-Chef zurücktgetreten

Die „Initative Eintracht“ hatte für einen echten Neuanfang den Rücktritt des gesamten Aufsichtsrates von Eintracht Braunschweig gefordert (wir berichteten). Wie am Montag bekannt wurde, ist der Aufsichtsrats-Vorsitzende Frank Fiedler am Montag mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurückgetreten. Der Finanzvorstand des Eintracht-Sponsors Volkswagen Financial Services AG nannte der dpa-Meldung zufolge dafür in einem Schreiben an das Präsidium des Clubs „persönliche Gründe“.

Wie die Braunschweiger Zeitung zuvor berichtet hatte, war Fiedler wegen Alleingängen im Aufsichtsrat in die Kritik geraten. So habe er den Vertrag von Sport-Geschäftsführer Peter Vollmann bis 2023 verlängert, was im Aufsichtsrat der Löwen mindestens für kontroverse Diskussionen über die umstrittene Personalie gesorgt habe. Fiedler hatte daraufhin der Meldung zufolge eine Einigung gefunden: Eine mögliche Abfindung im Falle einer vorzeitigen Trennung von Vollmann würde die VWFS übernehmen.

„Äußerst fragwürdig“

„Frank Fiedler hat sich seit über fünf Jahren im Aufsichtsrat ehrenamtlich eingebracht und viel Kraft und Zeit investiert. Wir respektieren seine Entscheidung und danken Frank Fiedler im Namen der Gremien für sein langjähriges und großes Engagement für die Eintracht. Innerhalb des zuständigen Gremiums werden wir uns in den nächsten Tagen zusammen finden und das weitere Vorgehen besprechen“, betonte Christoph Bratmann, Präsident des BTSV von 1895 e.V. und Mitglied des Aufsichtsrates der Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA in einer offiziellen Vereinsmitteilung.

„Äußerst fragwürdig ist, wie von bestimmten Fangruppierungen persönliche Kampagnen gegen Amtsträger oder leitende Angestellte initiiert werden. Sachliche Kritik ist erwünscht und auch wichtig. Wie hier Menschen persönlich angegangen werden, ist völlig inakzeptabel“, so Bratmann.

Mehr zum Thema

 

Der neue Verein gibt sich idealistisich, mysteriös und bedeckt. Das verwirrt, macht aber neugierig. Foto: LFC

Braunschweig. Braucht die Löwenstadt noch einen weiteren Fußballverein? Die Gründer des ambitioniert angekündigten Projektes „Löwen Fussball Club Braunschweig“ beantworten diese Frage eindeutig mit „Ja“, halten sich ansonsten aber sehr bedeckt. Am Freitag wurde das Konzept des neuen Vereins offiziell vorgestellt, wirft aber mehr Fragen auf, als zunächst beantwortet werden.

„Blicken mit stolz in die Zukunft“

Sie hätten die Corona-Pandemie und die damit verbundene Fußballpause intensiv genutzt, berichten die Gründer des „LFC“ am Freitag in einer aus dem Kaltstart heraus konfus anmutenden Pressemitteilung. „Seit einigen Monaten befinden wir uns in der noch nicht endgültig abgeschlossenen Gründungsphase und blicken mit stolz in die Zukunft“, wird hier beispielsweise Nils Behringer zitiert, welcher der Meldung zufolge vor acht Jahren durch ein Studium in Sportmanagement nach Braunschweig kam und mit zwei weiteren Personen den geschäftsführenden Vorstand des „Löwen Fussball Club Braunschweig“ bilden soll.

Anfang Mai habe man Werbung via Social-Media-Kanäle gestartet, doch gibt selbst diese Pressemitteilung weder eine Sportstätte noch weitere grundlegende Informationen preis. Wer wird Trainer? Welche Spieler hat man schon? Selbst den dritten geschäftsführenden Vorstand neben Oliver Walther will man – aus welchen Gründen auch immer – explizit noch ungenannt lassen. Man sei zumindest was die Sportstätte angeht in den letzten Zügen mit den Behörden und wolle hier in den nächsten Tagen Licht ins Dunkel bringen.

