Intensiver Schlagabtausch: Michael Schultz (re.) gewinnt hier ein Kopfballduell gegen Marc Heider. Foto: Agentur Hübner

Braunschweig. Eintracht Braunschweig spielte am 8. Spieltag der 3.Liga im traditionsreichen Niedersachsen-Match gegen den VfL Osnabrück leistungsgerecht 2:2-Unentschieden. Von Jürgen Roland Keuneke.

In Gedanken bei Popivoda

Vor dem Spiel wurde an den gerade verstorbenen ehemaligen Zuschauer-Liebling und Löwen-Kicker Danilo Popivodo und höhere Liga-Zeiten gedacht. So waren auch ihm zu Ehren viele ehemalige Mitspieler von “Popi” im Stadion – wie unter anderem Franz Merkhoffer, Wolfgang Grobe, Dieter Zembski, Dietmar Erler, Peter Lübbecke, Reiner Hollmann, Bernd Gersdorff und Uwe Krause. Nicht nur sie und über weit über 7000 Eintracht-Anhänger sahen beim gerechten Remis ein Drittliga-Spiel auf hohem Niveau! Zahlreiche Osnabrücker Fans füllten zusätzlich die Gäste-Kurve des Eintracht-Stadions und sorgten für zusätzliche Stimmung auf den Rängen.

Beide Trainer sahen nach dem letzten Liga-Spiel keinen Grund, Stamm-Personal zu wechseln. BTSV-Coach Schiele setzte Rückkehrer und Spielmacher Henning, der seine Schulter-Verletzung auskuriert hatte, erst einmal auf die Bank. Beide Teams begannen das Spiel sehr selbstbewusst – ohne großes Abwarten und Abtasten. Dabei machten die Löwen noch mehr Dampf als die Gäste. Einen ersten Schuss gab dann von der Strafraum-Grenze auf das von Kühn gehütete Tor Henning-Ersatz Otto ab.

Doch auch der VfL suchte Abschluss-Möglichkeiten. In der 9. Spielminute war dann der schnelle Rechtsaußen Simakala nach gutem Umschaltspiel zentral frei durch, doch Löwen-Keeper Fejzic kam aus dem Strafraum heraus und klärte vor ihm. Doch die Riesenchance zum Führungstor hatte auf der Gegenseite Eintrachts Linksaußen Zauner, der sich nach klugen Zuspiel im Strafraum frei vor Torwart Kühn fand – diesen aber mit seinem Schuss nicht überwinden konnte. Zwei Minuten später versuchte es dann Mittelstürmer Lauberbach mit einem Abschluss, der aber fast zu einer Torwart-Rückgabe geriet. Osnabrück versuchte das Glück im Konterspiel und hatte eine erste Torgelegenheit in der 18 Spielminute, als der zentrale Mittelfeldspieler Taffertshofer seinen Meister in BTSV-Keeper Fejzic fand.

Torlose Halbzeit trotz Großchancen auf beiden Seiten

Der VfL hatte jetzt mehr und mehr Spielanteile. Als in der 22. Minute Kunze eine Flanke von rechts kurz vor das Braunschweiger Tor brachte, fehlte Simakala in bester Position ein wenig die Orientierung, als er bei einer Drehung den Kasten deutlich verfehlte. Beide Seiten hatten jetzt mehr und mehr Tor-Abschlüsse zu verzeichnen. Eine Minute nach Simakalas Großchance flankte auf der Gegenseite der durchgebrochenen Löwen-Linksverteidiger Kijewski in den Strafraum. Spitze Lauberbach erreichte das Leder per Kopf und fand nur den Weg ins Tor nicht, da der Ball noch von Guganig über das Tor abgefälscht werden konnte.

Der VfL versuchte es auch in Minute 24 und 25, doch die Schüsse von Kunze und Klaas verfehlten beide das Eintracht-Tor deutlich. Die Schlussphase der ersten Halbzeit gehörte dann den Osnabrückern, obwohl die VfL-Innenverteidigung noch einen vielversprechenden Gewaltschuss von Braunschweigs Abwehrchef Behrendt abblocken musste. Die Zuschauer mussten sich beim Halbzeitpfiff mit einem torlosen Unentschieden begnügen, obwohl sie teilweise sehr schöne Kombinationen des blau-gelben Teams zu sehen bekommen hatten. Die Anhänger beider Teams sorgten dabei dafür, dass im Stadion eine grandiose Stimmung vorherrschte.

Turbulente zweite Halbzeit ohne Sieger

Auch in die zweite Halbzeit starteten beide Teams mit viel Energie und Spielfreude. Auf beiden Seite gab es wieder Chancen, aber die Osnabrücker durften zuerst über einen Torerfolg jubeln, nachdem Gäste-Torwart Kühn in der 50. Minute einen Hammer vom im gesamten Spiel sehr auffälligen Krauße entschärft und Simakala aus spitzem Winkel von links nur das BTSV-Außennetz getroffen hatte. Denn in der 60. Spielminute nahm der violette Mittelfeldmann Klaas einen Ball von Opoku von links auf, der einen kurzen Moment ungedeckt war und den Ball ins linke Eck des BTSV-Tores bugsierte. Waren vorher keine Tote gefallen, ging es jetzt Schlag auf Schlag. Denn die Eintracht zeigte sich unbeeindruckt von der Osnabrücker Führung und antwortete nur sieben Minuten später durch den Ausgleich des Ex-Osnabrückers Multhaup, der einen Pass von links von Lauberbach im Strafraum aufnahm und am hier machtlosen Keeper Kühn vorbei einschoss.

