Deniz Dogan verewigt als Kunst. Wir gratulieren zum 41. Geburtstag! Illustration: Rainer Moskon

Braunschweig. Am Dienstag feiert Deniz Dogan Geburtstag. Ganze elf seiner 41 Jahre verbrachte der gebürtige Lübecker als Defensivspezialist bei Eintracht Braunschweig, das somit zum großen Teilstück auf seinem persönlichen Weg geworden ist. Wir sind mal hinunter ins Archiv gestiegen und haben aus gutem Anlass unsere Titelstory der Printausgabe #10 aus dem Januar 2014 ans Tageslicht gefördert. Es waren andere Zeiten: Damals kämpften Dogan und Co. in der Bundesliga um den Klassenerhalt. Unser Autor Timo Keller fing die einmalige Stimmung seinerzeit exzellent ein. Happy Birthday, Deniz!

Gehe deinen Weg

Es war 1956, als Johnny Cash mit “I walk the line” einen seiner größten Hits herausbrachte. Das ist inzwischen lange her und hat erstmal wenig mit Fußball oder Eintracht Braunschweig zu tun. Doch die Botschaft, die der amerikanische Country-Held mit diesem Song zum Ausdruck bringen wollte, gilt noch bis heute. Gehe deinen Weg und lasse dich nicht davon abbringen, egal was passiert – das will uns Cash damit sagen.

Dieser Satz könnte auch aus dem Mund von Eintrachts Trainer Torsten Lieberknecht stammen. Der 40-Jährige geht mit den Blau-Gelben auch einen Weg, den nicht viele einschlagen und den noch weniger erfolgreich bis zum Ende gehen. Er nennt ihn gerne auch den “romantischen Weg”. Mit bescheidenen finanziellen Mitteln, aber immer mit dem Glauben an die eigene Stärke hat Lieberknecht den Klub in nur fünf Jahren aus dem Tabellenkeller der 3. Liga in die Bundesliga geführt. Und kaum ein anderer Profi steht so für diesen Weg wie Deniz Dogan. Der 34-Jährige ist seit Anfang an dabei, hat Höhen und Tiefen miterlebt, hat Schweiß und Tränen für die Eintracht vergossen. Als es viele schon nicht mehr für möglich gehalten hatten, schaffte er so noch den Sprung in die 1. Liga – weil er seinen ganz persönlichen Weg trotz einiger Hindernisse nie verlassen hat. Würde er noch leben, Johnny Cash wäre stolz.

“Es gab ja damals keine Playstation. Wir waren immer draußen. Es gab auch häufig Ärger mit den Nachbarn, wenn wir mal wieder etwas kaputt geschossen hatten. Aber das gehört wohl dazu.” Deniz Dogan

Die ersten Gehversuche

Der Weg des Deniz Dogan begann im Lübecker Stadtteil Siems, auf Hinterhöfen, Bolzplätzen und im eigenen Garten. “Ich habe eine große Familie, wir haben immer untereinander gespielt”, sagt der Linksfuß über die ersten Gehversuche mit dem runden Leder. “Es gab ja damals keine Playstation. Wir waren immer draußen. Es gab auch häufig Ärger mit den Nachbarn, wenn wir mal wieder etwas kaputt geschossen hatten. Aber das gehört wohl dazu.”

Einer seiner ersten Mitspieler war sein Zwillingsbruder Hüseyin, der später ebenfalls Profi-Fußballer wurde. Doch bis dahin sollten noch einige Jahre vergehen. Erstmal zog es Deniz Dogan zum Stadtteil-Klub TSV Siems. Ein Vertreter des Vereins sah den Zehnjährigen kicken, überredete ihn, doch in einer Mannschaft zu spielen. Der TSV hatte einen guten Namen, spielte zeitweise in der höchsten Amateurliga Schleswig-Holsteins. Der berühmteste Sohn des Klubs schrieb sogar Fußball-Geschichte – und das in Braunschweig!

Gerd Saborowski wurde in Siems Jugend-Nationalspieler, ehe es ihn über Kiel an die Hamburger Straße verschlug, wo er 1967 sensationell mit der Eintracht Deutscher Meister wurde. Dass sich sein Weg mit dem der Blau-Gelben irgendwann mal kreuzen würde, ahnte der junge Dogan natürlich nicht: “Ich hatte auch nie den Gedanken, Profi zu werden. Das war nicht geplant. Ich wollte immer nur Spaß haben und das Beste daraus machen.”