Investor im Hintergrund?

Dabei klingt das alles nicht nur mysteriös, sondern zumindest auf dem Papier auch sehr ambitioniert. Die Gründer des LFC legen nach eigener Aussage großen Wert auf Vielseitigkeit: „Es wurde nicht ausschließlich auf eine Vergangenheit im sportlichen Bereich geachtet, sondern auch ein Augenmerk auf Finanzen, Marketing und Wirtschaft gelegt“, heißt es in dem Schreiben.Was bedeutet diese nicht weiter erklärte Aussage? Steht etwa ein potenter Sponsor oder Investor hinter dem Projekt? Bei der Logogestaltung war nach unseren Informationen zumindest ein Braunschweiger Fitness-Center mit dem Löwen im Wappen im Spiel. Apropos Löwe – auch der Name des neuen Vereins klingt merkwürdig vertraut. Irgendwas mit Löwe in Braunschweig? Geht immer!

Die Geheimniskrämerei trotz offizieller Pressemitteilung und die angekündigte Konzentratration auf „Finanzen, Marketing und Wirtschaft“ dürfte aufgrund schwindener Zahlen im Nachwuchsfußball und diverser Vereinsauflösungen und -Zusammenlegungen der letzten Jahre im Braunschweiger Amateurfußball zumindest kritisch beäugt werden und wird dort mutmaßlich nicht gut ankommen. Jaja, der Vollmer ist wieder mal fies. Nein, ist er wirklich nicht! Er will euch wirklich gerne anpreisen, aber mal ehrlich lieber LFC: Ich werd wirklich nicht schlau aus den ominösen Ankündigungen.

„Persönlichkeiten fördern“

Überdies wolle der LFC sich, angefangen bei einer Herrenmannschaft, langfristig als Ausbildungsverein für Spieler und Trainer definieren. „Wir machen uns zur Aufgabe, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene sowohl sportlich, als auch in ihrer Persönlichkeit zu fördern“, so der kommunizierte Plan. Nach dem Motto: „runter von der Straße, weg vom Handy und ab auf den Fußballplatz“ würden demnach in erster Linie Kinder und Jugendliche von dem neuen Verein profitieren. Dazu gehöre eine moderne Trainingsgestaltung, um „unsere Spieler motorisch weiterentwickeln und ihnen dadurch die Möglichkeit geben, das schulische Lernen durch Bewegung zu unterstützen und den chronischen Bewegungsmangel zu bekämpfen.“ Aha! Und was genau bedeuet das? Bessere Noten durch Bewegung? Das wär doch mal was! Oder hab ich diesen Satz einfach nicht verstanden?

Auch die zukünftigen LFC-Trainer sollten durch interne Fortbildung und Unterstützung bei dem Lizenzerwerb auf den neuesten Stand gebracht werden. „Wir streben dabei nach einer größtmöglichen Professionalität, wollen durch ständige Optimierung moderne Wege gehen und damit vor allem aktuelle Themen in den Fokus legen“, erklärt Oliver Walther. Neben einer bunten Mischung aus geweckter Neugierde, einer saftigen Prise Verwirrung und gesundem braunschweiger Argwohn wünsche ich dem neuen Verein natürlich viel Erfolg zum Start! Neue Dinge braucht das Land! Etwas mehr Informationen und etwas weniger Marketingsprech hätte ich mir für die Premiere des „Löwen Fussball Clubs“ aber dennoch gewünscht.