Jetzt gab es im Eintracht-Stadion einen offenen Schlag-Abtausch. Beide Teams suchten den Sieg. Löwe Henning, frisch in der Zentrale eingewechselt, bereitete mit einer guten Aktion den Weg zum Braunschweiger 2:1-Führungstreffer durch Mittelstürmer Lauberbach, der von links im Strafraum sehenswert einnetzte. Osnabrück antwortete wütend: Taffertshofer setzte einen Volleyschuss über den Kasten von Fejzic (75.). Die Eintracht versuchte nun, die gedrehte Führung über die Zeit zu bringen. Dieses Ansinnen war allerdings vergeblich, denn VfL-Stoßstürmer Heider machte diesen Plan mit seinem Kopfball zum 2:2-Ausgleich nach Flanke von rechts – die Kijewski nicht verhindern konnte – in der 82. Spielminute zunichte. Auch wenn dann die restliche Spielzeit weiter turbulent verlief: Es blieb beim 2:2-Unentschieden!

Weitere Rückkehrer in Sicht?

Mit dem Unentschieden blieb die Eintracht nun im sechsten Spiel hintereinander ohne eine Niederlage. Das es allerdings auch einen Sieg hätte geben können, lag im Bereich des Möglichen. Diesmal schaffte die Eintracht es nicht, einen knappe Führung kurz vor Ende der Partie noch über die Runden zu bringen. Trainer Schiele bestätigte nach dem Spiel, dass dies eigentlich die finale Vorgabe vom Spielfeld-Rand an die Mannschaft gewesen war.

Zum Comeback von Bryan Henning sagte der Trainer, dem das Spiel seiner Mannschaft – trotz des nur einen gewonnenen Punktes – sehr gefallen hatte: “Die Rückkehr von Bryan auf den Rasen war ordentlich. Er hat zwar auch einige Fehlpässe gespielt, sich aber den Ball zumeist wieder zurückerkämpft. Bei ihm ist noch mehr drin, dies weiß er auch selbst. Bryan muss aber auch erst wieder ´reinfinden nach seiner Verletzung”. Schiele sprach zwar auch eine Unkonzentriertheit von Kijewski zum Schluss des Spieles an, war aber von seinen beiden Außenverteidigern grundlegend sehr angetan.

“Wiebe und Kijewski haben ihre Sache gegen die technisch starken und schnellen Außenstürmer Simankala und Opoku sehr gut gemacht. Wie schon im letzten Heimspiel die in Braunschweig bekannten 1860-Flügelspieler Bär und Biankadi kaum Raum zur Entfaltung hatten, haben unsere Außenverteidiger auch diesmal ihre Gegenspieler gut im Griff gehabt”. Lasse Schlüter, mal wieder als offensiver Außen eingewechselt und eigentlich der Wettbewerber von Kijewski auf der Linksverteidiger-Position, bekam von seinem Trainer ein Sonderlob für seine neue Rolle: “Lasse hat das erneut prima gemacht, als er für Multhaup ins Spiel kam. Er hat damit einmal wieder seine Vielseitigkeit gezeigt, die ihn für das ganze Team so wertvoll macht”.

Für die Eintracht stehen nun zwei Auswärtsspiele nacheinander an, die weiter erfolgreich bestritten werden sollen. Nach Bryan Henning sind in den Spielen in und in Freiburg (Nachholspiel) nach und nach weiterer Rückkehrer aus dem Mannschafts-Lazarett zu erwarten. Ob Benjamin Girth und Luc Ihorst schon Optionen für den Kader sein können, werden die kommenden Trainingstage zeigen. Nach seinen guten Leistungen in den ersten Spielen wird es aber für beide schwer sein, demnächst Neuzugang Lauberbach als Mittelstürmer wieder zu verdrängen. Eher wird es wohl zu einem Dreikampf mit Zauner um den Linksaußen-Job kommen. Multhaup als Rechtsaußen sollte sich nun im Stamm festgespielt haben.

Zahlen & Fakten

Eintracht Braunschweig: Fejzic – Wiebe, Behrendt, Schulz, Kijewski (89. Strompf) – Krauße, Nikolaou (81. May) – Multhaup (89. Kobylanski), Otto (61. Henning), Zauner (61. Schlüter) – Lauberbach Trainer: Michael Schiele

VfL Osnabrück: Kühn – Kunze (63. Traore), Guganig, Trapp, Kleinhansel – Köhler, Taffertshofer – Opoku (84. Higl), Klaas (84. Wooten), Simakala (72. Bertram) – Heide Trainer: Daniel Scherning

Torfolge: 0:1 Sebastian Klaas (60. Opoku), 1:1 Maurice Multhaup (67. Lauberbach), 2:1 Lion Lauberbach (73. Henning), 2:2 Marc Heider (82. Traoré)

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Brian Behrendt (Rückennummer 30) rettete der Eintracht einen wichtigen Zähler im Löwenduell. Foto: Agentur Hübner/Archiv

Braunschweig. Die Eintracht und der TSV 1860 München trennten sich am Samstagnachmittag 1:1(0:0)-Unentschieden. Dabei hätte eine knifflige Fehleinschätzung von Schiedsrichter Harm Osmers fast die späte blau-gelbe Niederlage bedeutet. Innenverteidiger Brian Behrendt gelang in der Nachspielzeit doch noch der gerechte und vielumjubelte Ausgleich.

“Ein geiles Spiel!”

Nach drei Siegen in Folge haben die Fußballprofis von Eintracht Braunschweig auch gegen den TSV 1860 München große Moral bewiesen. Es waren teils dramatische Szenen, die sich in den letzten Spielminuten vor den Augen der 7.389 Zuschauerinnen und Zuschauer auf dem Rasen des Eintracht-Stadions abspielten. In einem packenden Duell auf Augenhöhe, dem vor allem die beiden Schlussmänner Jasmin Fejzic und Marcel Hiller ihren Stempel aufdrückten, hatte Schiedsrichter Harm Osmers in der 88. Spielminute bei Michael Schultz ein Handspiel gesehen und zeigte auf den Punkt.

Bitter: Der Ball hatte aber nur den Rumpf des Braunschweigers getroffen. Routinier Sascha Mölders schnappte sich die Kugel und überwandt Fezic im Braunschweiger Tor (88.). „Ich fand es war ein richtig geiles Spiel und ich hab mich in dem Moment geärgert, dass ein Standard hier entscheidet“, entfuhr es Michael Schiele nach Spielende bei Magentasport.

