Kennt mehrere Oktaven in der Klaviatur: Eintracht-Coach Daniel Meyer. Foto: Agentur Hübner

Braunschweig. Die Pressekonferenz der Braunschweiger Eintracht vor dem Spiel bei Darmstadt 98 hatte es in sich. Nein, Chefcoach Daniel Meyer hat nicht den Trapattoni gemacht. Kein Wutausbruch, keine markigen Sprüche. Aber der Löwentrainer hat in seiner ruhigen, sachlichen Art viel Wichtiges und Richtiges gesagt. Deshalb war es eine Pressekonferenz, deren Aussagen das Zeug zum Zitat haben. Zumindest bei denjenigen, die auf Inhalt und Argumentation stehen. Von Till Oliver Becker.

Ein guter Typ in unsachlichen Zeiten

Dabei hat Meyer noch nicht einmal in eine besondere rhetorische Kiste greifen müssen. Es reichten klare, einfache Worte, um seine Botschaft an die Fans loszuwerden: Wir sind ein ganz normaler Aufsteiger, haben einen großteils unerfahrenen Kader und stecken mitten in der Entwicklung. Und: Es hilft weder den Spielern noch den Trainern, wenn die Anhänger so früh in der Saison (ja, wir haben tatsächlich erst acht Spieltage hinter uns) alles und jeden verteufeln. Vor allem nicht, wenn der Ton dabei jeden Stil vermissen lässt.

Meyers Positionierung tut gut in einer aufgeregten, unsachlichen Zeit. Gibt es tatsächlich nur schwarz und weiß? Alles oder nichts? Natürlich nicht. Aber genau das wird von manchem, besonders in den sozialen Netzwerken, zu oft vergessen. Ein Sieg, und der BTSV ist bereits angekommen in der Liga und sollte sich nach oben orientieren. Eine Niederlage, und der Abstieg kann unmöglich noch verhindert werden.

Die Eintracht hat als Aufsteiger nach acht Spielen acht Zähler. Erst oder bereits? Diese Zweite Bundesliga ist irre eng, hier kann tatsächlich jeder jeden schlagen. Auch Eintracht, wie das verrückte 2:1 gegen den VfL Bochum (aktuell Tabellenvierter) bewiesen hat. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, dass Spiele verloren gehen können, in denen man besser oder wenigstens gleichwertig war. Die erste Heimniederlage, das 1:3 gegen den Karlsruher SC, ist dafür ein Musterbeispiel. Zwei schnelle Gegentore, die so auch nicht in jeder Partie passieren, das dritte dann in einer Phase, als der Ausgleich schon fast überfällig war. Statt 2:2 oder 3:2 geht das Spiel dann verloren. Das sieht in der Tabelle doof aus. Fakt ist aber, dass die Eintracht leistungstechnisch nicht weit von den anderen Clubs der Liga entfernt ist. Es sind bereits jetzt, in dieser frühen Phase der Entwicklung, oft nur Nuancen oder mangelnde Erfahrung, die zwischen drei, einem oder keinem Punkt entscheiden. Übrigens, der Tabellendritte Paderborn ist aktuell nur sechs Punkte entfernt. Was wäre in den sozialen Netzwerken bloß los, wenn man gegen Karlsruhe und in Heidenheim.

Felix Dornebusch steht ständig in der Kritik, kann aber nichts dafür. Foto: Agentur Hübner

Felix Dornebusch steht ständig in der Kritik, kann aber nichts dafür. Foto: Agentur Hübner

Warum immer auf Dornebusch?

Apropos Gegentore. Einer, der seit Saisonbeginn kräftig sein Fett abbekommt, ist Felix Dornebusch. Der neue Stammkeeper spielt bisher eine solide Saison und hat sich auch gegen den KSC nichts zuschulden kommen lassen (Kicker-Note 3 trotz dreier Gegentore sagt alles). Trotzdem scheint er für manchen im WWW der alleinig Schuldige an den Treffern der Gegner zu sein. Das ist natürlich Blödsinn, und das sehen auch die Fachleute und Journalisten nicht so. Der Grund, warum Felix Dornebusch bei manchen Anhängern so überkritisch bewertet wird, ist, dass er Jasmin Fejzic vom Platz zwischen den Pfosten verdrängt hat. Ich gebe zu, auch ich würde in JF16-Bettwäsche schlafen, wenn es sie gäbe. Trotzdem sehe ich ein, dass der Torwartwechsel zu einem jüngeren und moderneren Keeper richtig war und ist. Felix Dornebusch hat es jedenfalls verdient, dass man ihn fair behandelt und bewertet.

Der Spieler, der bei dieser PK den Platz neben Pressesprecherin Denise Schäfer einnahm, war übrigens der zweite Felix im Löwen-Trikot, Felix Kroos. Der beantwortete eine Frage zu seinem Bruder Toni zwar noch freundlich, machte dann aber klar, dass er diese Art von Fragen eigentlich langweilig fände. Okay, Felix, verstanden. Welcher Bruder eigentlich?

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Dies ist eine Kolumne von Till Oliver Becker. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion.

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