__

Dies ist ein Kommentar von Frank Vollmer. Die Meinung des Autors entpspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion

 

 

Die Eintracht ist am Tiefpunkt. Jetzt meldete sich die Initiative Eintracht und fordert eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Foto: Frank Vollmer/Archiv

Braunschweig. In einem Offenen Brief zeigte die Initiative Eintracht am Freitag deutlich die internen Probleme bei Eintracht Braunschweig auf. Eine ihrer Forderungen: Der gesamte Aufsichtsrat solle zurücktreten. Mal wolle ansonsten die Vertrauenfrage stellen. Auch eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist Ziel des Schreibens.

Offener Brief mit Lösungsvorschlägen

Wie die Initiative am Freitag auf ihrer Homepage mitteilte (hier), seien die Gründe für den Abstieg „vor allem im gravierenden Missmanagement im Aufsichtsrat der GmbH & Co. KG, aber auch beim Präsidium, das offensichtlich nicht mehr Herr im Haus ist“, zu suchen. In einem sehr ausführlichen Offenen Brief legte die Initiative Eintracht einen detaillierten Handlungsvorschlag vor:

Sehr geehrte Damen und Herren, werte Mitglieder, Fans, Freunde und Sponsoren der Braunschweiger Eintracht,

einmal mehr steht unser Verein am Abgrund. Trotz erheblicher finanzieller Anstrengungen ist der Klassenerhalt in der 2. Fußball-Bundesliga nicht gelungen. Er wurde leichtfertig verspielt. Die Ursachen dafür liegen unserer Meinung nach vor allem in den gravierenden Fehleinschätzungen und -entscheidungen der Vereinsführung, insbesondere durch den Aufsichtsrat.

Die markantesten Kritikpunkte sind unseres Erachtens:

Die vorzeitige Vertragsverlängerung des sportlichen Geschäftsführers Peter Vollmann. Ohne Not und ohne das Saisonziel Klassenerhalt erreicht zu haben, wurde der sportlich existenzielle Posten für zwei weitere Jahre mit Peter Vollmann besetzt. Nach unseren bestätigten Informationen handelte es sich dabei um einen Alleingang des Aufsichtsratsvorsitzenden Frank Fiedler (Volkswagen FSAG).

Ebenfalls stark irritierend ist die Vertragsgestaltung mit Trainer Daniel Meyer zu Saisonbeginn. Offenbar wurde er auch mit einem Vertrag für die 3. Liga ausgestattet. Arbeitsverhältnisse im Profisport sollten sich aber unserer Meinung nach am Erfolg bzw. der Zielerfüllung ausrichten und nicht den Misserfolg goutieren.

Bei beiden Personalien ist den dafür Verantwortlichen hochgradig unprofessionelles Verhalten vorzuwerfen.

Dies gilt auch für den Umgang mit der Trainerfrage. Spätestens nach den desolaten Leistungen in Fürth und gegen Aue hätten im AR und im Präsidium einmütige und erfolgreiche Entscheidungen zum Erreichen des Klassenerhalts getroffen werden müssen. Stattdessen war öffentlich zu verfolgen, dass die bedrohliche Situation den Kreis der Entscheider in mindestens zwei Lager geteilt hatte. Auch hier setzte sich Frank Fiedler als AR-Chef durch und hielt am Trainer fest. Noch nicht einmal der öffentlich avisierte Impuls in Richtung der sportlich Verantwortlichen erfolgte. Dieselbe Prozedur spielte sich nach dem verlorenen Würzburg-Spiel erneut ab. Allerdings hatte man dann den Klassenerhalt nicht mehr in der eigenen Hand.

Seit dem Abstieg in die 3. Liga 2018 ist die Kader-Planung insgesamt ungenügend, teuer und eine einzige Flickschusterei. Der Aufstieg in die 2. Liga im vergangenen Jahr ist dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass ein zu großer, zu teurer Kader, aufgrund von coronabedingten englischen Wochen, zum Vorteil wurde. Ansonsten war auch diese Saison sportlich extrem bescheiden. Ein Konzept ist nicht erkennbar. Der Verein steht seit 2018 nur für Eines: amateurhaftes Krisenmanagement.