Doch dieses unterhaltsame Löwenduell war noch lange nicht entschieden. BTSV-Coach Schiele wechselte sofort offensiv, brachte Martin Kobylanski, Iba May und Felix Stumpe für Krauße, Wiebe und Kijewski. Nach einem bereits sehr gefährlichen Freistoß von Kobylanski fand der Eingewewchselte mit der nachfolgenden Ecke Brian Behrendt, der – halb mit der Schulter, halb mit dem Rücken – das Leder vom kurzen Pfosten aus ins lange Eck bugsierte (90+2.). „Es hat Spaß gemacht, mit dem Tor noch ein bisschen was zu retten“, freute sich der Defensivspieler im Interview bei Magentasport, denn: „Wir haben nicht verloren, das ist das Wichtigste. Wir wollen oben dabei sein. Da hilft ein Punkt in letzter Minute.“

Eintracht Braunschweig rangiert nach der englischen Woche nun punktgleich mit dem Halleschen FC und Wehen Wiesbaden auf dem 3.Tabellenplatz. Am kommenden Dienstag (17:45) gastiert die Mannschaft von Michael Schiele zum Auftakt im NFV-Pokal beim VfB Oldenburg. Bis dahin soll laut Aussagen von Schiele auch ein weiterer Innenverteidiger fix sein. In der 3.Liga geht es für die Löwen weiter am 12. September (14.00) gegen den VfL Osnabrück.

Zahlen & Fakten

Eintracht Braunschweig: Fejzic – Wiebe (90. May), Behrendt, Schultz, Kijewski (90. Stumpe) – Krauße (90. Kobylanski), Nikolau – Multhaup, Y. Otto (79. Consbruch), Pena Zauner (82. Schlüter) – Lauberbach Trainer: Michael Schiele

TSV 1860 München: Hiller – Deichmann (90. Goden), Lang, Salger, Steinhart – Dressel – Biankadi, Neudecker, Tallig (66. Tallig), Bär (76. Staude) – Mölders Trainer: Michael Köllner

Torfolge: 0:1 Sascha Mölders (88. HE), 1:1 Brian Behrendt (90.+2 Kobylanski)

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Wieder zu null: Schlussmann Jasmin Fejzic war auch gegen Zwickau nicht zu überwinden. Foto: Agentur Hübner

Braunschweig. Eintracht Braunschweig machte mit einem überzeugenden 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen den FSV Zwickau am Samstag die fatale erste Heimpleite gegen Viktoria Berlin vergessen. Glücklich feierte das neue Team, das sich, inklusive Pokalspiel, seit drei Partien immer weiter verbessert zeigt, mit den 5.600 Zuschauern im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße. Lange Gesichter gab es allerdings bei den drei BTSV-Kickern, die sich während der Partie verletzten. Gerade jetzt in der englischen Woche (vor dem Dienstag-Spiel in Verl) gehen Trainer Schiele nun besonders die Stürmer aus. Von Jürgen Roland Keuneke.

BTSV-Coach Schiele änderte sein siegreiches Team aus Halle nicht und ließ auch taktisch erneut im 4-2-3-1-System agieren. FSV-Trainer Enochs schickte eine gegenüber dem Remis gegen Meppen leicht veränderte Formation auf den Rasen. Starke, Lokotsch und Gomez spielten für Baumann, Willms und den eigentlich unersetzlichen Goalgetter “King” König. Enochs kündigte an, durch den Wechsel von König auf Lokotsch als Spitze vorne schneller spielen zu lassen. Er versprach sich davon, durch variables Offensivspiel die in Halle konzentriert und stabil agierende Löwen-Hintermannschaft zu Fehlern zu verleiten.

Wiebe mit sehenswerter Vorarbeit zum Führungstor durch Ihorst

Zwickau begann die Partie dementsprechend recht flott und agil und verlagerte das Spielgeschehen zunächst einmal mehr in die Hälfte der Eintracht. Allerdings war die in rot gekleidete Gast-Mannschaft einfach zu ungefährlich auf dem Weg in den Strafraum der Eintracht. Braunschweig hielt den Ball in den eigenen Reihen und legte viel Wert auf sicheres Spiel. Nach fünf Minuten ebbte der erste Schwung des FSV deutlich ab. Eintracht übernahm mehr und mehr das Zepter und hatte durch mutigeres Vorgehen sogleich mehrere erste Gelegenheiten, unter anderem Zauner (6.).

Eine davon nutzte Stoßstürmer Ihorst zu 1:0-Führung der Gastgeber (8.), als die Zwickauer Hintermannschaft nach einem Zuspiel von Braunschweigs Zauner von der rechten Torauslinie in den Fünfer nur kurz klären konnte. Der offensive blau-gelbe Rechtsverteidiger Wiebe eroberte sich im Anschluss klasse das Leder und leitete es per Kopf weiter auf seinen Mittelstürmer, der den Ball aus kurzer Tor-Entfernung geschickt über FSV-Keeper Brinkies ins linke Tor-Eck lupfen konnte.

Ihorst hatte sein zweiter Treffer im Eintracht-Trikot deutlich motiviert, so versetzte er die Zwickauer Defensive noch einige Male in Folge und hätte fast auf ein höheres Ergebnis gestellt. Allerdings geriet ihm nach einem feinen Solo ein Schuss aus dem Strafraumzentrum in der 10. Spielminute dann doch etwas zu harmlos. Keeper Brinkies zeigte sich auch dabei als sicherer und guter Rückhalt für das Enochs-Team. Zwischendurch zeigte auch die Mannschaft aus Sachsen, dass sie noch da war. Allerdings verzog Hauptmann seinen Schuss von der BTSV-Strafraumgrenze deutlich (14.). Wenig später war es wieder Zeit für einen Auftritt vom bärenstarken Löwen-Stürmer Ihorst. In der 19. Spielminute spielte er nicht den sich im Strafraum anbietenden Henning an, sondern tankte sich selbst durch und zog ab – denkbar knapp am Tor vorbei.