Zu Beginn wollte der Deutsch-Türke vor allem Tore schießen, schließlich war er Stürmer. Aber mit zunehmendem Alter rutschte er auf der Taktiktafel der Trainer immer weiter nach hinten, zunächst ins offensive, danach ins defensive Mittelfeld. In der A-Jugend war der 17-Jährige dann in der Abwehr angekommen. Probleme bereiteten ihm diese Umstellungen nicht – zumal er auch keine alleinige Fußball-Ikone hatte, der er unbedingt nacheifern wollte. “Ein richtiges Vorbild hatte ich eigentlich nie”, sagt Dogan. “Es gab jedoch Spieler, die mich fasziniert haben. Ronaldo war grandios, Zinedine Zidane war einmalig. Oder Roberto Carlos mit seinem Schuss. An Paolo Maldini hat mich vor allem seine Beständigkeit beeindruckt.”

Sternstunde: Drittliga-Meiser mit Eintracht Braunschweig 2011. Foto: Agentur Hübner

Sternstunde: Drittliga-Meister mit Eintracht Braunschweig 2011. Foto: Agentur Hübner

“Wie oft trainieren wir eigentlich?”

Doch plötzlich war die Jugendzeit zu Ende, ein neuer Weg musste eingeschlagen werden. Vom TSV Siems ging es zunächst zum Traditionsklub Phönix Lübeck, dann weiter zum Eichholzer SV, der in der Oberliga kickte. Vom großen Fußball war das noch weit entfernt, mehr als 200 Zuschauer fanden selten den Weg zu den Spielen. Und doch war es das Sprungbrett in den Profi-Fußball für den damals 21-Jährigen. Nach einem Spiel gegen die zweite Mannschaft des Hamburger SV kam die Anfrage, auf die viele junge Spieler ihr Leben lang warten. Der große HSV wollte ihn haben, wenn auch erst einmal nur für das Reserveteam.

Aber wenn man den Fuß einmal in der Tür hat, ergeben sich vielleicht Chancen. Im Sommer 2001 wechselte Dogan aus Lübeck nach Hamburg – und damit in eine andere Welt. Alles ist größer, spektakulärer, lauter. “Meine erste Frage an meinem ersten Tag war: Wie oft trainieren wir eigentlich?”, erinnert sich der Linksfuß schmunzelnd. Zuvor in Eichholz hatten drei Einheiten in der Woche stattgefunden, in Hamburg wurde jeden Tag trainiert, häufig auch zweimal. “Da hat für mich das Profi-Leben langsam angefangen, da habe ich das erste Mal Einblick in das Geschäft bekommen”, so Dogan weiter.

Zweifel, ob es der richtige Schritt war, wurden schnell im Keim erstickt, denn schon bald durfte der Neue sogar bei den Profis mittrainieren. Zum Team gehörten damals Namen wie Erik Meijer, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach oder Tomas Ujfalusi. Doch es waren andere Zeiten. Statt auf junge, hungrige Spieler zu setzen, vertraute Coach Kurt Jara vor allem auf etablierte Kräfte. Bei Dogan kam noch ein weiteres Problem hinzu: Sein türkischer Pass. “Damals durften nicht so viele Nicht-EU-Ausländer eingesetzt werden. Und es waren schon einige Argentinier im Team”, erklärt der Abwehrspieler. Mit Rodolfo Cardoso, Cristian Ledesma und Bernardo Romeo standen gleich drei Südamerikaner im Kader, dazu noch der Iraner Mehdi Mahdavikia, der Japaner Naohiro Takahara und Collin Benjamin aus Namibia. “Die Perspektive war einfach schwierig”, sagt Dogan rückblickend. Als dann Frank Pagelsdorf, damals beim VfL Osnabrück auf dem Trainerstuhl, anrief und ihm ein Angebot machte, war die Entscheidung gefallen.

Doch ein Hamburger stellte sich gegen den Wechsel: Thomas Doll. Der Ex-Nationalspieler und Coach des HSV II erkannte Dogans Potenzial. “Mit ihm bin ich gut klargekommen. Er hat gesagt, dass ich nicht gehen soll, dass ich die Qualität habe, dass ich es packen würde. Aber ich wusste auch, dass es unter Jara schwer werden würde”, erklärt der Eintracht-Profi. Im Sommer 2003 verließ er Hamburg nach zwei Jahren und heuerte beim Zweitligisten Osnabrück an. Doch an der Bremer Brücke lief es nicht rund. Dogan verletzte sich früh in der Saison, konnte lange Zeit nur zuschauen, wie der VfL in den Tabellenkeller abrutschte. Am Ende konnte er den Abstieg in die Regionalliga nicht verhindern.