Von unserem Präsidenten und dem handelnden Präsidium hätten wir ein Einschreiten erwartet. Wenn wir als Verein im Aufsichtsrat schon keine Mehrheit haben, so ist das für sich schon eine traurige Realität, an der wir alle arbeiten müssen. Zusehen und die Entscheidungen schweigend mittragen hat dem Ansehen des Präsidiums geschadet. Christoph Bratmann und sein Team sollten schon jetzt verkünden, ob und in welcher Konstellation sie im Herbst zur ordentlichen Mitgliederversammlung antreten. Der Verein braucht dringend mehr Einfluss im Aufsichtsrat.

In der 3. Liga kommen ganz schwere Zeiten, sportlich wie finanziell, auf die Eintracht zu. Unter anderem muss eine neue Mannschaft aufgebaut werden, und wir haben Ankündigen vernommen, dass der Hauptsponsor VW sein Engagement weiter reduziert. Die Bewältigung dieser extrem schwierigen Aufgaben trauen wir dem aktuellen Aufsichtsrat und den derzeit sportlich Verantwortlichen nicht zu.

Deshalb wird die Initiative Eintracht Schritte einleiten, um nach § 15 der Vereinssatzung des BTSV Eintracht 1895 e.V. eine außerordentliche Mitgliederversammlungzum nächstmöglichen Zeitpunkt einberufen zu lassen. Wir werden ferner Anträge einreichen, um auf dieser Mitgliederversammlung Tagesordnungspunkte zu folgenden Themen zu behandeln:

1. Stellungnahme des Präsidiums zum Abstieg aus der 2. Liga sowie Vorstellung des Konzeptes für die 3. Liga mit Aussprache.

2. Neubesetzung des Aufsichtsrats-Postens des zurückgetretenen Thomas Ritterbusch.

3. Vertrauensfrage bezüglich der verbliebenen Aufsichtsrats-Mitglieder.

4. Neubesetzung der Aufsichtsrats-Sitze, deren Inhaber nicht das Vertrauen der Mitglieder genießen.

5. Fragen und Anregungen

Wir bitten nicht nur bei der Neuformierung der Führungsebene inständig um die Mithilfe aller, denen Eintracht selbstlos am Herzen liegt.

Es soll ein Neuanfang auf allen Ebenen der Profi-Abteilung eingeleitet werden. Dafür bedarf es Personen, die mit hoher Identifikation und Sachverstand der Eintracht uneigennützig eine stabile Zukunft im Profi-Fußball sichern wollen.

Mit blau-gelben Grüßen für die Initiative Eintracht
Sebastian Götze, Wolfgang Schoeps

 

 

 

Immer noch da: Frank Vollmer. Video: Jens Bartels

Braunschweig. Während 1.Herren-Chefcoach Kosta Rodrigues die Freien Turner mehr oder weniger überraschend verlässt, hat der Arbeiterverein aus dem Prinzenpark im eigenen Nachwuchsbereich einen echten Coup gelandet: Uwe Erkenbrecher übernimmt die U17-Junioren.

„Fußball im Fernsehen kann ich nicht mehr sehen!“

Uwe Erkenbrecher ist eines der bekanntesten Gesichter im regionalen Fußball. Der mittlerweile 66-Jährige, der bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie noch den Oberligisten Lupo Martini Wolfsburg trainierte, will es nach einem Jahr Pause noch einmal wissen und seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz an den Nachwuchs weitergeben. Wir haben beim neuen U17-Coach der Braun-Weißen nachggefragt, was ihn dazu bewegt hat.

Neuer Cheftrainer der 1.Herren im Prinzenpark wird der bisherige Co-Trainer Stefan „Opa“ Riedel, der Freie Turner gemeinsam mit seinem neuen Co-Trainer Marcel Müller wieder zum sportlichen Erfolg führen soll. Als Aktiver Spieler erlebte Riedel die Sterstunden der Braun-Weißen mit dem Aufstieg in die Regionalliga Nord und die Teilnahme am DFB-Pokal gegen den 1.FC Köln 2014.