Die Eintracht blieb weiter am Drücker: Multhaups Ecke von links segelte nur knapp über den Scheitel vom zum Kopfball hochgestiegenen Krauße (28.). Drei Minuten später rettete den FSV-Innenverteidiger Nkansah in höchster Not. Den Sachsen war hinten ein Ball durchgerutscht, den der wuselige Braunschweiger Achter Henning im Strafraum aufnahm und abzog. Von Nkansahs Bein sprang der Ball nur hauchdünn über das Gebälk von Brinkies Tor.

Den größten Aufreger vor der Pause kreierten aber die Zwickauer, als sie in der 38. Minute einen Ball aus dem linken Toraus noch als Flanke in den BTSV-Strafraum brachten, ohne dass der Schiedsrichter abpfiff! Die Löwen-Defensive hatte den Ball 20 Zentimeter im Toraus gesehen und bereits abgeschaltet. Nur einer herausragenden Parade von Fejzic war es zu verdanken, dass der im Strafraum nun völlig frei stehende FSVler Hauptmann das Leder hier nicht im Tor unterbrachte – denn auch der Linienrichter hatte hier die Fahne nicht oben.

Auch an der Hamburger Straße mit dem ersten Saisondreier: Eintrachts Fußball-Profis lassen ihre Fans wieder jubeln. Foto: Agentur Hübner

Auch an der Hamburger Straße mit dem ersten Saisondreier: Eintrachts Fußball-Profis lassen ihre Fans wieder jubeln. Foto: Agentur Hübner

Der FSV musste sich in der Kabine eine Predigt von Enochs anhören, der mit dem Auftritt seiner Mannschaft überhaupt nicht zufrieden war. So wechselte er gleich mehrmals, um die Offensive anzukurbeln. König kehrte für Lokotsch in die Sturmspitze zurück, Willms ersetzte den unglücklich agierenden Gomez. Allerdings änderte sich das Bild auf dem Platz nicht wirklich, da die Eintracht Zwickau keinen Raum zur Entfaltung ließ. Gefahr ging auch weiterhin meist von der Braunschweiger Offensive aus. So war es immer wieder Ihorst, der gefährlich vor dem Tor von Brinkies auftauchte.

Vielversprechend war dessen Spurt von rechts in den FSV-Strafraum in der 49. Spielminute. Allerdings brachte er sich selbst dabei um den verdienten Lohn eines gelungenen Tor-Abschlusses, da er aus dem Gleichgewicht kam und strauchelte. Dummerweise trat er dabei falsch auf und verletzte sich dabei am Oberschenkel, sodass er ausgewechselt werden musste. Aber auch dadurch ließ sich die Eintracht nicht aus dem Konzept bringen, tauchte immer wieder unwiderstehlich vor dem Strafraum des Enochs-Teams auf. Ein Abschluss von Sechser Nikolaou aus der zweiten Reihe ging noch am Brinkies-Tor vorbei (55.).

Vier Minuten später machte es der quirlige blau-gelbe Außenbahnspieler Zauner besser. Er spielte sich mittig bis in den FSV-Strafraum durch und suchte selbst überlegt den Abschluss, obwohl sich Mitspieler links und rechts ebenfalls anboten. Der Ball schlug links im Zwickauer Tor zum 2:0 für die Eintracht ein. Keeper Brinkies hatte hier keinerlei Abwehr-Chance.

Drei Verletzungen trüben Freude über verdienten Heimsieg

Die nächsten “Höhepunkte” des Spieles waren für die engagiert und lautstark mitgehenden Zuschauer im Stadion keine weiteren Torchancen, sondern Auswechslungen auf Seiten der Eintracht. Der dauerlaufende BTSV-Spielmacher Hennings musste mit einer Schulterverletzung vom Platz (71.). Ihm folgte dann Innenverteidiger Schulz 10 Minuten später mit einem Nasenbeinbruch, den er sich bei einer Abwehr-Aktion zuzog. Die neuen Eintracht-Spieler fügten sich nahtlos ins System und ließen gegen Zwickau bis zum Schluss der Partie nichts mehr anbrennen. Nur eine Gefahrensituation hätte noch einen Anschlusstreffer des FSV bringen können, als König BTSV-Keeper Fejzic von der Strafraumgrenze noch mit einem Kopfball zu einer Glanzparade nötigte. Alles im allem war der Sieg der Eintracht schließlich vollauf verdient und hätte sogar noch um ein Tor höher ausfallen können.

Eintracht-Trainer Schiele konnte sich nach dem Spiel nicht so recht freuen, da es heute einen Pyrrhus-Sieg gegeben hatte. Man müsse zwar die genauen ärztlichen Untersuchungen der im Spiel verletzten Kicker abwarten. Er sehe aber keine große Chance auf einen Einsatz von Henning und Ihorst in den nächsten Spielen. Einzig Schulz wäre gegebenenfalls wieder zurück auf dem Platz zu erwarten, weil er schon Erfahrung mit dem Tragen einer Maske nach einem Nasenbeinbruch habe. Im Hintergrund würde zwar weiterhin an Verstärkungen für den Kader gearbeitet, aber mit Neuzugängen bis zum anstehenden Verl-Spiel am Dienstag wäre wohl nicht zu rechnen.

Man könne auch in nächster Zeit sicherlich keine drei bis vier Neuzugänge erwarten. Das wäre finanziell unrealistisch. Schiele lobte seinen neuen offensiven Außenbahnspieler Zauner, der vor seiner Verpflichtung kaum Spielpraxis gehabt hätte und dafür jetzt schon gut in Form wäre. Die jungen Nachwuchsspieler auf der Bank wären noch nicht soweit, sie jetzt schon von Anfang an zu bringen. Eine Offensiv-Option wäre möglicherweise Cronsbruch, der schon die ganze Zeit zuvor mit den Bundesliga-Profis von Arminia Bielefeld im Training gewesen sei.
FSV-Coach Enochs beglückwünschte seinen Kollegen Schiele zu einem verdienten Sieg. Dessen eigene Taktik in der Offensive ohne König sei nicht aufgegangen. Die Defensive hätte es bei den Gegentoren der Eintracht zu einfach gemacht, da in den entscheidenden Situationen weder Mann noch Ball engagiert verteidigt worden wären.