“Ich war auch mit anderen Vereinen im Gespräch, wollte eigentlich in die 2.Liga gehen, aber auch im Norden bleiben. Ich war mir sicher, dass das mit der Eintracht klappt.” Deniz Dogan

Über Umwege nach Braunschweig

Zur gleichen Zeit wurde Jara als HSV-Trainer abgelöst – und sein früherer Förderer Doll als Nachfolger bestimmt. “Wenn ich dort geblieben wäre, hätte er mich wahrscheinlich spielen lassen”, sagt Dogan. “Das Jahr in Osnabrück war hingegen nicht schön, aber dafür lehrreich. Und ich bereue die Entscheidung, die ich damals getroffen habe, nicht. Denn sonst wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.”

Und manchmal muss man auf seinem Weg eben auch einen Schritt zurückgehen, um am Ende zwei nach vorn zu machen. Für den damals 24-Jährigen hieß das: Zurück nach Lübeck, zurück in die Heimat. Er heuerte beim VfB an, zu der Zeit ein ambitionierter Regionalligist, der mit Macht zurück in die 2.Liga wollte. Doch irgendwie klappte es nicht. Obwohl man stets oben mitspielte, fehlten am Ende der Saison immer ein paar Zähler. Eine frustrierende Situation. Und dann kamen die finanziellen Probleme des Klubs dazu. Sie waren ein Grund dafür, dass Dogans Zeit beim VfB nach drei Spielzeiten endete.

Dann rief Benno Möhlmann aus Braunschweig an. “Ich war auch mit anderen Vereinen im Gespräch, wollte eigentlich in die 2.Liga gehen, aber auch im Norden bleiben. Ich war mir sicher, dass das mit der Eintracht klappt. Die Gespräche mit dem Trainer waren auch sehr positiv”, berichtet der heute 34-Jährige. Doch anstatt um den Aufstieg aus der Regionalliga in die 2. Liga mitzuspielen, ging es schon bald nur noch um die Qualifikation für die neue 3. Liga. “Damit hatte keiner gerechnet. Von den Namen her hatten wir auch eine hochkarätige Mannschaft. Aber es hat im Team nicht richtig gepasst, zudem hatten wir einen schlechten Start”, erinnert sich Dogan ungern an die Saison 2007/08 zurück. Am Ende reichte es gerade noch so zur Quali – weil ausgerechnet Lübeck, das bereits als Absteiger feststand, am letzten Spieltag mit einem 1:0-Sieg in Essen Schützenhilfe leistete. Die Eintracht entging dem Sturz in die fußballerische Bedeutungslosigkeit in letzter Sekunde, doch der VfB hat sich von dem Fall nicht wieder erholt.

Nach zwei Insolvenzen spielt der Klub aus der Hansestadt inzwischen in der fünftklassigen Schleswig-Holstein-Liga. “Das tut schon weh”, gibt Dogan zu, der mit den Blau-Gelben in der vergangenen Saison zum DFB-Pokalspiel an der Lohmühle antreten musste. “Es ist schon traurig zu sehen, wie dort alles herunterkommt, weil kein Geld da ist. Das Stadion war schön, ich war immer gerne dort, doch jetzt kann man fast zusehen, wie es verfault. Ich hoffe, dass der VfB nochmal auf einen grünen Zweig kommt und etwas Neues aufbauen kann.”

Wegbegleiter an der Oker: Dogan und der Braunschweiger Jung Marc Pfitzner beim Torjubel im April 2010. Foto: Agentur Hübner

Wegbegleiter an der Oker: Dogan und der Braunschweiger Jung Marc Pfitzner beim Torjubel im April 2010. Foto: Agentur Hübner

Das Wunder vom Aufstieg

Der Weg der Eintracht führte seit der Last-Minute-Quali für die 3. Liga nur noch bergauf – und Dogans Weg ebenso. Drei Jahre später stieg das Lieberknecht-Team in die 2. Liga auf, wieder nur zwei Jahre später gelang nach 28 Jahren Abstinenz sogar die Rückkehr in die Bundesliga. Vom Abgrund auf den Gipfel in nur fünf Jahren. “Das ist wirklich unfassbar”, erklärt Dogan. Der Abwehrchef legt jedoch Wert darauf, dass der steile Aufstieg kein Zufall ist: “Es ist nicht so, dass uns etwas geschenkt wurde. Wir haben nur einen Weg eingeschlagen, und den gehen wir mit aller Konsequenz. Wir haben uns immer weiter gesteigert, haben unser Potenzial immer weiter ausgeschöpft. Und irgendwann haben wir erfahren, dass es gar keine Grenze gibt.”