 

Neues Team für die 1. Herren: Trainer Sebastian Pasemann (li.) und Fußballabteilungsleiter Benjamin Franz. Foto: Verein

Braunschweig. Sebastian Pasemann ist der neue Trainer der 1. Herrenmannschaft des SV Olympia 92. Pasemann hat für zwei Jahre unterschrieben und folgt auf Jonas Klügel, der den Verein nach langen Jahren verlässt.

„Wir freuen uns, dass wir Sebastian Pasemann als neuen Trainer für den SVO verpflichten konnten“, berichtete am Mittwoch Fußballabteilungsleiter Benjamin Franz von den Braunschweiger Traditionskickern. „Sebastian hat uns in den gemeinsamen Gesprächen total überzeugt. Er besitzt mehrere Lizenzen, hat eine klare Spielidee, ein großes Netzwerk in der Region und ist im positiven Sinne ein Fußballverrückter“, betonte Franz, der bestätigte, dass Pasemann für die neue Herausforderung bei der Olympia auch Angebote aus höheren Ligen ausgeschlagen hat.

Nachdem die Spielgemeinschaft mit dem SC Leoni aufgelöst wurde wollen die Amateurkicker vom Bienroder Weg einen Neustart in der 1. Kreisklasse wagen – wenn es die Corona-Pandemie denn endlich zulässt. Dafür beerbt Pasemann den bisherigen Trainer Jonas Klügel, „der uns leider nach langen, intensiven Jahren verlässt“, so Franz, der anfügt: „Bei der Gelegenheit möchten wir uns ganz herzlich bei Jonas für sein großes Engagement und seine Leidenschaft für den SVO
bedanken! Er hinterlässt große Fußstapfen. Wir sind jedoch überzeugt, den idealen Nachfolger gefunden zu haben.“

Kessel, Kobylanski und Schlüter wurden aus dem Kader für das Endspiel gestrichen. Foto: Agentur Hübner/Archiv

Braunschweig. Vor dem Endspiel beim Hamburger SV gab es hartnäckige Gerüchte, die Mannschaft von Eintracht Braunschweig betreffend. Ohne Angabe von Gründen sollen demnach Benjamin Kessel, Martin Kobylanski und Lasse Schlüter aus dem Kader für das Spiel geworfen worden sein. Der Verein dementierte zunächst Gerüchte, dass es mit einem feuchtföhlichen Mannschaftabend im Hotel zu tun hatte, räumte dann aber ein, dass am Sonntagabend „ein harter Kern über die Stränge geschlagen“ habe. Auch Lasse Schlüter und Benjamin Kessel meldeten sich zu Wort. Artikel zuletzt aktualisiert Montag, 24. Mai 2021, 19:37 Uhr.

Mannschaftabend im Hotel

Nach ursprünglichen abseits°-Informationen wurden die drei Löwen-Profis Benjamin Kessel, Martin Kobylanski und Lasse Schlüter am Samstagvormittag mit sofortiger Wirkung aus dem Kader für das Endspiel in Hamburg gestrichen. Und das, wie Benjamin Kessel später bestätigte, auch ohne eine Angabe von Gründen.

Hartnäckigen Gerüchten zufolge wurden die Eintracht-Profis aus dem Kader gestrichen, weil sie nach dem Würzburg-Spiel im Hotel während der Quarantäne ein Bierchen zu viel getrunken haben sollen. Auch war in den Sozialen Medien die Rede von Randalen im Hotel, die sich aber als absolut unwahr herausgestellt haben (und die hier bisher auch nicht Erwähnung fanden – Anm. des Verf.). Wie Lasse Schlüter später in einem Video betonte, war er nicht Teil der Gruppe, „die sich da getroffen hat.“

„Es ist korrekt, dass große Teile der Mannschaft an jenem Sonntagabend unmittelbar nach der Niederlage noch länger im Hotel zusammen gesessen und dabei auch Alkohol zu sich genommen haben. Das ist sicherlich für einen Profi nicht ideal, aber in so einem Moment auch menschlich nachvollziehbar.