Gegen Verl schon mit Lion Lauberbach als Mittelstürmer?

Sicherlich ist in der Eintracht-Aufstellung am Dienstag in Verl offensiv hinter den Spitzen statt Henning der Zehner Kobylanski zu erwarten, der gegen Zwickau auch für den Ex-Osnabrücker eingewechselt wurde. Die große Frage ist, ob schon in der Sturmspitze mit Lion Lauberbach von Anfang an zu rechnen ist. Der 23-jährige hochgewachsene Mittelstürmer – der schon den Löwen im Namen trägt – wurde direkt nach dem Spiel gegen Zwickau ablösefrei von Holstein Kiel bis 2023 verpflichtet. In der letzten Saison war er von den Störchen in der Rückrunde an Hansa Rostock ausgeliehen. Immerhin kann er in Liga 2 und 3 schon auf einige Torvorlagen und Assits und ist Stürmer-Typ als direkter Ersatz für den gerade abgewanderten Stoßstürmer Proschwitz anzusehen. Sollte Lauberbach noch nicht kurzfristig gleich gegen Verl zum Einsatz kommen, darf sich aktuell sicherlich noch einmal Otto als Mittelstürmer beweisen, der schon gegen Zwickau für den verletzten Ihorst eingewechselt wurde und sich dabei mit Kobylanski in der Spitze abwechselte.

Eintracht Braunschweig: Fejzic – Wiebe, Behrendt, Schulz (82. May), Kijewski – Krauße, Nikolaou – Henning (71. Kobylanski) – Multhaup, Ihorst (51. Otto), Zauner (82. Schlüter)

FSV Zwickau: Brinkies – Göbel, Susac, Nkansah, Coskun – Möker, Schikora (85. Reinthaler), Hauptmann (71. Voigt), Starke (62. Baumann) – Gomez (46. Willms) – Lokotsch (46. König)

Torfolge: 1:0 Ihorst (8.), 2:0 Pena Zauner (58.)

 

Eine neue Chance und Demut: Stefan Riedel übernimmt als Urgestein die 1. Herren der Freien Turner. Videostill: Jens Bartels

Braunschweig. Am Montag startete Oberligist Freie Turner in die aktive Saisonvorbereitung. Nach dem etwas glücklichen und coronabedingten Klassenerhalt will der Braunschweiger Arbeiterverein die zweite Chance nutzen. Für diese Aufgabe hat er ganz viel “Stallgeruch” auf die Trainerbank geholt: Stefan “Opa” Riedel.

Mit “Opa” auf der Bank

“Ich musste mich in der Situation erst einmal zurechtfinden”, verrät Stefan Riedel vor unserer Kamera. Von heute auf Morgen übernahm der trotz seines Spitznamens erst 36-Jährige den Posten des Cheftrainers, als klar war, dass Kosta Rodrigues zukünftig die Zeit für den anspruchsvollen Job an der Seitenlinie fehlen wird. So begann alles mit einem Anruf. Riedel erbat sich etwas Zeit, um die kurzfristige Entscheidung auch mit seiner Familie abzustimmen. Und sagte dann zu.

Einen großen Grund dafür hatte er. “Dass die Mannschaft nicht auseinanderbricht lag mir auf dem Herzen”, betont der ehemalige Abwehrspieler, der die Dinge mit seiner Mannschaft Schritt für Schritt angehen will: “Wir sollten ganz demütig sein und dementsprechend Etappenziele setzen”, so Riedel zum Trainingsstart, bei dem man viele bekannte Akteure der Braun-Weißen sah, aber auch viel Arbeit im Trainingsbereich nötig wird.

Unterstützung erhält Stefan Riedel bei seiner neuen Aufgabe nicht nur von seinen langjährigen Weggefährten auf dem Rasen. Gemeinsam mit seinem neuen Co-Trainer Marcel Müller und Torwarttrainer Wolfgang Grobe darf auf Sicht wieder ein funktionierendes Gefüge entstehen, wie es einst auf dem Fußballplatz für Furore sorgte. Peu a Peu soll das Leistungsniveau in den nächsten Wochen gesteigert werden.

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Honner Hornuß ist seit mehr als 60 Jahren im Judo aktiv. Video: Jens Bartels

Braunschweig. Seit mehr als 60 Jahren ist der Judosport in Braunschweig eng mit dem Namen Honner Hornuß verbunden. Höchste Zeit für einen Besuch des Judoka beim Braunschweiger Judo Club in der Eisenbütteler Straße.

Hornuß denkt noch lange nicht ans Aufhören

Im Februar feiert Honner Hornuß seinen 80. Geburtstag. Ans Aufhören denkt der Träger des 7. Dan aber noch lange nicht. Viel zu sehr ist sein Herz mit dem Sport verbunden, viel zu viel kann er dem Nachwuchs noch mit auf den Weg geben. „Durch gegenseitiges Helfen zum beiderseitigen Wohlergehen“, nennt Hornuß das höchste Argument, warum er Kinder auf ihren ersten Schritten in den japanischen Budō gerne eine Begleitung ist.

In unserem Interview berichtet Hornuß auch von der Entstehungeschichte des Judosports in Braunschweig. „In den Achtzigern war die Mannschaft vom Deutschen Judosport in Braunschweig praktisch die Nationalmannschaft“, erinnert er sich und berichtet von der einen oder anderen Anekdote. Und endlich bekommt Frank auch mal eine Erklärung, was es mit den Meistergraden auf sich hat. Viel Spaß!