Eine Zahl unterstreicht das ganz besonders: Aus dem Kader, mit dem die Eintracht in der 3.Liga gespielt hat, stehen immer noch 13 Spieler in Braunschweig unter Vertrag. Und alle 13 haben in der aktuellen Spielzeit schon mindestens ein Bundesliga-Spiel bestritten. Eine wohltuende Konstanz, die es im modernen Fußball nur noch selten gibt. Doch das geht nur, wenn die Spieler sich entwickeln, wenn sie an sich glauben. “Wenn du etwas nicht gleich hinkriegst, heißt das nicht, dass du es nicht kannst. Dann musst du nur einen anderen Weg einschlagen”, erklärt Dogan. “So halte ich es immer. Ich lasse mir nicht einreden, dass ich irgendwo eine Grenze habe. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann will ich mich nicht mit weniger zufrieden geben.”

Das ist der Geist, der ihn antreibt, der das gesamte Team dorthin gebracht hat, wo es gerade ist – in der vielleicht besten Liga der Welt. “Man muss immer schauen, dass man sich die Ziele richtig setzt, nicht zu tief, nicht zu hoch. Ich glaube, dass wir als Team noch gar nicht wissen, wie viel Potenzial wir überhaupt haben. Wir haben nur gemerkt: Es geht immer mehr”, sagt der 34-Jährige, dem einige Kritiker vor der Saison auch nicht zugetraut hatten, dass er den Sprung in die 1.Liga im fortgeschrittenen Fußball-Alter nochmal schafft.

Robust: Dogan köpft dem späteren Champions League-Gewinner Robert Lewandowski im Spätherbst 2013 die Kugel weg. Foto: Agentur Hübner

Robust: Dogan köpft dem späteren Champions League-Gewinner Robert Lewandowski im Spätherbst 2013 die Kugel weg. Foto: Agentur Hübner

“zwischen der 2. und der 1.Liga liegen Welten”

Doch Dogan hat sie eines Besseren belehrt. Er gewann in der Hinrunde 66,67 Prozent (was für eine Zahl aus Eintracht-Sicht!) seiner Zweikämpfe, nur acht Profis hatten ligaweit einen besseren Wert. Top-Stars wie etwa den Münchner Javi Martinez hat er hinter sich gelassen. Nur zu Saisonbeginn leistete er sich den einen oder anderen Wackler, als das gesamte Team noch so seine Schwierigkeiten hatte, sich in der neuen Welt zurechtzufinden. “Es war ja für fast alle von uns Neuland”, erklärt der Verteidiger. “Zwischen der 3. und der 2.Liga war der Unterschied schon groß. Aber zwischen der 2. und der 1.Liga liegen Welten, das ist etwas komplett anderes, das kann man gar nicht vergleichen. In der Bundesliga spielst du nur gegen die richtigen Top-Leute.”

Was die Blau-Gelben auf die harte Tour lernen mussten: Auf diesem Niveau wird der kleinste Fehler extrem hart bestraft. Und sie machten Fehler, sie verloren Spiele, insgesamt zwölf in der Hinrunde. Auch wenn von außen aufgrund der geringen Erwartungshaltung wenig Druck aufgebaut wurde, war es keine einfache Situation für die Spieler, die Pleiten immer wieder zu verarbeiten. “Es kommt auch immer darauf an, wie die Niederlage zustande kommt. Wenn du wirklich alles gegeben hast, aber du konntest an dem Tag irgendwie nicht an deine Leistungsgrenze gehen, und der Gegner war besser, dann musst du das einsehen. Wenn man ein Spiel jedoch leichtfertig aus der Hand gibt, ärgert einen das viel mehr”, gibt Dogan einen kleinen Einblick in die Gefühlswelt eines Profis nach Niederlagen.