Bestätigen kann ich auch, dass dabei am Ende ein harter Kern aus wenigen Spielern übrig geblieben ist, die über die Stränge geschlagen haben. Dass dies so nicht akzeptabel ist, wurde in einer teaminternen Sitzung bereits am darauffolgenden Montag sehr deutlich kommuniziert. Dass an jenem Abend wilde Exzesse und Partys gefeiert wurden, Hotelzimmer demoliert wurden, weisen wir entschieden zurück.“ Peter Vollmann via Eintracht-Stellungnahme am Pfingstmontag

Kessel: „Ich hätte mich auch nicht aufgestellt“

Am Sonntag betonte nun Benjamin Kessel via Facebook: „Keiner wollte nach dem Würzburg-Spiel allein auf dem Zimmer sitzen, weil die Belastung einfach zu groß war.“ Ein menschliches Bedürfnis! Also habe man sich mit Mitarbeitern des Vereins in einem Raum zusammengesetzt. „Wir haben auch ein Bier getrunken und das Spiel wurde aufgearbeitet“, so Kessel. Dabei seien gute Gespräche geführt worden. „Es wurde, wie ich finde, die einzige Möglichkeit geschaffen, um sich noch einmal zusammenzuraufen, um in dem alles entscheidenden Spiel gegen den HSV noch mal alles reinwerfen zu können“, betont der Abwehrspieler und bedauert, dass dies gegen den HSV nicht geklappt habe. „Die Schützenhilfe aus Aue wäre da gewesen, was es besonders bitter macht.“

Kessel betont, dass der darauffolgende Montag und Dienstag nach dem Würzburg-Spiel trainigsfrei gewesen sei. Und: „Ich bin zu einer humanen Zeit ins Bett gegangen.“ Warum er dennoch aus dem Kader für das Spiel geworfen worden sei, umschreibt er mit Galgenhumor: „Ich hätte mich auch nicht aufgestellt.“

„Es soll darum gehen, dass es ein Saufgelage oder ähnliches gegeben haben soll, wo randaliert worden sein soll. Da kann ich nur sagen, dass ich zu 100% nicht Teil der Gruppe war, die sich da getroffen hat. Nach dem gemeinsamen Essen bin ich auf’s Zimmer gegangen, um zu telefonieren. Ich distanziere mich ganz klar davon. Ich war nicht dabei. Der Abstieg ist für uns alle bitter genug.“ Lasse Schlüter

Eintracht: „reibungslose Trainingswoche“

Noch am Samstagabend hatte der Verein die Gerüchte dementiert und von einer reibungslosen Trainingswoche gesprochen. Trainer Daniel Meyer habe mit den Eindrücken aus den vergangenen Trainingstagen wie jede Woche den Kader für die Begegnung nominiert. „Dabei wurden die Spieler ausgewählt, die im Training den besten Eindruck hinterlassen haben“, heißt es in der ersten Stellungnahme.

Der Frust und die Enttäuschung sei nach der Niederlage gegen Würzburg bei der gesamten Mannschaft extrem groß gewesen. „Die Vorbereitungswoche auf das Auswärtsspiel beim Hamburger SV ist entgegen anders lautender Gerüchte komplett reibungslos abgelaufen.“ Am Pfingstmontag zog der Verein noch einmal nach und veröffentlichte eine zweite Stellungnahme.

Mehr zum Thema

 

Stehe ich jetzt im Regen? NEIN! Die Sonne scheint. Video: Jens Bartels

Braunschweig. Ist Eintracht Braunschweig bereits abgestiegen? Wir sagen „NEIN!“ und dafür gibt es Argumente. Merke: Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Löwenzahn oder Pusteblume?