P.S. Der BJC feiert im kommenden Jahr sein 60. Jubiläum. Honner Hornuß wird dann mit Sicherheit mitfeiern.

 

Eintrachts AR-Vorsitzender Frank Fiedler ist zurückgetreten. Foto: Jens Bartels

Braunschweig. Frank Fiedler ist nicht mehr Aufsichtsrats-Vorsitzender der Profifußball-Abteilung Eintracht Braunschweig Gmbh & Co. KGaA. Dies vermeldet die dpa am Montagvormittag.

AR-Chef zurücktgetreten

Die “Initative Eintracht” hatte für einen echten Neuanfang den Rücktritt des gesamten Aufsichtsrates von Eintracht Braunschweig gefordert (wir berichteten). Wie am Montag bekannt wurde, ist der Aufsichtsrats-Vorsitzende Frank Fiedler am Montag mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurückgetreten. Der Finanzvorstand des Eintracht-Sponsors Volkswagen Financial Services AG nannte der dpa-Meldung zufolge dafür in einem Schreiben an das Präsidium des Clubs “persönliche Gründe”.

Wie die Braunschweiger Zeitung zuvor berichtet hatte, war Fiedler wegen Alleingängen im Aufsichtsrat in die Kritik geraten. So habe er den Vertrag von Sport-Geschäftsführer Peter Vollmann bis 2023 verlängert, was im Aufsichtsrat der Löwen mindestens für kontroverse Diskussionen über die umstrittene Personalie gesorgt habe. Fiedler hatte daraufhin der Meldung zufolge eine Einigung gefunden: Eine mögliche Abfindung im Falle einer vorzeitigen Trennung von Vollmann würde die VWFS übernehmen.

“Äußerst fragwürdig”

“Frank Fiedler hat sich seit über fünf Jahren im Aufsichtsrat ehrenamtlich eingebracht und viel Kraft und Zeit investiert. Wir respektieren seine Entscheidung und danken Frank Fiedler im Namen der Gremien für sein langjähriges und großes Engagement für die Eintracht. Innerhalb des zuständigen Gremiums werden wir uns in den nächsten Tagen zusammen finden und das weitere Vorgehen besprechen”, betonte Christoph Bratmann, Präsident des BTSV von 1895 e.V. und Mitglied des Aufsichtsrates der Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA in einer offiziellen Vereinsmitteilung.

“Äußerst fragwürdig ist, wie von bestimmten Fangruppierungen persönliche Kampagnen gegen Amtsträger oder leitende Angestellte initiiert werden. Sachliche Kritik ist erwünscht und auch wichtig. Wie hier Menschen persönlich angegangen werden, ist völlig inakzeptabel”, so Bratmann.

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Der neue Verein gibt sich idealistisich, mysteriös und bedeckt. Das verwirrt, macht aber neugierig. Foto: LFC

Braunschweig. Braucht die Löwenstadt noch einen weiteren Fußballverein? Die Gründer des ambitioniert angekündigten Projektes “Löwen Fussball Club Braunschweig” beantworten diese Frage eindeutig mit „Ja“, halten sich ansonsten aber sehr bedeckt. Am Freitag wurde das Konzept des neuen Vereins offiziell vorgestellt, wirft aber mehr Fragen auf, als zunächst beantwortet werden.

„Blicken mit stolz in die Zukunft“

Sie hätten die Corona-Pandemie und die damit verbundene Fußballpause intensiv genutzt, berichten die Gründer des “LFC” am Freitag in einer aus dem Kaltstart heraus konfus anmutenden Pressemitteilung. „Seit einigen Monaten befinden wir uns in der noch nicht endgültig abgeschlossenen Gründungsphase und blicken mit stolz in die Zukunft”, wird hier beispielsweise Nils Behringer zitiert, welcher der Meldung zufolge vor acht Jahren durch ein Studium in Sportmanagement nach Braunschweig kam und mit zwei weiteren Personen den geschäftsführenden Vorstand des “Löwen Fussball Club Braunschweig” bilden soll.

Anfang Mai habe man Werbung via Social-Media-Kanäle gestartet, doch gibt selbst diese Pressemitteilung weder eine Sportstätte noch weitere grundlegende Informationen preis. Wer wird Trainer? Welche Spieler hat man schon? Selbst den dritten geschäftsführenden Vorstand neben Oliver Walther will man – aus welchen Gründen auch immer – explizit noch ungenannt lassen. Man sei zumindest was die Sportstätte angeht in den letzten Zügen mit den Behörden und wolle hier in den nächsten Tagen Licht ins Dunkel bringen.

Investor im Hintergrund?

Dabei klingt das alles nicht nur mysteriös, sondern zumindest auf dem Papier auch sehr ambitioniert. Die Gründer des LFC legen nach eigener Aussage großen Wert auf Vielseitigkeit: „Es wurde nicht ausschließlich auf eine Vergangenheit im sportlichen Bereich geachtet, sondern auch ein Augenmerk auf Finanzen, Marketing und Wirtschaft gelegt“, heißt es in dem Schreiben.Was bedeutet diese nicht weiter erklärte Aussage? Steht etwa ein potenter Sponsor oder Investor hinter dem Projekt? Bei der Logogestaltung war nach unseren Informationen zumindest ein Braunschweiger Fitness-Center mit dem Löwen im Wappen im Spiel. Apropos Löwe – auch der Name des neuen Vereins klingt merkwürdig vertraut. Irgendwas mit Löwe in Braunschweig? Geht immer!

Die Geheimniskrämerei trotz offizieller Pressemitteilung und die angekündigte Konzentratration auf “Finanzen, Marketing und Wirtschaft” dürfte aufgrund schwindener Zahlen im Nachwuchsfußball und diverser Vereinsauflösungen und -Zusammenlegungen der letzten Jahre im Braunschweiger Amateurfußball zumindest kritisch beäugt werden und wird dort mutmaßlich nicht gut ankommen. Jaja, der Vollmer ist wieder mal fies. Nein, ist er wirklich nicht! Er will euch wirklich gerne anpreisen, aber mal ehrlich lieber LFC: Ich werd wirklich nicht schlau aus den ominösen Ankündigungen.