Der 34-Jährige ist jedoch erfahren, hat auf seinem Weg schon einiges mitgemacht und gesehen. Er kann mit der Situation, mit dem Druck, der gerade in der 1.Liga herrscht, umgehen. Doch einige können das nicht. Seit so prominenten Fällen wie dem von Sebastian Deisler oder Ralf Rangnick ist Burn-Out auch ein Thema im Profi-Fußball. Dabei handelt es sich um eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung aufgrund von Überlastung. Mit Martin Amedick erwischte es auch einen ehemaligen Braunschweiger, der sich deswegen in medizinische Behandlung begab.

Mittlerweile Co-Trainer beim VfL Osnabrück. Foto: Agentur Hübner

Mittlerweile Co-Trainer beim VfL Osnabrück. Foto: Agentur Hübner

“Druck habe ich nur vom Trainer!”

“Ich kann das schon verstehen«, sagt Dogan ehrlich. “Das Problem ist, dass so viele mitreden wollen. Ich würde jungen Fußballern immer den Rat geben: Kauft euch keine Zeitung. Wenn dort etwas über mich drinsteht, nehme ich mir das nicht zu Herzen. Aber ich habe schon mehr Erfahrung als ein junger Spieler, der vielleicht diese Meinung übernimmt und dessen ganze Gedanken dann nur darum kreisen.” Der Lübecker hat im Laufe seiner Karriere gelernt, das gesamte Drumherum auszublenden und sich nur auf seinen persönlichen Weg zu konzentrieren. “Man sollte einen Kreis von Menschen haben, auf die man hört, wie den Trainer oder die Familie. Aber es sollten keine Schulterklopfer sein, denn ‘ehrliche Kritik hilft auch'”, ist seine Philosophie.

Aber entsteht der Druck nicht automatisch, wenn man im Stadion vor über 20.000 Zuschauern aufläuft? Oder vor 80.000 wie in Dortmund? “Druck habe ich nur vom Trainer”, sagt Dogan schmunzelnd. “Man sollte sich auf jedes Spiel freuen. Ich gebe immer mein Bestes, mehr kann ich nicht machen.” Und in dieser Saison habe man gar keinen Druck. “Es ist doch eine Sensation, dass wir überhaupt dabei sind. Das sollten wir vor allem mitnehmen. Klar wollen wir auch den Klassenerhalt schaffen. Aber wenn überhaupt, dann ist das nur positiver Druck.”

“Man sollte sich auf jedes Spiel freuen. Ich gebe immer mein Bestes, mehr kann ich nicht machen.” Deniz Dogan

Der Traum vom Trainerjob

Für Coach Lieberknecht wäre es nach dem Bundesliga-Aufstieg 2013 das “zweite Wunder”, wenn am Ende der Saison der Nichtabstieg stehen würde. Es wäre ein weiterer Riesenschritt auf dem Eintracht-Weg, den Dogan nun schon seit über sechseinhalb Jahren mitgeht. Braunschweig ist für ihn zu einem großen Teilstück auf seinem persönlichen Weg geworden. Und der soll noch nicht zu Ende sein. Er könnte sich sehr gut vorstellen, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern. Anders als einige andere Spieler in seinem Alter zieht es ihn nicht unbedingt nochmal in die Ferne. “Ich bin zwar ein sehr spontaner Mensch und Optionen wären vielleicht auch da, aber ich muss nicht unbedingt”, sagt Dogan. “Mir geht’s hier gut, ich bin hier glücklich. Und ich will so lange Fußball spielen, wie es mir Spaß macht, und wenn das mit 40 noch so ist. Das ist eigentlich mein größter Wunsch.”

Doch der 34-Jährige denkt auch schon über die Zeit nach der aktiven Karriere nach, könnte es sich sehr gut vorstellen, selber eines Tages Trainer zu werden: “Ich mag es, mit jungen, ehrgeizigen Menschen zusammenzuarbeiten.” Dogan will die Erfahrungen, die er auf seinem Weg von Lübeck über Hamburg und Osnabrück nach Braunschweig gemacht hat, weitergeben. Es war nicht immer ein einfacher Weg, das eine oder andere Hindernis stand auf der Strecke. Doch er hat sich davon nicht abbringen lassen, ist immer weitergegangen. Und kann schon jetzt frei nach Johnny Cash sagen: “I walked the line”, ich bin meinen Weg gegangen.

Alte Printausgaben in Restbeständen noch verfügbar. Schreibt uns an. Foto: Vollmer

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