Die Chance ist minimal, dass Eintracht Braunschweig im letzten Saisonspiel am Sonntag (15.30 Uhr) beim Hamburger SV die Klasse halten oder sich zumindest in die Relegation retten kann. Nach der fatalen 1:2-Niederlage gegen die bereits abgestiegenen Würzburger Kickers schien die Mannschaft von Noch-Cheftrainer Daniel Meyer für viele bereits abgeschrieben.

Doch wer wenn nicht die Eintracht? In den vergangenen zwei Jahren kam zunächst die Rettung in der 3. Liga, dann der Aufstieg in die 2. Bundesliga einem Wunder gleich. Aller guten Dinge sind drei! Also haben wir uns auf der Suche nach einem Hoffnungsschimmer auf dem menschenleeren Stadiongelände umgesehen und sind fündig geworden …

Vergangene Woche endete die bislang kürzeste Finalserie der DEL zugunsten der Berliner. Foto: Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH

Später Start um Weihnachten, Minimum drei Spiele pro Woche, verkürzte Playoffs. Leere Hallen, ein nie dagewesener Run auf Chipstüten, Kautschbier und MagentaSport. Ein Pavel Gross, der in der Pressekonferenz nach dem Halbfinalgaraus der Mannheimer den Gallenröhrling in der Pilzpfanne abgab. Traurige Wolfsburger, ein 100. Deutscher Meister aus Berlin im goldenen Lamettaregen. Die DEL hat eine vor allem finanziell knifflige, am Ende aber sportlich saubere Saison hinter sich gebracht. Wer hätte das gedacht? Von Frank Bröker.

Offensive Spielerrevolte

Niemand. Und dass Wolfsburg Pavel Gross‘ Starensemble im Halbfinale ausschaltet auch nicht. Als im entscheidenden dritten Serienspiel Mannheims Plachta in der eigenen Zone zu lässig mit der Scheibe hantierte, Max Görtz Hintertürgummi gab und Dennis Reul eine Kufe an den Gegner vermietete, standen die Grizzlys drei Minuten später dort, wo man es über weite Saisonstrecken hinaus nie vermutet hätte: im Endspiel.

Den Ausschlag dafür gab eine junge Mischung offensiver Spielerrevolte, gewürzt mit Old-Cortina-Beton-Taktik plus eines glänzend aufgelegten Dustin Strahlmeier im Tor als Sahnehaube. Und, by the way, trug sicherlich die Suspendierung von Jordan Boucher (nach dem 1:4 gegen Augsburg in der Verzahnungsrunde) zum Guten, vielleicht „Teamspirit“ geheißen, bei. So rückte der vormals überzählige Ausländer Phillip Bruggisser ins Line-Up und ackerte sich zum Felsen an der Blauen Linie heran.

Lucky Bounce

Warum Boucher verbannt wurde, sickerte bis dato nicht durch. Um es herauszufinden, müsste man vermutlich das Eishockey-Darknet bemühen. Jedenfalls fanden Pavel Gross‘ Mannen keinen Wolf und keinen Weg, Spiel 3 zu entscheiden. Über die Volldampf-Statistiken (pro Mannheim) konnte hinterher nerden, wer wollte. Ein Lucky Bounce entschied alles.

So geht Eishockey und als Verlierer findet man sich hinterher schnell damit ab. Zumindest zettelten die Mannheimer keine Schlägereien an und verwandelten sich in Wehrwölfe. Einzig Coach Gross sah so aus, als sollte man ihm in den Stunden nach Mitternacht nicht begegnen. Denn schuld am Fiasko war (nach seiner Fasson) die Liga, und zwar wegen allem, was eingangs hier erwähnt wurde. Außer Chipstüten, Kautschbier und MagentaSport – das sich gefühlt eher auf ein Finale Mannheim gegen Berlin (mit noch mehr Quote) gefreut hätte. Doch gegen Görtz‘ Puckhebel an Reuls Kufe war selbst Mikro-Experte Christoph Schubert machtlos. Bären unter sich, hieß es fortan. Wolfsburg gegen Berlin, das seine Hausaufgaben gegen Ingolstadt holprig aber effektiv und ebenfalls über die volle Distanz erledigen konnte.