“Persönlichkeiten fördern”

Überdies wolle der LFC sich, angefangen bei einer Herrenmannschaft, langfristig als Ausbildungsverein für Spieler und Trainer definieren. „Wir machen uns zur Aufgabe, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene sowohl sportlich, als auch in ihrer Persönlichkeit zu fördern“, so der kommunizierte Plan. Nach dem Motto: „runter von der Straße, weg vom Handy und ab auf den Fußballplatz“ würden demnach in erster Linie Kinder und Jugendliche von dem neuen Verein profitieren. Dazu gehöre eine moderne Trainingsgestaltung, um „unsere Spieler motorisch weiterentwickeln und ihnen dadurch die Möglichkeit geben, das schulische Lernen durch Bewegung zu unterstützen und den chronischen Bewegungsmangel zu bekämpfen.“ Aha! Und was genau bedeuet das? Bessere Noten durch Bewegung? Das wär doch mal was! Oder hab ich diesen Satz einfach nicht verstanden?

Auch die zukünftigen LFC-Trainer sollten durch interne Fortbildung und Unterstützung bei dem Lizenzerwerb auf den neuesten Stand gebracht werden. „Wir streben dabei nach einer größtmöglichen Professionalität, wollen durch ständige Optimierung moderne Wege gehen und damit vor allem aktuelle Themen in den Fokus legen“, erklärt Oliver Walther. Neben einer bunten Mischung aus geweckter Neugierde, einer saftigen Prise Verwirrung und gesundem braunschweiger Argwohn wünsche ich dem neuen Verein natürlich viel Erfolg zum Start! Neue Dinge braucht das Land! Etwas mehr Informationen und etwas weniger Marketingsprech hätte ich mir für die Premiere des “Löwen Fussball Clubs” aber dennoch gewünscht.

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Dies ist ein Kommentar von Frank Vollmer. Die Meinung des Autors entpspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion

 

 

Die Eintracht ist am Tiefpunkt. Jetzt meldete sich die Initiative Eintracht und fordert eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Foto: Frank Vollmer/Archiv

Braunschweig. In einem Offenen Brief zeigte die Initiative Eintracht am Freitag deutlich die internen Probleme bei Eintracht Braunschweig auf. Eine ihrer Forderungen: Der gesamte Aufsichtsrat solle zurücktreten. Mal wolle ansonsten die Vertrauenfrage stellen. Auch eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist Ziel des Schreibens.

Offener Brief mit Lösungsvorschlägen

Wie die Initiative am Freitag auf ihrer Homepage mitteilte (hier), seien die Gründe für den Abstieg „vor allem im gravierenden Missmanagement im Aufsichtsrat der GmbH & Co. KG, aber auch beim Präsidium, das offensichtlich nicht mehr Herr im Haus ist“, zu suchen. In einem sehr ausführlichen Offenen Brief legte die Initiative Eintracht einen detaillierten Handlungsvorschlag vor:

Sehr geehrte Damen und Herren, werte Mitglieder, Fans, Freunde und Sponsoren der Braunschweiger Eintracht,

einmal mehr steht unser Verein am Abgrund. Trotz erheblicher finanzieller Anstrengungen ist der Klassenerhalt in der 2. Fußball-Bundesliga nicht gelungen. Er wurde leichtfertig verspielt. Die Ursachen dafür liegen unserer Meinung nach vor allem in den gravierenden Fehleinschätzungen und -entscheidungen der Vereinsführung, insbesondere durch den Aufsichtsrat.

Die markantesten Kritikpunkte sind unseres Erachtens:

Die vorzeitige Vertragsverlängerung des sportlichen Geschäftsführers Peter Vollmann. Ohne Not und ohne das Saisonziel Klassenerhalt erreicht zu haben, wurde der sportlich existenzielle Posten für zwei weitere Jahre mit Peter Vollmann besetzt. Nach unseren bestätigten Informationen handelte es sich dabei um einen Alleingang des Aufsichtsratsvorsitzenden Frank Fiedler (Volkswagen FSAG).

Ebenfalls stark irritierend ist die Vertragsgestaltung mit Trainer Daniel Meyer zu Saisonbeginn. Offenbar wurde er auch mit einem Vertrag für die 3. Liga ausgestattet. Arbeitsverhältnisse im Profisport sollten sich aber unserer Meinung nach am Erfolg bzw. der Zielerfüllung ausrichten und nicht den Misserfolg goutieren.

Bei beiden Personalien ist den dafür Verantwortlichen hochgradig unprofessionelles Verhalten vorzuwerfen.

Dies gilt auch für den Umgang mit der Trainerfrage. Spätestens nach den desolaten Leistungen in Fürth und gegen Aue hätten im AR und im Präsidium einmütige und erfolgreiche Entscheidungen zum Erreichen des Klassenerhalts getroffen werden müssen. Stattdessen war öffentlich zu verfolgen, dass die bedrohliche Situation den Kreis der Entscheider in mindestens zwei Lager geteilt hatte. Auch hier setzte sich Frank Fiedler als AR-Chef durch und hielt am Trainer fest. Noch nicht einmal der öffentlich avisierte Impuls in Richtung der sportlich Verantwortlichen erfolgte. Dieselbe Prozedur spielte sich nach dem verlorenen Würzburg-Spiel erneut ab. Allerdings hatte man dann den Klassenerhalt nicht mehr in der eigenen Hand.

Seit dem Abstieg in die 3. Liga 2018 ist die Kader-Planung insgesamt ungenügend, teuer und eine einzige Flickschusterei. Der Aufstieg in die 2. Liga im vergangenen Jahr ist dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass ein zu großer, zu teurer Kader, aufgrund von coronabedingten englischen Wochen, zum Vorteil wurde. Ansonsten war auch diese Saison sportlich extrem bescheiden. Ein Konzept ist nicht erkennbar. Der Verein steht seit 2018 nur für Eines: amateurhaftes Krisenmanagement.