Spiel 1: Weißer Bär mit schweren Beinen

Berlin ließ sich bitten und verlor standesgemäß Spiel 1 zuhause. Wenn auch erst in der 18. Minute der Overtime, als Julian Melchiori den entscheidenden Treffer gegen einen stehend schlaffen Gegner erzwang. Ein tolles Tor, das die Sinnhaftigkeit pünktlicher Shifts unter Verwendung der vierten Energy-Reihe einmal mehr unter Beweis stellte. So verloren eben nicht die Eisbären-Spieler das Match, sondern einzig und allein der Coaching-Staff.

„Das wird nie wieder passieren,“ mag man sich auf Berliner Seite hinterher geschworen haben und änderte vor Spiel 2 die Taktik genau in die genannte Richtung.

Spiel 2: Weißer Bär erlegt braunen Bären

Mit einer Mischung aus Frühstör-Überfall-Kommando und der Gewissheit auf Sonnenscheintage für Berlins Goalie Niederberger, kam Wolfsburg nicht zurecht. Spätestens nach dem 0:2 in Minute 28 hätte es eine Auszeit gebraucht, in der Pat Cortina den Leitwölfen zubrüllt: Jetzt übernehmt Ihr, ich zieh mich bis zum Ausgleich auf ein Beton-Wässerchen zurück.

Doch all das passierte nicht und die Grizzlys wurden in längst vergessene Saisonzeiten zurückkatapultiert. Am Ende mit der Gewissheit: Matchpuck vergeben. Und der Idee: Berlin wird schon passiver werden im entscheidenden Spiel 3.

Spiel 3: Weißer Bär tanzt

Doch: Pustekuchen. Selbst Olimbs Ausgleich, der nach Valentin Buschs verbotenem Pass ohne Helm zustande kam, änderte nichts mehr daran. Beide Teams brannten Feuerwerke ab und ließen in den Slots kaum etwas zu. Und dann verlor Wolfsburg ausgerechnet Kai Wissmann aus den Augen, der Leo Pföderl mustergültig aus Gretzkys Büro bediente. Minute 24 des 2. Drittels entschied über die Meisterschaft. Aber eigentlich Spiel 2, was bei aller Cortina-Wertschätzung über das Erreichen des Endspiels Tage später zu dessen Abschied führte. Im Gedächtnis bleibt: Spieler stützen sich auf Schlägern ab, Blicke gehen wie nach 20 Semestern Philosophiestudium ins berühmte Leere.

Für die Zukunft: ein Dobermann

Pat Cortina, der schüchterne Taktikhund, ist also von Bord, Dobermann „Iron Mike“ Steward übernimmt ein Team, das größtenteils zusammenbleiben und erneut auf eine erste Meisterfeier hinarbeiten wird. Mit Bremerhaven wurde Steward Zweitliga-Meister, Trainer des Jahres und unvergessener Schiedsrichter-Schimpfling. In der DEL küsste er die Augsburger Panther wach und führte sie in die Champions Hockey League. In Köln verzockte er sich zuletzt, das Team hatte genug vom Dobermann und verlor 17 Mal hintereinander. Aus die Maus, Uwe Krupp übernahm.

Das war im Februar 2020. Ach, Februar 2020. Die Zeit vor Corona. Da wird man ganz sentimental. Egal aus welchem Grund.

__

Dies ist eine Kolumne von Frank Bröker. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion.

Frank Bröker ist Musiker, Komponist und Autor. Er ist Eishockeyfan und -experte und schrieb bereits sieben Bücher zu diesem Thema, unter anderem für den Verlag Andreas Reiffer.