Von unserem Präsidenten und dem handelnden Präsidium hätten wir ein Einschreiten erwartet. Wenn wir als Verein im Aufsichtsrat schon keine Mehrheit haben, so ist das für sich schon eine traurige Realität, an der wir alle arbeiten müssen. Zusehen und die Entscheidungen schweigend mittragen hat dem Ansehen des Präsidiums geschadet. Christoph Bratmann und sein Team sollten schon jetzt verkünden, ob und in welcher Konstellation sie im Herbst zur ordentlichen Mitgliederversammlung antreten. Der Verein braucht dringend mehr Einfluss im Aufsichtsrat.

In der 3. Liga kommen ganz schwere Zeiten, sportlich wie finanziell, auf die Eintracht zu. Unter anderem muss eine neue Mannschaft aufgebaut werden, und wir haben Ankündigen vernommen, dass der Hauptsponsor VW sein Engagement weiter reduziert. Die Bewältigung dieser extrem schwierigen Aufgaben trauen wir dem aktuellen Aufsichtsrat und den derzeit sportlich Verantwortlichen nicht zu.

Deshalb wird die Initiative Eintracht Schritte einleiten, um nach § 15 der Vereinssatzung des BTSV Eintracht 1895 e.V. eine außerordentliche Mitgliederversammlungzum nächstmöglichen Zeitpunkt einberufen zu lassen. Wir werden ferner Anträge einreichen, um auf dieser Mitgliederversammlung Tagesordnungspunkte zu folgenden Themen zu behandeln:

1. Stellungnahme des Präsidiums zum Abstieg aus der 2. Liga sowie Vorstellung des Konzeptes für die 3. Liga mit Aussprache.

2. Neubesetzung des Aufsichtsrats-Postens des zurückgetretenen Thomas Ritterbusch.

3. Vertrauensfrage bezüglich der verbliebenen Aufsichtsrats-Mitglieder.

4. Neubesetzung der Aufsichtsrats-Sitze, deren Inhaber nicht das Vertrauen der Mitglieder genießen.

5. Fragen und Anregungen

Wir bitten nicht nur bei der Neuformierung der Führungsebene inständig um die Mithilfe aller, denen Eintracht selbstlos am Herzen liegt.

Es soll ein Neuanfang auf allen Ebenen der Profi-Abteilung eingeleitet werden. Dafür bedarf es Personen, die mit hoher Identifikation und Sachverstand der Eintracht uneigennützig eine stabile Zukunft im Profi-Fußball sichern wollen.

Mit blau-gelben Grüßen für die Initiative Eintracht
Sebastian Götze, Wolfgang Schoeps

 

 

 

Immer noch da: Frank Vollmer. Video: Jens Bartels

Braunschweig. Während 1.Herren-Chefcoach Kosta Rodrigues die Freien Turner mehr oder weniger überraschend verlässt, hat der Arbeiterverein aus dem Prinzenpark im eigenen Nachwuchsbereich einen echten Coup gelandet: Uwe Erkenbrecher übernimmt die U17-Junioren.

“Fußball im Fernsehen kann ich nicht mehr sehen!”

Uwe Erkenbrecher ist eines der bekanntesten Gesichter im regionalen Fußball. Der mittlerweile 66-Jährige, der bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie noch den Oberligisten Lupo Martini Wolfsburg trainierte, will es nach einem Jahr Pause noch einmal wissen und seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz an den Nachwuchs weitergeben. Wir haben beim neuen U17-Coach der Braun-Weißen nachggefragt, was ihn dazu bewegt hat.

Neuer Cheftrainer der 1.Herren im Prinzenpark wird der bisherige Co-Trainer Stefan „Opa“ Riedel, der Freie Turner gemeinsam mit seinem neuen Co-Trainer Marcel Müller wieder zum sportlichen Erfolg führen soll. Als Aktiver Spieler erlebte Riedel die Sterstunden der Braun-Weißen mit dem Aufstieg in die Regionalliga Nord und die Teilnahme am DFB-Pokal gegen den 1.FC Köln 2014.

 

Neues Team für die 1. Herren: Trainer Sebastian Pasemann (li.) und Fußballabteilungsleiter Benjamin Franz. Foto: Verein

Braunschweig. Sebastian Pasemann ist der neue Trainer der 1. Herrenmannschaft des SV Olympia 92. Pasemann hat für zwei Jahre unterschrieben und folgt auf Jonas Klügel, der den Verein nach langen Jahren verlässt.

„Wir freuen uns, dass wir Sebastian Pasemann als neuen Trainer für den SVO verpflichten konnten“, berichtete am Mittwoch Fußballabteilungsleiter Benjamin Franz von den Braunschweiger Traditionskickern. „Sebastian hat uns in den gemeinsamen Gesprächen total überzeugt. Er besitzt mehrere Lizenzen, hat eine klare Spielidee, ein großes Netzwerk in der Region und ist im positiven Sinne ein Fußballverrückter“, betonte Franz, der bestätigte, dass Pasemann für die neue Herausforderung bei der Olympia auch Angebote aus höheren Ligen ausgeschlagen hat.

Nachdem die Spielgemeinschaft mit dem SC Leoni aufgelöst wurde wollen die Amateurkicker vom Bienroder Weg einen Neustart in der 1. Kreisklasse wagen – wenn es die Corona-Pandemie denn endlich zulässt. Dafür beerbt Pasemann den bisherigen Trainer Jonas Klügel, „der uns leider nach langen, intensiven Jahren verlässt“, so Franz, der anfügt: „Bei der Gelegenheit möchten wir uns ganz herzlich bei Jonas für sein großes Engagement und seine Leidenschaft für den SVO
bedanken! Er hinterlässt große Fußstapfen. Wir sind jedoch überzeugt, den idealen Nachfolger gefunden zu haben.“